Elysium (Neill Blomkamp, USA 2013)

Manchmal fällt es mir schwer genau auf den Punkt zu bringen, warum mich ein Film nicht restlos überzeugt hat, obwohl ich nicht viel an ihm auszusetzen habe. Das neue Werk des Südafrikaners Neill Blomkamp gehört dazu. Vielleicht waren die Erwartungen auch recht hoch, da mich sein Erstlingsstreifen District 9 im Jahr 2009 (Fantasy Filmfest) so begeistert hat. Ich zitiere mich selbst:

Nochmal ein District [Anm. der Autorin: Ich hatte vorher den Film District 13: Ultimatum besprochen] – diesmal ein Slum für Außerirdische in Johannesburg! Vor 20 Jahren sind fast 2 Mio. Außerirdische über Johannesburg „gestrandet“ und nachdem es immer mehr Aufstände der Außerirdischen (die wirklich in unvorstellbaren Verhältnissen leben ) gibt, sollen sie in ein Lager 200 km außerhalb von Johannesburg „umgesiedelt“ werden. Die MNU (Multi-National United), die für den District zuständig sind und außerdem ein großer Waffenhersteller ist, muss nun die „Prawns“ (Garnelen) dazubringen, dass sie die Räumungsbescheide unterschreiben… Dabei wiederfährt dem Hauptverantwortlichen [Anm. d. A.: Sharlto Copley] für die Durchführung etwas, das ihn plötzlich alles etwas anders sehen lässt… mehr will ich eigentlich nicht verraten, auch wenn es ja schon viele Trailer zu diesem Film gibt. Schließlich ist Peter Jackson Produzent dieses Films – der Regisseur [Anm. d. A.: Neill Blomkamp] allerdings ist ein „Newbie“, es ist sein erster Film.

Schon allein die Idee – Außerirdische kommen nicht auf die Erde, um selbige zu zerstören, sondern sie sind heimatlos und werden dann „gnädig“ aufgenommen, aber sie landen absolut am Rande der Gesellschaft, wodurch sie auch gewalttätig werden – finde ich innovativ. Und dann bleibt einem wirklich das Lachen im Halse stecken, wenn man sieht, wie mit ihnen umgegangen wird…

Sehenswert! Aber Achtung – bissl was sollte man schon aushalten (da zerfetzt es schon den ein oder anderen… ).

8-9/10

Auch Elysium zeigt Menschen am Rande der Gesellschaft: manche Kritiker haben die Zahlen, die gerne von Occupy Wall Street verwendet werden, zur Beschreibung der Gesellschaft, wie sie in Elysium dargestellt wird, herangezogen:

Die reichen 1 Prozent leben auf einer Raumstation (genannt Elysium), auf der es von allem reichlich gibt – inkl. sogenannter Med-Pods, die innerhalb von Sekunden jede Krankheit heilen können. Zugang dazu haben nur die Einwohner von Elysium, die alle einen Code auf dem Arm haben, der sie als solche identifiziert. Interessanterweise sprechen viele Menschen auf Elysium Französisch, was ein bisschen an die Neuzeit in Europa (ca. 17.-19. Jh.) erinnert, als Französisch DIE Sprache der Adeligen und Intellektuellen war. Kluge Idee von Blomkamp, der auch das Drehbuch verfasst hat. Die Menschen dort sind alle perfekt gekleidet und leben in einer Umgebung, die etwas von den „Gated Communities“ in den USA hat. Gated Communities sind Siedlungen in amerikanischen Vororten (suburbs), die von Zäunen umgeben sind und in die man nur durch bewachte Eingänge hineinkommt. Im Grunde genommen kommen nur Bewohner und deren Besucher hinein, mal von Postboten, Müllabfuhr etc. abgesehen. Diese Siedlungen (müssen auch nicht immer eingezäunt sein) sind ein sehr beliebtes Motiv für Filme und Serien. Aber ich schweife ab…

Die restlichen 99 Prozent leben mehr oder weniger in Slums auf der Erde, die überbevölkert ist, wo Krankheiten nicht heilbar sind und Roboter die Aufgaben von Polizisten, Bewährungshelfern etc., übernommen haben. Wenn sie – als illegale Einwanderer – versuchen mit kleinen Raumtransportern auf Elysium zu gelangen, werden diese abgeschossen (auf Geheiß der Verteidigungsministerin Delacourt: Jodie Foster); sollten es welche trotzdem schaffen dort zu landen, werden sie festgenommen und wieder deportiert. Und welche Sprachen sprechen die meisten in Los Angeles, wo der Film spielt? Ja: Spanisch! Logische Weiterentwicklung der heutigen Situation.

