Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): Die Konzerte

Das (vorläufige?) Ende der Reise: Die Konzerte in Stuttgart (30.3.-1.4.2013)

 Nun ist sie also zu Ende, meine musikalische Reise mit den Gefährten in Mittelerde. Ich glaube, ich falle diesmal nicht in so ein Loch, wie vor zwei Jahren, schließlich war die Reise etwas länger und die Chancen, dass es nächstes Jahr weitergeht, sind auch nicht SO schlecht – hoffe ich zumindest! Aber etwas melancholisch bin ich schon und mir spuken auch immer noch die verschiedensten Stellen durch den Kopf (momentan der Übergang zum Gefährten-Thema in Moria). Damit ich also einen Abschluss finde und mich auch wieder auf andere Sachen konzentrieren kann (insbesondere meine Korrekturen), nun meine Nachbesprechung zu den Konzerten in Stuttgart und ein paar abschließende Gedanken und Empfindungen zum gesamten Projekt.

 Das Publikum: Hut ab vor dem Stuttgarter Publikum! Der Einstieg des Chors begann ja schon 10 Minuten vor Beginn des Konzertes, was natürlich schon dazu führte, dass wir nicht so viel Applaus bekamen, weil viele Leute noch mit der Sitzplatzsuche beschäftigt waren, aber die Reihen füllten sich dann schnell und es konnte pünktlich losgehen, Nachzügler gab es fast keine – höchstens ganz vereinzelt. Die Konzerte am Samstag und Sonntag waren so gut wie ausverkauft – war ein tolles Gefühl, vor vollem Haus in der wirklich sehr schönen Liederhalle zu singen. Es hat auch wieder Spaß gemacht, die Reaktionen des Publikums bei ein paar Stellen mitzukriegen (Lachen bei Bilbos Rede nach „Proudfeet!“ (außer am Montag) und „I like less than half of you as well as you deserve“, und als Pippin sich Sorgen macht, ob Aragorn „elevenses, luncheon, afternoon tea…“ kennt und einen Apfel auf den Kopf bekommt; Getuschel nach Bilbos kurzzeitiger „Verwandlung“ als er in Rivendell nochmal den Ring sehen will). Und dann die Standing Ovations! Am Samstag und Sonntag sind viele gleich aufgesprungen, am Montag hat es etwas gedauert, aber dann standen auch fast alle. Und sie hätten auch viel länger applaudiert, wenn nicht der Konzertmeister so schnell „abgewürgt“ hätte (die Symphoniker geben dann immer ihren Nachbarn die Hand, bevor sie von der Bühne gehen). Das fand ich fast etwas schade, dass das nicht noch ein bisschen ausgekostet wurde – schließlich erleben die meisten von uns Sängern nicht so häufig so einen anhaltenden Applaus… 🙂

 Der Dirigent Justin Freer: Nachdem wir am Samstag vor dem Konzert nochmal eine Anspielprobe hatten, hatten wir im Chor dann doch ein ganz gutes Gefühl, da Freer die Einsätze etwas klarer gegeben hat und man sich auch an seine Dirigierweise gewöhnt hat. Offensichtlich hatte auch das Orchester um eine klarere „Eins“ gebeten – und das war nun schon deutlich besser. Allerdings hat er dann beim ersten Konzert am Samstag komplett vergessen, einen Choreinsatz zu geben – Gott sei dank haben ein paar dann einfach trotzdem losgesungen, sodass das wahrscheinlich nicht weiter aufgefallen ist. Außerdem hatte ich manchmal das Gefühl, dass das Tempo nicht immer gleich gestimmt hat, aber das waren nur Nuancen, die wiederum niemand im Publikum bemerkt haben sollte. Der Sonntag lief dann recht gut, obwohl er bei einer kurzen Probe mit dem Chor recht resigniert gewirkt hat – wie wir aber später erfahren haben, litt er wohl an einer Bronchitis und war wohl deshalb einfach angeschlagen. Hat er sich bei Ludwig Wicki angesteckt? Der war ja auch noch krank bei den Proben und den ersten Konzerten… Am Montag hat Freer allerdings einmal grob gepatzt (angeblich war sein Monitor ausgefallen) und den Einsatz für die Männer zu früh gegeben, sodass dann das Orchester und der Chor nicht zusammengepasst hat. Und das an einer Stelle, die wir echt im Schlaf konnten (die Frauen setzen da dann auch noch ein). Aber das klang dann total seltsam… Insgesamt hat er aber seine Sache gut gemacht – ist ja eine irre Aufgabe!

