The Sapphires (Wayne Blair, Australia 2012)

Deshalb liebe ich Sneak Previews! Diesen Film hätte ich mir wahrscheinlich nicht angesehen – und dabei einen Film verpasst, der mich zum Lachen gebracht und zu Tränen gerührt hat.

„The Sapphires“ beginnt mit ein paar schriftlichen Informationen zur „Stolen Generation“ in Australien: Mit diesem Begriff bezeichnet man die Kinder der Aborigines (meist „Mischlinge“), die zwischen 1909 und 1970 zwangsweise aus ihren Familien entfernt wurden und in die weiße Gesellschaft „assimiliert“ wurden. Unter anderem konnte man auf der Leinwand lesen, dass Aborigines eher als „Fauna und Flora“ denn als Menschen angesehen wurden. Darüber gab es stellenweise Gelächter im Publikum – obwohl es ja eine eher traurige Wahrheit ist/war.

Nun, nach dieser Einleitung dachten bestimmt die meisten Kinozuschauer, dass nun ein schwermütiges Drama à la „Rabbit-Proof Fence“ (der „deutsche“ Titel: „Long Walk Home“) folgen würde, da die Thematik ja schon eher „harter Stoff“ ist.

Aber dann folgt dieser leichtfüßige (aber auf keinen Fall seichte!) Film um eine „Girl Group“ von vier Aborigines  – Gail (Deborah Mailman), die „Mutterfigur“ in der Gruppe, Cynthia (Miranda Tapsell), die von ihrem Verlobten sitzen gelassen worden ist, Julie (Jessica Mauboy), die jüngste und talentierteste der Gruppe, und Kay (Shari Sebbens), deren Mutter weiß war und die ein „stolen child“ ist und nun Schwierigkeiten hat, ihre wahre Identität zu finden -, die mitten im Vietnamkrieg zur Unterhaltung der amerikanischen Truppen nach Vietnam reiste. Begleitet werden sie von dem (weißen) Talentscout Dave Lovelace, der sie entdeckt hat, gespielt von Chris O’Dowd. Das Ganze basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Tony Briggs, das wiederum auf der wahren Geschichte von Briggs‘ Mutter basiert, die tatsächlich durch Vietnam getourt ist.

Der Film hat so viele Facetten: manchmal verschlägt es einem die Sprache ob der Verachtung, die den jungen Frauen entgegenschlägt, als sie etwa zu Beginn des Films bei einem Talentwettbewerb in der örtlichen Kneipe ein Countrystück (Aborigines singen Country/Western!!!) singen – und zweifellos um Klassen besser sind, als alle anderen (unglaubliche Stimmen haben die da gefunden!!!), aber trotzdem nicht gewinnen. Dann gibt es auch Spannungen zwischen den Frauen, zarte Liebesgeschichten, starke Freundschaften. Und zwischendrin Szenen von einem Angriff auf eine amerikanische Basis in Vietnam, auf der sich gerade die Sapphires befinden, die von solch einer Intensität sind, dass sie einen in den Sitz drücken.

Natürlich gibt es auch richtig viel Musik – Dave Lovelace überzeugt die vier Frauen (in einer sehr amüsanten Szene und großartigen „Lines“), dass Aborigines auf keinen Fall Country singen können, sondern – natürlich – Soul! Und das tun sie dann auch vom Allerfeinsten! Insbesondere Jessica Mauboy begeistert mit ihrer Stimme, aber auch die Anderen sind toll.

Chris O’Dowd (zuletzt u. a in „Bridesmaids“ (Brautalarm) zu sehen) ist ja nun kein ausgesprochen gutaussehender Mann – und der Charakter, den er spielt, ist auch nicht gerade ein Gewinnertyp, und trotzdem hat er einen unbeholfenen Charme und Witz, dem man im Laufe der Zeit einfach verfallen muss.

Ein rundum gelungener Film – sehr sehenswert! 9 von 10 Punkten!

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