DVD-Tipp: Warm Bodies (Jonathan Levine, USA 2013)

„I’ve never seen a bad zombie movie. Even the bad ones are fantastic.“ Das sagt Rob Corddry, der eine Nebenrolle in dieser romantischen Zombie-Komödie spielt. OK, wenn die schlechten sogar „fantastisch“ sind, ist dieser Film nicht von dieser Welt! 😉

Ich bin ja erst relativ spät zum Zombie-Film gekommen – ich denke fast, dass 28 Days Later und Shaun of the Dead die ersten Zombie-Filme, die ich absichtlich gesehen habe und die mir auch gefallen haben. Seitdem fahre ich insbesondere auf witzige Zombie-Streifen ab, so wie man sie z. B. auf dem Fantasy Filmfest immer wieder geboten bekommt (2012: Cockneys vs. Zombies). Aber eine glaubwürdige Romanze zwischen Zombie und Mensch???

Es funktioniert! Warm Bodies basiert auf dem gleichnamigen Roman von Isaac Marion und wird aus Sicht des Zombies „R“ (Nicholas Hoult, der Junge aus About a Boy – all grown up!) erzählt. Auf der Suche nach Essen (= Menschen) treffen R, sein Kumpel „M“ (Robert Corddry) und ein paar andere Zombies auf eine Gruppe von jungen Menschen mit Maschinengewehren, die gerade Medikamente in einem Krankenhaus zusammensuchen, um sie in die von der Zombiezone abgetrennten Stadt der Menschen zu bringen. Es ist Liebe auf den ersten Blick für R als er Julie (Teresa Palmer) um sich schießen sieht – und statt sie zu essen, schützt er sie vor den anderen und nimmt sie zu sich mit nach Hause – ein Flugzeug. Natürlich ist Julie erstmal verängstigt, aber nach und nach kann ihr R zeigen, dass er ihr nichts antun will. Dafür legt er Schallplatten mit unglaublich passenden Songs auf, besorgt ihr was zu essen und zu trinken und rettet sie ein paar Mal bei ihren Versuchen zu fliehen.

Interessanterweise kann R mit der Zeit auch immer besser reden, während er sich vor dem Treffen mit Julie mit seinen Mitzombies nur durch „Stöhnen/Grunzen“ (wie auch immer man das nennen  mag) verständigt hatte. Es baut sich eine Verbindung auf zwischen den beiden, die schließlich sogar noch auf andere Zombies übergreift – getreu dem englischen Untertitel: „He’s (They are) getting warmer“. Wenn da nur nicht die „Bonies“ wären! Das sind extrem weiterentwickelte Zombies, die so einen Hunger haben , dass sie sogar ihr eigenes Fleisch verspeist haben und nur noch Haut und Knochen – abzüglich der Haut – sind (daher der Spitzname). Als die merken, dass (und warum) die „normalen Zombies“ wärmer werden, geraten sowohl R und seine Zombiefreunde als auch die Menschen in Gefahr. Da hilft nur ein Zusammenschluss von Mensch und Zombie gegen die Bonies (ob die im Deutschen wohl „Knochies“ genannt werden?), eine Idee, der Julies Vater (John Malkovich), Colonel Grigio, erstmal gar nichts abgewinnen kann, denn gegenüber Zombies hat man die Einstellung „Shoot first, ask questions later“ eingenommen. Dennoch kann er schließlich überzeugt werden und so ist der Weg offen für eine Koexistenz von Mensch und langsam wieder lebendig werdenden Zombies…

Großartige Idee, einen Film zu drehen (respektive ein Buch zu schreiben), der aus Sicht eines Zombies erzählt wird! Das allein wirbelt ja schon einige Konventionen durcheinander. Trotzdem bleiben ja auch einige Dinge bestehen, werden aber selbst-ironisch von R kommentiert, wie z. B. die Tatsache, dass sie sich nur langsam fortbewegen können oder dass sie eben – normalerweise – nicht reden können. Oh, und Hirn ist schon ihre Lieblingsspeise, und wir  erfahren endlich, warum! Und dann schaffen es die Macher auch noch, dass man ihnen eine Liebesgeschichte zwischen Zombie und Mensch abnimmt – es ist richtig romantisch am Schluss, ohne kitschig zu wirken. Das haben auch die beiden Hauptdarsteller sehr gut hinbekommen, aber ohne das herausragende Drehbuch (sehr viel Witz, ohne Schmalz) wäre das nicht möglich gewesen.