 Das Orchester: Während sich der Chor meiner Meinung nach in Stuttgart nochmal gesteigert hat, hat das Orchester ganz schön nachgelassen… Lag’s am anderen Dirigenten? Oder an der engen Bühne? Oder ermüden halt auch Profimusiker irgendwann? Manchmal lag das Orchester tempomäßig etwas auseinander, und dann gab es wieder einige Unsauberkeiten bei den Bläsern (Hörner und Trompeten). Selbst der Solo-Hornist, den ich immer so toll fand (s.u.), hat ein paar Ansätze nicht mehr so soft und sauber hingekriegt. Am Samstag waren bei einer Stelle Percussion und tiefe Bläser und wahrscheinlich auch Celli und Kontrabässe nicht beieinander – ist aber nicht klar, ob das am Dirigenten oder an den Musikern lag. Irgendwie finde ich das dann auch beruhigend, dass auch Profimusiker keine Roboter sind. Wobei ich ja erfahren habe, dass bei der Percussion-Truppe nur ein „fertiger Profi“ dabei war (Alexander Penthin an den Pauken), die anderen waren noch Studenten (4.-6. Semester) – doppelter Respekt für ihre Leistung!!! An dieser Stelle noch eine Richtigstellung:

Die großen Klangstäbe, von denen ich ein Bild reingestellt hatte, wurden in Rivendell eingesetzt und klingen tatsächlich eher wie Glocken.

Der Amboss dagegen ist tatsächlich ein Amboss, der entweder mit einem kleinen oder einem großen Hammer geschlagen wird!!! Der Hammer, oder?!?!! Ich entschuldige mich für die Falschinformation… Aber das konnte man einfach von uns aus nicht sehen, und als ich die Fotos gemacht habe, hab ich ihn übersehen…

Und mit der Eisenkette wird nicht auf dieses eine gerade Blech geschlagen, sondern auf die Saiten des Klaviers (siehe Foto; ganz links übrigens sieht man einen winzigen Teil des Ambosses, hab ich jetzt nachträglich festgestellt).

Percussion_HdR13

Cool, habe gerade entdeckt, dass auf http://www.muenchner-symphoniker.de/de/Orchester z. Tl. auch Fotos zu den Namen zu sehen sind.

Hier also ein paar Infos zu den Solisten:

– Konzertmeister: Marian Kraew (das ist ein Männername!)

– Horn: Matthias Krön

– Trompete: OK, die zwei Solisten sind leider nicht aufgelistet (vielleicht „eingekauft“?)

– Querflöte/Tin Whistle: Désirée Wolff

– Oboe: Mario Kaminski (obwohl manche Stellen auch eine Frau gespielt hat, leider gibt’s kein Foto von ihr)

– Klarinette: Nicola Hartwig (zumindest in Stuttgart)

 Der Kinderchor: In Stuttgart waren viel weniger Kinder/Jugendliche dabei, weil weniger Platz für sie war, aber meistens haben sie ihre Sache gut gemacht. Nur gestern sind sie wohl an einer Stelle, an der die Frauen gleichzeitig mit dem Kinderchor singen zu früh eingesetzt, was dann zu einer Art Echo geführt hat, als wir richtig einsetzen wollten. Irgendwie haben wir uns dann wieder an die Kids angehängt, aber das war etwas chaotisch… Die Solisten waren diesmal ganz gut, finde ich. Vor allem das erste Solo gefällt mir immer gut. „In Dreams“ war halt nie ganz auf dem Niveau von dem Knaben, der das auf dem Soundtrack singt. Aber der hatte bestimmt mehrere Takes – im Konzert hat man ja nur eine Chance.

 Der Chor und ich: Es gab wohl wieder ein paar Intonationsprobleme (und manche habe ich auch gehört), aber ich fand uns ziemlich gut – und meine persönliche Höchstleistung habe ich am Sonntag gebracht. Vielleicht hat es ja sogar geholfen, dass ich eigentlich total müde war und dadurch vielleicht nicht so angespannt. Auf jeden Fall war ich zum ersten Mal so richtig zufrieden mit meiner Performance und habe das Konzert total genossen. Da sind mir auch nochmal Stellen im Orchester aufgefallen, die ich vorher gar nicht so gehört hatte und habe es richtig ausgekostet, dabei zu sein bei dieser ganzen „Tour“. Beim letzten Konzert lief der erste Akt auch recht gut und ich hatte schon etwas Abschiedsschmerz, als ich manche Stellen zum letzten Mal live erleben durfte. Den ganzen Teil in Moria (eine meiner neuen Power-Lieblingsstellen (nur Orchester): der Kampf mit diesem See-Ungeheuer – also bevor es dann richtig in die Tiefen von Moria geht) habe ich auch nochmal intensiv auf mich wirken lassen und mir unter die Haut gehen lassen. Nur die Patzer dann gegen Ende haben dann dazu geführt, dass sich am Schluss keine so rechte Rührung eingestellt hat. Was aber vielleicht auch gut so war – ich hatte ja schon befürchtet, dass ich am Ende in Tränen ausbreche…

Was bleibt:

 – Das Dröhnen, das bei der Szene mit dem Nazgul im „Old Forest“, den ganzen Körper vibrieren lässt – mehr Spannung geht kaum!

