The Lone Ranger (Gore Verbinski, USA 2013)

OK, sometimes ignorance is bliss, apparently (das Englische hat für dieses Phänomen einfach den besseren Ausdruck; heißt soviel wie „manchmal ist es anscheinend besser, nichts zu wissen“). Denn viele Kritiker auf metacritic.com vergleichen den Film mit der Serie aus den 50er Jahren (hieß bei uns Die Texas Rangers) – ich kenne sie nicht, habe keine Ahnung, wie der Lone Ranger (Armie Hammer) oder Tonto (Johnny Depp) oder die Atmosphäre etc. sein sollten Und so konnte ich mich einfach in den Film reinsetzen und Spaß haben.

Ja, vielleicht will Gore Verbinski (Fluch der Karibik I-III) zum Teil etwas zu offensichtlich an den Erfolg der Pirates anknüpfen: Johnny Depp wieder als „leicht“ durchgeknallte Figur – sowohl optisch als auch in ihrem Verhalten – (der Indianer Tonto; eigentlich Sidekick des Titelhelden Lone Ranger, aber da er die Geschichte erzählt, ist er die Hauptfigur), witzige Dialoge, kuriose Situationen, spektakuläre Verfolgungsjagden, Hans Zimmer als Komponist…

Und ja, die Zeiten scheinen eigentlich vorbei, in denen „weiße“ Schauspieler Indianer spielen, heutzutage muss man doch, schon um politisch korrekt zu sein, Indianer, ich meine: Native Americans, doch auch von Native Americans spielen lassen? Und muss Helena Bonham Carter eigentlich IMMER schräge, möglichst bunt gekleidete Frauen mit wilden Frisuren spielen?

Trotzdem: ich habe mich köstlich amüsiert. Über das Spiel Depps, die abgefahrene, übertriebene, unglaubwürdige Action, Armie Hammer (John Reid/Lone Ranger – VÖLLIG anders als in J. Edgar, in dem er J. Edgar Hoovers engsten Vertrauten / Lebensgefährten Clyde Tolson (Associate Director des FBI von 1930 bis 1972) spielte), der durchaus auch komödiantisches Talent hat (und vor allem ziemlich gut aussieht! ;)), über den Schimmel, das „spirit horse“, und über den Soundtrack, mit gewollten Anklängen an Ennio Morricone und der genial platzierten Wilhelm Tell Ouvertüre.

Der Film ist außerdem auch in den Nebenrollen wunderbar besetzt: trotz Typecasting macht es immer Spaß, Helena Bonham Carter (Bordellchefin Red Harrington – mit Holzbein) beim Spielen zuzusehen; James Badge Dale (Dan Reid) scheint momentan in jedem zweiten Film mitzuspielen (2013 war er schon in Iron Man 3 und World War Z zu sehen) – und es ist jedesmal ein Genuss; Ruth Wilson ist meine Lieblings-Jane Eyre und macht sich als Witwe von Dan Reid auch sehr gut; Tom Wilkinson (Latham Cole)… nein, über ihn muss ich eigentlich gar kein Wort verlieren; und William Fichtner ist als Bösewicht Butch Cavendish ziemlich eklig.

Und worum geht’s? Es ist im Grunde genommen die Geschichte, wie aus dem Anwalt John Reid (in Colby, Texas aufgewachsen, aber die letzten acht oder neun Jahre in der Großstadt verbracht), der – wenn ich das richtig verstanden habe – als District Attorney in seinen Heimatort zurückkehrt, mit der (blauäugigen) Vorstellung, dort für Gerechtigkeit einzustehen, der Lone Ranger wird, der zusammen mit dem Comanche-Indianer Tonto den grausamen Verbrecher Butch Cavendish aufspürt und seiner „gerechten Strafe“ zuführt. Cavendish ist nämlich auf dem Weg zu seiner Hinrichtung in Colby geflohen und hat auch noch Johns Bruder Dan auf dem Gewissen. Warum Tonto Cavendish finden (und töten) will, kommt erst im Laufe des Films heraus.

Neben den komischen Elementen gibt es durchaus auch ernste, tragische – und brutale Szenen (FSK 12 grenzwertig; habe auf Metacritic eine Kritik von einem User gelesen, der seine 4 1/2-jährige (!) Enkelin mit in den Film genommen hatte – DAS kann ich wahrlich nicht empfehlen!) – im Gegensatz zu den meisten Kritikern fand ich, dass die Mischung aus ernst und witzig durchaus meistens gelungen war. Und, anders als bei Man of Steel war mir der Film auch nicht zu lang, im Gegensatz zu vielen Kritikern…

Ich hatte wenige Erwartungen an den Film – und diese sind übertroffen worden: 7 von 10 Punkten!

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2 Antworten zu The Lone Ranger (Gore Verbinski, USA 2013)

  1. Libertarian Anonymous schreibt:

    „Und muss Helena Bonham Carter eigentlich IMMER schräge, möglichst bunt gekleidete Frauen mit wilden Frisuren spielen?“

    H.B.C. spielt das doch nicht, sie IST so:

    http://www.ibtimes.co.uk/articles/274841/20111231/top-10-quirky-fashion-moments-helena-bonham.htm

    Ich vermute deshalb auch, dass es keine Kostüme sind, die sie in den Filmen trägt, sondern dass sie einfach die Klamotten anlässt, mit denen sie zum Set kommt… 😉

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