Ein paar Highlights:

  • Das „Gespräch“ zwischen R und M am Anfang – nachdem ich die Special Features der DVD gesehen habe, bewundere ich die Schauspieler noch mehr, dass sie diese Szene überhaupt in den Kasten bekommen haben, ohne in Gelächter auszubrechen – Robert Corddry ist zum Totlachen!!!
  • Die Anfangssequenz im Flughafen, inklusive Voiceover, obwohl ich das sonst oft nicht mag – hier musste es ja so sein, weil wir sonst nicht wüssten, was in Rs Kopf vorgeht.
  • Die Anklänge an „Romeo und Julia“: R und Julie – sogar ein Balkon spielt eine Rolle! Gott sei dank ist das Filmende nicht à la Shakespeare…
  • Die langsame „Wiederbelebung“ der Zombies hat mich unerwartet stark berührt, und auch die ersten Szenen der Zusammenarbeit zwischen Zombies und Menschen. Überhaupt ist es erstaunlich, dass der Film mit seiner unrealistischen Story mich emotional abgeholt hat – und zwar auf ungewöhnliche Art und Weise. Bei den meisten Zombiefilmen gibt es ja, wenn überhaupt bei der ganzen Abschlachterei dazu Zeit ist, Romanzen und „Bonding“ höchstens zwischen den Menschen, die durch den gemeinsamen Gegner Zombie „zusammenwachsen“…

Das Einzige, das mir nicht so gut gefallen hat, waren die computeranimierten Bonies. Die waren sowohl vom Aussehen als auch von der Bewegung her zu künstlich für meinen Geschmack. Sie konnten zwar auch schnell laufen, ähnlich wie die „Speedy-Zombies“ in World War Z, aber in WWZ sahen die Bewegungen viel natürlich aus und haben deswegen auch enorme Spannung erzeugt.

Ich finde, auch für Nicht-Zombie-Fans ein großes Vergnügen und beileibe kein Twilight mit Zombies, wie es einige Kritiker gesehen haben, z. B.: Scott Bowles von USA Today http://www.usatoday.com/story/life/movies/2013/01/31/warm-bodies-review/1878253/:

Geared for teens who perhaps found the Twilightseries too profound, Warm Bodies is an unabashed homage to that wildly successful franchise. One of its stars, Teresa Palmer, is even done up to be a carbon copy of Kristen Stewart, the anchor of the vampire series.

So ein Schwachsinn! Ich musste ja leider die ersten zwei Twilight-Filme in der Sneak Preview aushalten – Warm Bodies damit in einen Topf zu werfen und auch noch zu behaupten, Teresa Palmer sei ein Abziehbild von Kristen Stewart, ist meines Erachtens völlig an den Haaren herbeigezogen und wird dem Film nicht gerecht!

8,5 von 10 Punkten plus einen weiteren Punkt für die interessanten und witzigen Special Features (auf der UK-Version)!

… und jetzt hole ich mir das Buch auf meinen Kindle…

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3 Antworten zu DVD-Tipp: Warm Bodies (Jonathan Levine, USA 2013)

  1. Nummer Neun schreibt:

    Ha, da bin ich wohl damals genau so zu Zombie-Film gekommen wie du! 🙂

    Fand den Film auch ganz gut, recht unterhaltsam, und mit einem tollen Soundtrack. Hungry Heart in einem Zombiefilm!!

  2. Libertarian Anonymous schreibt:

    Der Vergleich von „Twilight“ und „Warm Bodies“ ist in der Tat haarsträubend…

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