Parade’s End – Review

Nun, eigentlich wollte ich ja hier auch relativ regelmäßig Filmkritiken veröffentlichen, aber in letzter Zeit haben mich die Filme, die ich in der Sneak Preview gesehen habe, einfach nicht zum Schreiben inspiriert. Weder konnte mich ein Film besonders begeistern, noch war ich so enttäuscht, dass ich das Bedürfnis gehabt hätte, davor zu warnen…

Dafür hat mich „Parade’s End“ – eine britische TV-Miniserie von 2012 – so verzaubert, dass ich endlich diesem Blog wieder etwas Leben einhauchen kann.

Zuerst ein paar Vorbemerkungen, wie ich überhaupt dazu kam, diese Serie anzusehen. Ich bin ja eigentlich eher Amerikanistin und fühle mich schon seit meiner Jugend zu Amerika und Hollywood hingezogen (mein Berufswunsch war eine Zeit lang „Hollywood-Schauspielerin“ – bis ich meine Performance in unserer Schultheatergruppe auf Video sah…). Dementsprechend habe ich mich lange kaum für britische Filme oder Serien interessiert. Seit ein paar Jahren hat sich dies nun geändert und ich bin inzwischen der Meinung, dass die Briten die besten Schauspieler sind. Und so sind einige meiner aktuellen „Jung-Lieblingsschauspieler“ Briten, u. a. Tom Hiddleston – und Benedict Cumberbatch .

Auf Letzteren bin ich insbesondere durch „Sherlock“ (BBC-Serie) und „Frankenstein“ (National Theatre Live) aufmerksam geworden – und so schrie ich sofort „JA!“ als meine Kollegin anbot, mir „Parade’s End“  auszuleihen.

Die Mini-Serie basiert auf der gleichnamigen Buch-Serie von Ford Madox Ford, die zwischen 1924 und 1928 veröffentlicht wurde (wenn man Wikipedia glauben darf) und um den Ersten Weltkrieg herum spielt, das Drehbuch wurde von dem bekannten britischen Dramatiker Tom Stoppard (z. B. „Rosencrantz and Guildenstern Are Dead“; Co-Autor des Drehbuchs für „Brazil“ und „Shakespeare in Love“) geschrieben, Regie führte Susanna White, die schon bei der meines Erachtens besten Verfilmung von „Jane Eyre“ (BBC-Miniserie von 2006) federführend war. Schon mal richtig gute Voraussetzungen.

Und dann die Besetzung: Benedict Cumberbatch spielt Christopher Tietjens, den  „letzten Tory“ (laut eigener Aussage), einen unglaublich intelligenten Statistiker, sehr stark in sich gekehrten Upper-Class-Mann mit einem starken Ehrgefühl. Aus diesem Ehrgefühl heraus heiratet er Sylvia (Rebecca Hall, bekannt u. a. aus „Vicky Cristina Barcelona“ von Woody Allen), die ein Kind erwartet – aber ist es von ihm? Egal, er ist einfach ein Gentleman – und nimmt sie sogar, unter bestimmten „Auflagen“ zurück, nachdem sie ihn und den Sohn für eine Affäre verlassen hatte. Sylvia ist entschlossen, den Rest ihres Lebens keusch zu verbringen (sie ist Katholikin, während Familie Tietjens anglikanisch ist) und ihrem Ehemann das Leben zur Hölle zu machen. Gleichzeitig ist sie aber auch sehr unglücklich und führt letztlich auch nur ein Leben im Schatten Christophers.

Christopher ist auch zutiefst unglücklich – bis er die Suffragette Valentine Wannop (Adelaide Clemens, demnächst zu sehen in „The Great Gatsby“) trifft. Zwischen den beiden so unterschiedlichen Charakteren – er „stiff upper lip“, traditionsbewusster Mann aus der Oberschicht, sie engagierte Aktivistin für das Frauenwahlrecht aus einer eher einfacheren ländlichen Familie (ihre Mutter versucht sich als Schriftstellerin) – funkt es sofort und es wird ihnen auch sofort eine Affäre angedichtet. Doch „vollzogen“ wird diese Affäre lange nicht.

