Man of Steel (Zack Snyder, USA/Canada/UK 2013)

Als am Freitag in der Sneak Preview klar war, dass „Man of Steel“ läuft (ich habe es schon beim Warner Bros.-Logo vermutet, die letzten wussten es dann beim DC Comics-Logo), gab es spontan Applaus im Kino – ein paar Reihen vor uns stand sogar jemand vor Begeisterung auf. Über zwei Stunden (143 min.) später gab es zwar auch Applaus, aber ich gehörte nicht zu den Applaudierenden…

Superman-Filme haben mich, ehrlich gesagt, noch nie vom Hocker gerissen – die einzige Verfilmung des Stoffes, die ich mochte, war die US TV-Serie „Lois & Clark: The New Adventures of Superman“ (mit Dean Cain und Teri Hatcher). Ich sollte außerdem erwähnen, dass ich keine Comic-Leserin bin. Ich habe nicht mal „Asterix“ gelesen (bis auf den Fränkischen Band ;))…

Dieser Reboot zeigt zu Beginn, wie und warum „Kal-El“ von seinen Eltern Jor-El (Russell Crowe – nach seinem für mich enttäuschenden Auftritt in „Les Misérables“ endlich wieder mit seiner für ihn typischen Leinwandpräsenz und Ausstrahlung) und Lara Lor-Van (Ayelet Zurer) von Krypton auf die Erde geschickt wurde. So ganz habe ich das allerdings zunächst nicht verstanden – irgendwie sollte er das Überleben der Kryptonier gewährleisten; denn Krypton stand kurz vor der Zerstörung. Jor-Els Gegenspieler General Zod (Michael Shannon) hätte das gerne verhindert, wird aber wegen eines Putschsversuchs zu 300 „cycles“ (Zyklen) in einer Art Stasis verurteilt.

Nun, dann geht es um Kal-Els Leben als „Mensch“ Clark Kent, und die Schwierigkeiten, die ihm sein Anderssein bereitet. Man sieht ihn zuerst als jungen Erwachsenen (Henry Cavill), und dann gibt es immer wieder Rückblicke in Clarks Kindheit und Jugend. Dieser Teil des Films hat mir ganz gut gefallen, da überzeugend gezeigt wurde, in welche Dilemmas Clark und seine Eltern (Kevin Costner ist eine tolle Besetzung für seinen Adoptivvater) geraten. Sein Vater bläut ihm immer wieder ein, dass die Menschheit noch nicht bereit für ihn ist und er deswegen seine Superkräfte für sich behalten soll – selbst wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Als irgendwo im Eis (Arktis? Antarktis?) Forscher auf Eis stoßen, das älter ist, als auf der Erde zu erwarten, lockt das auf der einen Seite Clark an, und auf der anderen Seite die Journalistin des Daily Planet Lois Lane (Amy Adams). Clark findet im Eis ein Raumschiff (von Krypton) – Lois‘ Neuigier lässt sie Clark folgen (NACHTS klettert sie ihm über Eisberge hinterher) und so gerät sie auf dem Raumschiff gleich mal in Gefahr und Clark rettet sie. Clark verschwindet dann (mit dem Raumschiff) und Lois ist überzeugt, dass er ein Außerirdischer ist und will einen Artikel über ihn veröffentlichen, was ihr aber ihr Chefredakteur Perry White (Laurence Fishburne) verwehrt. Lois recherchiert aber weiter und findet Clarks Mutter – und schließlich auch Clark. Sie weiß also von Anfang an, dass Clark der spätere Superman ist. Find ich jetzt keine besonders spannende Prämisse, denn auch wenn es immer etwas lächerlich ist, dass Superman von Lois (und anderen) nicht erkannt wird, nur weil er keine Brille trägt, dafür aber seinen Superman-Bodysuit, frag ich mich, wie die Spannung zwischen Lois und Clark aufrecht erhalten werden soll, wenn sie von vornherein alles weiß.

Trotzdem, bis dahin war ich noch ganz zufrieden, aber dann taucht General Zod (mit Gefährten) auf der Erde auf – und ab da gerät der Film zu einer einzigen Materialschlacht! Zuerst Smallville und dann Metropolis, beide Städte werden nahezu dem Erdboden gleichgemacht – was ja auch spannend und unterhaltsam sein kann. Ich war aber irgendwann nur noch gelangweilt, insbesondere beim Showdown zwischen Superman und General Zod am Schluss. Das hat sich so in die Länge gezogen; hier wäre weniger mehr gewesen. Die ganzen Menschen, die dabei draufgegangen sein müssen (zahllose Hochhäuser werden zerstört, Autos und mehr fliegen durch die Luft und werden wieder auf den Boden geschleudert), werden eigentlich gar nicht thematisiert – denn Superman hat die Menschheit am Ende dennoch gerettet. Ja, auch bei „The Avengers“ wurde am Ende New York ganz schön „verstümmelt“, aber irgendwie hat das besser funktioniert.

Naja, und wenn bei einem romantisch gemeinten Kuss im Publikum gelacht und applaudiert wird, dann ist wohl irgendwas schief gelaufen.

Obwohl Christopher Nolan (der Verantwortliche für das sehr gelungene Batman-Reboot) den Film mitproduziert und mitgeschrieben hat, reiht sich der Film bei mir in die Reihe der Superman-Verfilmungen ein, die „ganz OK“ sind, aber mich eben nicht begeistern können.

6 von 10 Punkten.

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2 Antworten zu Man of Steel (Zack Snyder, USA/Canada/UK 2013)

  1. Andreas schreibt:

    Ich finde die Verfilmung gut. Auch als Batman-Fan, der als Heranwachsender nur Teile der Bildung über Superman-Comics bezogen hat, erinnerte ich mich schnell an Teile der Geschichte, die mir sonst immer nur mein Freund aus Jugendtagen berichtete. Das Strafmaß der Rebellen, dessen genaue Formulierung in der Übersetzung ich leider inzwischen vergessen habe, war übrigens der Textanteil, den ich besonders abgefahren fand. Ansonsten war der Film zu lang und meine Begleitung hat mir geschworen, nie wieder mit mir in einen Science Fiction artigen Film zu gehen.

    • singendelehrerin schreibt:

      Zu dem Strafmaß für die Rebellen fällt mir noch ein, dass ich es zwar zunächst richtig hart fand (300 Zyklen!), ABER angesichts der Tatsache, dass Krypton eh gerade dabei war, in die Luft zu fliegen und das ja dazu geführt hat, dass diese „Stasis“ dadurch aufgehoben wurde und dann ausgerechnet die Rebellen diejenigen waren, die die Apokalypse überlebt haben, doch irgendwie eher sinnlos bzw. fast eine Belohnung…
      Zu deiner Begleitung: Find ich ja immer schwierig, Science Fiction mit Comics in einen Topf zu werfen… Ich habe beispielsweise eine Freundin, die Science Fiction-Serien (und Filme) liebt, aber mit Comic-Verfilmungen nichts am Hut hat. Ich konnte sie bisher weder zu „Iron Man“ noch zu „Avengers“ o.ä. überreden.

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