Wreckers (mit Benedict Cumberbatch; D R Hood, UK 2011)

Noch ein Film mit Benedict Cumberbatch – leider nur ohne Untertitel erhältlich – , den ich leider nicht als Ganzes bewerten kann, weil ich zu vieles akustisch nicht verstanden habe.

David (Cumberbatch) und Dawn (Claire Foy) sind relativ frisch in den Heimatort von David gezogen, haben dort ein etwas abgelegenes Häuschen und scheinen ein recht beschauliches Leben zu führen. David ist Lehrer und Dawn arbeitet auch mit – jüngeren – Kindern (eher als Erzieherin – ich hatte den Eindruck, dass sie nur nachmittags arbeitet) und singt im Kirchenchor. Sie wollen eine Familie gründen – es scheint aber nicht recht zu klappen mit dem Schwangerwerden, was (zunächst nur zu leichten, später zu schweren) Spannungen zwischen den beiden führt.

Eines Tages taucht Davids Bruder Nick (Shaun Evans) auf – die beiden Brüder hatten jahrelang keinen Kontakt, Nick war in der britischen Armee und hat durch einen Kriegseinsatz (Afghanistan?) ein ziemlich übles Trauma davongetragen, was sich in Schlafwandeln und schrecklichen Träumen, nach denen er kaum mehr zu beruhigen ist, manifestiert.  Leider ist Shaun Evans derjenige, den ich zum Teil kaum verstanden habe. Ich bin ja inzwischen schon auch britische Akzente gewohnt – mehr als früher -, aber hier musste ich an einigen Stellen einfach passen.

Das plötzliche Erscheinen von Nick führt zu einigen Enthüllungen – anscheinend hatte David seiner Frau bisher nur wenig oder nichts von seiner Familie erzählt – nun, Nick hat da mehr zu erzählen. Dawn ist zunehmend irritiert – zum einen von der doch sehr nahen, intensiven, manchmal auch von Gewaltausbrüchen geprägten Beziehung, die die zwei Brüder haben, obwohl sie so lange keinen Kontakt hatten, zum anderen durch die schockierenden Details aus dem Familienleben (wenn ich das richtig verstanden habe, geht es um familiäre Gewalt), die sie von Nick erfährt, zu denen aber David nicht viel sagen will. Ein wichtiges Ereignis – der Tod der Mutter – wird Dawn in zwei gegensätzlichen Versionen dargeboten; welche Version stimmt? ACHTUNG: SPOILER David erzählt die Geschichte so, dass Nick ihre Mutter die Treppe hinuntergeschubst habe, Nick eröffnet später Dawn, dass es David war (, was wohl auch die Wahrheit ist, wenn ich das richtig verstanden habe).

Die Spannung, die in diesem Dreieck entsteht, fand ich sehr glaubhaft von den drei Hauptdarstellern dargestellt – manche Szenen waren nur schwer zu ertragen (ist hier positiv gemeint). Der Film ist oft von längeren Einstellungen (etwa auf Gesichter) geprägt, was manchen Zuschauer wohl eher langweilt – mich hat das nicht gestört, im Gegenteil!

Eigentlich auch erst durch Nick bauen David und Dawn auch eine Art Freundschaft zu dem Pärchen Gary (Peter McDonald) und Sharon (Sinead Matthews) auf, das die Brüder noch aus der Schulzeit kennen. Gary verguckt sich in Dawn, die ihn abblitzen lässt, ACHTUNG: SPOILER später aber in einem Moment der Wut auf David Sex mit Gary hat (zu dieser Zeit ist auch schon klar, dass David wohl unfruchtbar ist). Diese „Aktion“ von ihr fand ich nicht so wirklich nachvollziehbar – ein Kritikpunkt, den ich an diesem Film habe. Wenig später ist sie schwanger: Ist Gary der Vater? Weiß Gary, dass er der Vater ist? Weiß David, dass Gary der Vater ist? Diese Fragen lässt der Film am Ende offen, als sich die zwei Paare zufällig treffen. Ich persönlich glaube, aus den Gesichtern der beiden Männer herausgelesen zu haben, dass sie sehr wohl wissen, was Sache ist, aber es stillschweigend so akzeptieren wie es ist.

