White House Down (Roland Emmerich, USA 2013)

Warum ist Roland Emmerich eigentlich so versessen darauf, die USA – oder deren Regierung – zu zerstören? Independence Day, Godzilla, The Day After Tomorrow, 2012 – und jetzt White House Down: Immer geht es um Angriffe auf die oder Katastrophen in den USA, egal ob von Außerirdischen, Godzilla, dem Klimawandel oder Terroristen  aus den eigenen Reihen: man könnte ihm ja vorwerfen, dass er was gegen die USA hat, aber da es ja dann meistens irgendeinen heldenhaften Amerikaner gibt, der das Ruder umreißt, wirft man ihm statt dessen übertriebenen US-Patriotismus vor. Zurecht? Auf Godzilla (den aus meiner Sicht besten Film aus dieser Reihe) trifft das schon mal nicht zu, wie ich finde. Denn da wird das amerikanische Militär als ziemlich bescheuert dargestellt – und letztlich rettet ein Franzose den Tag (OK, unzulässige wörtliche Übersetzung von „saves the day“).

Wie ist es nun mit White House Down? Vorneweg: die Reaktion als in der Sneak Preview bei den Opening Credits „A Film by Roland Emmerich“ kam, war schon etwas bezeichnend bzgl. dessen, was das Sneak-Publikum von einem Emmerich-Film erwartet (insbesondere vielleicht auch seit dem ungewollt lächerlichen 2012): reihenweise war Stöhnen zu hören, dann auch Lachen… Nun ja, ich gehörte auch dazu. Aber immerhin wusste ich, dass Channing Tatum mitspielt – und der ist zumindest nett anzusehen! Wobei er leider in diesem Film nicht tanzt, sondern seine geniale Körperbeherrschung in Stunts beweist (welche Stunts er selbst gemacht hat, weiß ich allerdings nicht).

Die Story ist schnell erzählt (und da der deutsche Wikipedia-Artikel zu diesem Film so denkbar verkürzt und dazu auch noch falsch ist, muss ich wohl doch etwas dazu sagen): John Cale (Tatum), der bisher beim Capitol (Sitz des Kongresses) als Polizist zum Schutz des Sprechers des Repräsentantenhauses Raphelson (Richard Jenkins) eingesetzt ist, bekommt durch einen Gefallen einen Termin für ein Vorstellungsgespräch beim Secret Service, der für den Schutz des US-Präsidenten zuständig ist. Er bringt seine Tochter Emily (Joey King), die ein großer Fan des Präsidenten Sawyer (Jamie Foxx) ist, mit ins Weiße Haus und hofft so auch ein bisschen, bei ihr zu punkten, nachdem er zuvor einen wichtigen Termin von ihr verpasst hatte (er und die Mutter, gespielt von Rachelle Lefevre, leben offensichtlich getrennt). Nun, das Vorstellungsgespräch läuft nicht so gut, obwohl – oder gerade weil – Carol Finnerty (Maggie Gyllenhaal), die das Gespräch mit ihm führt, eine alte Bekannte ist. Das mag John seiner Tochter erstmal so nicht erzählen; und als diese sieht, dass gerade eine Führung durchs Weiße Haus beginnt, willigt er ein, daran teilzunehmen. Blöd nur, dass genau zu dieser Zeit der Präsident entführt werden soll: nach einem Anschlag auf das Capitol, soll der Präsident in Sicherheit gebracht werden (von Sicherheitschef Walker (James Woods); aber der Anschlag war ohnehin nur ein Ablenkungsmanöver und die Entführer längst im Weißen Haus (mit prominenter Unterstützung). Was dann folgt, ist jede Menge Action: John springt in die Bresche und rettet den Präsidenten – und das natürlich unter allen möglichen Schwierigkeiten und mit dem Wissen, dass seine Tochter auch noch im Weißen Haus steckt…

Ganz ehrlich: ich habe mich über weite Teile sehr gut unterhalten gefühlt: die Stunts und die Action waren spektakulär (ach, ich liebe es einfach, wenn gut aussehende Männer über Tische springen und rutschen, um sich dahinter vor dem Kugelhagel zu verschanzen und zurückzufeuern), die Rollen sehr gut besetzt (sehr gutes und stellenweise witziges Zusammenspiel von Tatum und Foxx; die schöne Rachelle Lefevre aber leider völlig unterbeschäftigt), es gab etwas „comic relief“ durch den übereifrigen Führer der Guided Tour durchs Weiße Haus, und Spannung wurde durchaus aufrechterhalten. So wie Popcorn-Kino sein soll.

ABER leider tendiert der gute Emmerich ja gerne zu übertriebenen Szenarien, und so war das Ziel – angesichts Motivation, die dahinter steckte – des Bösewichts (, dessen Namen ich nicht verraten werde) einfach unverhältnismäßig und eher einem größenwahnsinnigen Bösewicht bei James Bond würdig.

Außerdem war Johns Tochter mit ihren, ich glaube, 11 Jahren dann doch etwas zu abgebrüht – das war nicht mehr ganz glaubwürdig. (Und es handelt sich ja hier nicht um eine Comic-Verfilmung à la Kick-Ass)

Und dann gab es noch ein paar unfreiwillig komische Szenen, insbesondere gegen Ende des Films, die die solide Action-Unterhaltung davor etwas negativ überschattet hat.

Fazit: 5-6 Punkte sind für mich noch drin – denn gelangweilt habe ich mich zu keiner Minute. Und ich fand ihn besser als 2012. Das ist doch schon mal was.

PS: Ich wollte ja erst keine Kritik zu dem Film schreiben, aber dann habe ich in der ZEIT (Ausgabe vom 29. August 2013, glaube ich) eine Kritik gelesen, aus der letztlich überhaupt nicht hervorging, ob der Film aus Sicht des Kritikers nun sehenswert ist oder nicht. Das konnte ich so nicht stehen lassen! 😉

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