Diese Ausgangssituation finde ich großartig – sie birgt einfach so viel Sozialkritik in sich, indem sie einfach eine mögliche Entwicklung der immer größer werdenden Schere von Arm und Reich darstellt. Sehr spannende Idee.

Der Plot selbst aber hat mich eben nicht SO mitgerissen, dass ich richtig mitgefiebert hätte. Ex-Con Max (Matt Damon, der erstaunlich gut mit Glatze und Tattoos aussieht!) wird bei einem Arbeitsunfall radioaktiv verstrahlt und hat nur noch fünf Tage zu leben. Er bittet Spider (Wagner Moura), der immer wieder (gegen Geld) versucht, Menschen von der Erde nach Elysium zu schmuggeln, ihn dorthin zu bringen, damit er sich retten kann (mithilfe eines Med-Pods). Dieser stimmt nur unter der Voraussetzung zu, dass Max für ihn einen Job erledigt: er soll Daten (, die der moderne „Elysier“ in einem Chip hinter dem Ohr mit sich trägt) von irgendeinem hohen Tier „runterziehen“ (auf den eigenen implantierten Chip). Max sucht sich dafür den Chef seiner Arbeitsstelle (William Fichtner, zuletzt als Bösewicht in The Lone Ranger zu sehen) aus, der bei seinem Unfall keinerlei Hilfe leistete. Gute Wahl, denn der hat gerade Daten für einen Putsch von Delacourt dabei, was die Gute dann doch etwas nervös macht… und ganz neue Möglichkeiten öffnet. Zur Durchführung der Aktion bekommt Max ein Exo-Skelett angelegt, das ihm trotz seiner Verstrahlung übermenschliche Kraft verleiht.

Als Gegenspieler bekommt er den Sleeper-Agent/Söldner Kruger (Sharlto Copley, der Hauptdarsteller aus District 9, mit herrlichem südafrikanischen Akzent), der aber auch seine eigene Agenda hat. Verkompliziert wird das Ganze dadurch, dass die Tochter von Max‘ Freundin aus der Kindheit Frey (Alice Braga), Leukämie hat und auch  eine Behandlung auf Elysium zum Überleben bräuchte…

Es gibt dann jede Menge Action: Schießereien, „Hand-to-Hand Combat“ (Nahkampf), Explosionen – alles handwerklich sehr gut gemacht, optisch wirklich überzeugend – und ein glückliches Ende: [SPOILER] Elysium wird rebootet und ALLE Menschen werden auch ins System von Elysium aufgenommen, d.h. alle Menschen auf der Erde können von ihren Krankheiten geheilt werden. Ist das nicht eine etwas zu simple Lösung? Ist es überhaupt eine Lösung? Wie wird das problem der Überbevölkerung auf der Erde gelöst? Dadurch, dass jetzt auch dort alle ihr Leben immer wieder verlängern können, weil sie nicht an Krankheiten sterben müssen, wird ja die Bevölkerung NOCH mehr zunehmen? Sollen dann noch weitere Raumstationen gebaut werden? DA hat Blomkamp irgendwie nicht weitergedacht – oder war es so gedacht, dass man sich diese Fragen stellt? [/SPOILER]

Fazit: Idee hervorragend und zum Weiterdenken anregend, Action und Optik überzeugend, Schauspieler klasse, allen voran Matt Damon und der durchgeknallte Sharlto Copley, Plot nicht so fesselnd, dass ich richtig mitgefiebert hätte – vielleicht deswegen meine gefühlte Zurückhaltung, was den Film als Ganzes anbelangt.

6-7 von 10 Punkten.

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