Cumberbatch zeigt in diesem Film erneut, wie nuanciert und vielseitig er spielen kann. So scheint David zunächst ein ganz ausgeglichener Mensch, zeigt aber später, dass er auch eine ungezügelte, brutale Seite in sich trägt, die erst durch den Bruder ans Licht kommt. Als Zuschauer ist man ähnlich erschrocken über diese Ausbrüche wie Dawn.

Shaun Evans – soweit ich ihn verstanden habe 😉 – hat auch eine hervorragende Leistung erbracht. Im Gegensatz zu einem Kritiker des Daily Telegraph fand ich nicht, dass er die PTSD (post-traumatic stress disorder)-Episoden „clumsily overplayed“ (http://www.telegraph.co.uk/culture/film/filmreviews/8959514/Wreckers-review.html) hat.

Claire Foy hat eine sehr natürliche Ausstrahlung – das ist ja etwas, das ich oft an britischen Schauspielerinnen und Filmen mag: sie sehen nicht aus wie Frauen aus einem Hochglanzmagazin. Was nicht heißt, dass sie nicht gut aussieht – sie hat sehr ausdrucksstarke Augen und ihre zunehmende Irritation bzgl. der ganzen Situation bringt sie sehr gut rüber.

Ein sehr interessanter Film, der allerdings nicht unbedingt für ein Mainstream-Publikum gedacht ist.  Und da es von diesem Film weder eine deutsche Synchronversion noch eine mit (wenigstens englischen) Untertiteln gibt, muss man als Nicht-Muttersprachler schon richtig gute „listening skills“ haben. Leider kenne ich mich in UK zu wenig aus, um den Akzent (insbesondere) von Shaun Evans zuordnen zu können.

Ich gebe mal 7 von 10 Punkten – besser könnte ich ihn sicher beurteilen, wenn ich alle Dialoge verstanden hätte.

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5 Antworten zu Wreckers (mit Benedict Cumberbatch; D R Hood, UK 2011)

  1. schauwerte schreibt:

    Ich liebe diesen Film sehr. Gerade weil man viel zum grübeln hat. Nicht jede Regung/ Tat der Darsteller wird einem erklärt noch durch klebrige Musik unterstützt, bzw. ergänzt. Man kann Menschen einfach nicht in den Kopf gucken. Natürlich hat der Film mich mitunter auch etwas ratlos zurückgelassen. Was ist zwischen en Brüdern vorgefallen? Wieso reagiert David so stark auf seinen Bruder? Oft hört man, dass das Ganze inzestuöse Züge hat. So weit würde ich nicht gehen, aber irgendetwas ist da nicht in Ordnung. Und Davids Bemühen sich von seiner Vergangenheit zu entfernen, macht das deutlich. Deshalb seine distinguierte Art zu sprechen, sein Beruf, die Familiengründung…Nur: Warum zieht er zurück in das Örtchen seiner Jugend? Lüge über Lüge tritt zu Tage, nur um am Ende mit einer weiteren überdeckt zu werden. Tragisch.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich finde es durchaus auch gut, dass viele Fragen einfach offen bleiben – im richtigen Leben ist das ja auch oft so; wie du sagst, man kann Menschen nicht in den Kopf schauen. Trotzdem glaube ich, dass viele „normale“ Kinogänger eine Aufklärung vorziehen und deswegen mit dem Film weniger anfangen können.
      Eine Frage an dich als England-Fan (leider kann ich deinen Blog nicht aufrufen, ohne dass sich mein Firefox aufhängt 😦 ): weißt du, in welcher Gegend das genau spielt?

  2. singendelehrerin schreibt:

    Danke! Also im Osten Englands. Und, sag mal, du hattest bei dem Film rein von der Sprache her keine Verständnisprobleme? Gut, vielleicht müsste ich den Film nochmal mit Kopfhörern ansehen bzw. anhören…

  3. schauwerte schreibt:

    Ich musste mich auch hineinhören, aber dann ging es. 🙂

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