Behind the Candelabra (dt. Liberace, Steven Soderbergh, USA 2013)

Eigentlich zeigt die Produktionsgeschichte dieses Films, dass das amerikanische Fernsehen oft weiter ist als Hollywood: Steven Soderbergh hat jahrelang versucht, eine Produktionsfirma und ein mageres Budget von 5 Millionen Dollar für die Verfilmung der letzten zehn Jahre des amerikanischen Pianisten Liberace zu bekommen. Laut einem Interview mit Soderbergh war es Hollywood „too gay“ (http://blogs.indiewire.com/theplaylist/steven-soderbergh-says-behind-the-candelbra-was-rejected-by-hollywood-studios-for-being-too-gay-20130105). Erst der Pay-TV Sender HBO (verantwortlich für Serien wie Six Feet Under, True Blood und Game of Thrones) hat sich dem Stoff offen gegenüber gezeigt – und dementsprechend offen ist der Film auch geworden.

Schon beim ersten Auftritt von Michael Douglas als Liberace ist es klar: Ja, „schwuler geht’s kaum“. Das soll keineswegs als Beleidigung empfunden werden – so geht es ja Scott Thorson (Matt Damon), auf dessen Memoiren der Film basiert, auch, als er ihn das erste Mal auf der Bühne sieht und sich wundert, dass die ganzen (oftmal älteren) Damen sich so für diesen Schwulen begeistern können. Der Kommentar seiner Begleitung (Scott „Captain Archer“ Bakula mit Schnurrbart und langen Haaren kaum zu erkennen): „They don’t know.“ In unserem aufgeklärten 21. Jahrhundert kaum vorstellbar, wie Liberace so offensichtlich schwul sein konnte und es doch -auch in Gerichtsprozessen gegen Medien – sein ganzes Leben lang abstreiten konnte. Aber man darf eben nicht vergessen, dass das noch in der Zeit vor Rock Hudsons AIDS-Tod (und damit Coming-Out) war.

Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem exzentrischen, alternden Liberace und dem jungen, zunächst recht naiven Scott Thorson, der eigentlich Tierarzt werden möchte, dann aber als „Mädchen für Alles“ im „Palast-Kitsch“ Liberaces landet. Obwohl er Liberace liebt und fast alles für ihn tut (bis hin zu einer Schönheits-OP, die ihn wie eine jüngere Ausgabe von Liberace aussehen lassen soll), ist das Leben mit dem Star nicht immer einfach. Und so sind dann auch die stärksten Szenen die, in denen es zum Streit zwischen den beiden kommt. Da kommt dann das Tragische dieser Beziehung ans Licht – auch wenn der Film sehr viele humorvolle Szenen und Aspekte hat.

So muss man anfangs schon allein angesichts der Frisuren und Outfits aller Beteiligten lachen und gleichzeitig den Mut der Schauspieler bewundern, denn so richtig gut kommt optisch eigentlich keiner weg: der Schönheitschirurg z. B. (Rob Lowe) schaut einfach selbst so geliftet aus, dass man sich natürlich schon fragt, wieviel sie da an Maske bei Rob Lowe gebraucht haben, der ja schon immer als Schönling gegolten hat, als er noch jünger war. Und wie Liberace Scott um den Finger wickelt, da kann man auch nicht umhin zu lachen. 

Ein Wort zur schauspielerischen Leistung: Michael Douglas und Matt Damon beweisen mit diesen Rollen ungeheuren Mut und ihr riesiges Talent. Warum Mut? Beide entblößen sich ziemlich – und ich meine hier nicht unbedingt körperliche Nacktheit. Die kommt zwar auch vor – und es ist nicht immer schön, was man zu sehen bekommt -, aber es geht eben auch emotional ziemlich ans Eingemachte. Wenn die beiden streiten (oder sich lieben), ist das so echt, dass man komplett vergisst, dass das ja Douglas und Damon sind, die noch dazu wohl gesichert heterosexuell sind. Wirklich beeindruckend! Michael Douglas hat ja schon den Emmy dafür bekommen; da es eine Fernsehproduktion ist, fürchte ich ja, dass er nicht für einen Oscar nominiert werden kann. Berechtigt wäre es allerdings – meines Erachtens war er nie besser als in dieser Rolle!

Ein absolut sehenswerter Film: 8 von 10 Punkten!

 

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