Tja, eine typische „Love-Triangle“ – aber kein bisschen kitschig dabei! Lange Zeit sehen sich Valentine und Christopher ohnehin nicht – er lebt in London, sie auf dem Land, dann kommt der Weltkrieg, den Christopher immer wieder vorausgesagt hatte, und er meldet sich freiwillig. So ist er natürlich auch von Sylvia getrennt. Ich möchte nicht zu viel verraten, deswegen werde ich jetzt keine weiteren Angaben zum Inhalt machen.

Die Besetzung ist wirklich ideal – Tom Stoppard hatte Benedict Cumberbatch auf dem Set von „War Horse“ (auf Deutsch „Gefährten“ von Steven Spielberg) in Uniform gesehen (spielt auch im Ersten Weltkrieg) und wollte ihn sofort als Tietjens haben. Und er ist wirklich perfekt für diese Rolle. Er braucht dazu keine großen Gesten – er verkörpert diese Rolle einfach so natürlich! Und obwohl er beileibe keine klassische Schönheit (wenn man das bei einem Mann so formulieren darf ;)) ist, hat er einfach eine Ausstrahlung, die einen gefangen nimmt. Man kann es in dieser Rolle aber nicht als Charme bezeichnen, denn Christopher ist zwar Gentleman, aber eher etwas steif und kein Freund von Gefühlsausbrüchen gegenüber anderen. Aber man kann seine Emotionen, sei es die Liebe, die er für Valentine empfindet, sei es die Verzweiflung, die ihn zum Teil im Krieg befällt, in seinem Gesicht ablesen.

Bei aller Begeisterung für Benedict Cumberbatch: die Serie ist bis in die kleinsten Nebenrollen (z. B. ein kaum wiedererkennbarer Rupert Everett als sein älterer Bruder) wundervoll besetzt – und besonders stechen auch die beiden Frauen heraus. Rebecca Hall ist herrlich ambivalent – und Adelaide Clemens ist einfach erfrischend!

Die Spannung wird bis zum Ende der letzten Folge aufrecht gehalten – und wenn es dann zu Ende ist, ist man glücklich und traurig zugleich.

Ich habe das Gefühl, ich habe jetzt unheimlich viel geschrieben und gar nicht viel ausgesagt – man könnte sicher noch über die Inszenierung an sich reden: Ausstattung, Kamera… Aber da mich die Serie hauptsächlich ins Herz getroffen hat (im besten Sinne, auch wenn es kitschig klingt), möchte ich gar nicht weiter analysieren, sondern einfach empfehlen: schaut euch die Serie an! ICH habe sie mir gleich bestellt, damit ich jederzeit mal wieder reinschauen kann (und um sie an Interessierte auszuleihen)!

10 Sterne von 10!

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3 Antworten zu Parade’s End – Review

  1. schauwerte schreibt:

    Ich fand die Serie auch super und bin sehr gespannt sie jetzt im deutschen Original auf arte zu sehen. Der Verlust des Cumberbatch-Baritons wird ein herber sein…

    • singendelehrerin schreibt:

      Im „deutschen Original“? 😉
      Ich gestehe, ich bin etwas „versnobt“ oder „spoilt“ – mir wird schon bei dem Gedanken an eine Synchronstimme für Cumberbatch schlecht… Benedict KANN ich nur im Original ansehen! Trotzdem freue ich mich natürlich, dass die Serie nun auch im deutschen Fernsehen gezeigt wird.

      • schauwerte schreibt:

        Es war im deutschen Original in der Tat etwas „mau“. Immerhin hatte er seine deutsche Sherlock-Stimme…etwas Kontinuität hier. Ich habe sie zuvor im englischen Original geschaut. Das war natürlich um Klassen besser (was die Synchro mit Rebecca Halls Charakter angestellt hat, grenzt an Verstümmelung!)

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