Rush (Ron Howard, USA/D/UK 2013)

Und wieder mal ein Film, den ich mir nicht angeschaut hätte, wenn er nicht in der Sneak Preview gelaufen wäre – und ich hätte wirklich etwas verpasst! Denn obwohl ich eine Zeit lang die Formel 1 verfolgt habe, hat mich Niki Lauda nie so wirklich interessiert. Er hat ja immer die Rennen mit kommentiert und ich wusste, dass er in seiner aktiven Zeit einen schlimmen Unfall hatte, aber die genauen Umstände waren mir weder bekannt noch wichtig.

In Rush erzählt Ron Howard die Geschichte der Rivalität zwischen dem Österreicher Niki Lauda (Daniel Brühl) und dem Engländer James Hunt (Chris „Thor“ Hemsworth) bis hin zur Saison 1976, in der der spektakuläre Unfall von Niki Lauda passierte.

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum ich finde, dass dies sehr gut gelungen ist:

  • die Erzählweise: Es gibt im Grunde genommen drei (Haupt-)Perspektiven, zwischen denen abgewechselt wird: mal ist der Fokus komplett auf Hunt, dann auf Niki (inklusive Voiceover an einigen Stellen), und wenn die beiden aufeinander treffen, gibt es sozusagen eine Gesamtschau. Dadurch lernt man beide Protagonisten recht gut kennen. Beide haben ihre starken Momente, in denen man Sympathie für sie hegt, und Momente, in denen man den Kopf schüttelt und einfach nicht nachvollziehen kann, wie man z. B. sein Leben so aufs Spiel setzen kann.
  • das Casting: Exzellente Entscheidung von Ron Howard, die Österreicher und Deutschen mit deutschen Muttersprachlern zu besetzen (neben Daniel Brühl u. a. Alexandra Maria Lara). Nun ist Brühl zwar kein Österreicher, aber er hat den Akzent – sowohl im Deutschen als auch im Englischen – ganz gut hinbekommen. Überhaupt spielt er sehr überzeugend! Bin ja bei deutschen Schauspielern immer eher etwas skeptisch, aber an seiner Performance ist wirklich nichts auszusetzen (und das Make-up-Department hat auch ganze Arbeit geleistet). Auch Chris Hemsworth passt als Laudas Konkurrent James Hunt: man nimmt ihm den Draufgänger – sowohl im Privatleben als auch auf dem Parcours – vollends ab. Noch dazu schaut er halt einfach gut aus. Die Reibung zwischen Lauda und Hunt spürt man – oft ist man völlig sprachlos ob der Dinge, die sich die beiden an den Kopf werfen.
  • Kamera und Schnitt: Autorennen sind ja nicht jedermanns Sache. Und so war es sicher eine Herausforderung, die Rennen so zu filmen, dass es auch für die Kinogänger spannend wird, die mit Formel 1 nichts anfangen können. Es hat geklappt! So wurde nicht einfach eine Runde nach der anderen aus der Totalen gefilmt (so wie ein echtes Formel-1-Rennen im Fernsehen präsentiert wird), sondern es gibt viele Schnitte und Perspektivenwechsel (Totale, Blick aus dem Fahrerhelm heraus, Blick auf Beine und Schalthebel…). Besonders toll fand ich die Aufnahmen bei Regen und die Aufnahmen aus Sicht Niki Laudas bei seinem Comeback (erst ist die Sicht recht unscharf und verschleiert, dann plötzlich gestochen scharf).
  • die Darstellung des Unfalls Laudas und seiner „langsamen“ Genesung: Seit ich Auto fahre, habe ich immer wieder Angst davor, dass mein Auto in Flammen aufgeht – auch wenn das beileibe nicht so häufig passiert, wie etwa in Spielfilmen. Und so war die Sequenz, in der Laudas Unfall gezeigt wurde und man sah, wie er – bei Bewusstsein! – im brennenden Auto saß und nicht herauskam, wie andere Fahrer zunächst erfolglos versucht haben, ihn zu befreien, für mich der blanke Horror. Ja, natürlich wusste ich, dass er überlebt, aber bei diesen extremen Verbrennungen wünscht man sich ja bestimmt zwischendurch zu sterben. Beeindruckend dann, wie Lauda im Krankenhaus nicht aufgibt, trotz der wahnsinnigen Schmerzen und solch Torturen wie das Absaugen der Lungen (eine grausame Szene). Und was ich ja nicht gewusst hatte: er ist doch tatsächlich nach nur 42 (!) Tagen wieder in die inzwischen weitergelaufene F1-Saison eingestiegen! Unglaublich! Verrückt!
  • der Humor, der sich trotz aller Tragik und Rivalität durch den Film zieht. Hauptsächlich ist dieser Laudas/Brühls Sprüchen zu verdanken – der Mann hat einfach kein Blatt vor den Mund genommen! Und dann gibt es eine sehr witzige Szene mit Alexandra Maria Lara, die seine spätere Frau Marlene Knaus spielt, und Brühl beim Trampen in Italien – da ist es völlig egal, ob diese Begebenheit frei erfunden ist, wir haben noch Minuten später beim Gedanken an die Szene kichern müssen.

Ron Howard ist für mich ja ein zwiespältiger Regisseur. Manche seiner Filme finde ich großartig (z. B.: A Beautiful Mind, Frost/Nixon), andere schlicht langweilig (insbesondere die zwei Dan Brown-Verfilmungen). Rush ist ein Meisterwerk!

Das Einzige, was mir nicht ganz so gut gefallen hat, war das Voiceover an manchen Stellen, ansonsten finde ich nichts, das ich kritisieren könnte: 9,5 von 10 Punkten!

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3 Antworten zu Rush (Ron Howard, USA/D/UK 2013)

  1. Libertarian Anonymous schreibt:

    Schade – ausgerechnet den habe ich im Sneak nun verpasst… :-/

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