– Die körperliche Spannung beim Singen der Power-Cluster-Stellen (immer noch mein Favorit: „Daagh Boorz“ bei Saruman vs. Gandalf) und der Adrenalin-Kick, den man dadurch bekam, wenn’s gut gelaufen ist!

– Das Zusammenspiel von Männerchor und Orchester als die Gefährten in diese riesige Halle von Moria kommen → Gänsehaut pur!

– Die Percussion! Ich steh ja eh auf Schlagzeug und Schlagzeuger (und bei den Münchnern Symphonikern hat es mir der Alex besonders angetan – wie ein Fangirl war ich ganz hibbelig, nachdem ich vorgestern nach dem Konzert und gestern vor dem Konzert ein paar Worte mit ihm gewechselt hatte… seufz), und bei Herr der Ringe ist das, was einem da in den ganzen Körper fährt durch die Percussion ein unvergessliches Erlebnis!

– Die Anspannung, die durch die Stellen erzeugt wurde, als das Orchester wie wild durcheinander gespielt hat!

– Ludwig Wickis spürbare Begeisterung für diesen „Stoff“!

– Meine Gefährtinnen aus dem Chor! 🙂

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9 Antworten zu Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): Die Konzerte

  1. divaplavalaguna schreibt:

    Ich bekomme ja schon nur beim lesen Gänsehaut….wie kommt man überhaupt zu der Ehre, in so einem Projekt mitwirken zu dürfen/können?
    Neugierige Grüße 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke für deine Nachricht! 🙂 Ist ja spannend, dass nun tatsächlich auch Unbekannte auf meinen Blog stoßen… Tut mir Leid, dass ich jetzt erst antworte – die Benachrichtigung war im Spamordner gelandet…

      Nun zu deiner Frage: da hatte ich einfach ganz viel Glück, dass vor zwei Jahren eine Freundin aus Berlin im Internet gelesen hatte, dass a) überhaupt diese Live-to-Projection-Aufführungen in München stattfanden (hab ich als Wahl-Münchnerin gar nicht mitbekommen…) und b) für Teil 2 und 3 noch Sänger/innen gesucht wurden. Damals wurden innerhalb einer Woche alle drei Teile aufgeführt, sodass das der Universitätschor nicht alleine stemmen konnte. Tja, da hab ich dann GANZ schnell eine Mail an die veröffentlichte E-Mail-Adresse geschrieben – und schwupps, war ich für „Die Rückkehr des Königs“ angemeldet! 🙂 Natürlich sollte man schon Chorerfahrung mitbringen – man musste auch angeben, bei welchem Chor man sonst singt, aber es gab kein Vorsingen.

      Da wir das damals ganz gut gemacht haben, wurde eben für die diesjährigen Aufführungen wieder dieser Projektchor von MünchenMusik gebucht. Das Gute war auch, dass der Chor zwischenzeitlich nicht komplett auf Eis lag – es gab einige Projekte, zu denen man sich melden konnte. Ich habe z. B. im Herbst 2011 bei einer Aufführung von Mozarts „Requiem“ mitgemacht und im Winter 2012 beim Weihnachtskonzert der Münchner Symphoniker zwei „Magnificats“ (Bach und Schütz) gesungen. Für Letzteres gab es allerdings tatsächlich ein Vorsingen! 🙂

  2. divaplavalaguna schreibt:

    Hach, ganz ehrlich….ich beneide Sie! Ich bin ja großer Herr der Ringe Fan, und die Musik hat einen sehr großen Anteil daran, dass die Bilder so beeindruckend sind.Schade, in der Beziehung ( Projektchöre etc. ) ist Düsseldorf echt kulturelles Brachland! 😦

    • singendelehrerin schreibt:

      Oops, ich hatte Sie einfach mal geduzt… ich hoffe, das macht nichts. Finde das schwierig, wenn man nicht genau weiß, wen man da vor sich hat.
      Ach – Sie kommen aus Düsseldorf? Da bin ich am Wochenende – auf der Fedcon (www.fedcon.de). 🙂 Auch wenn es vielleicht kulturelles Brachland ist, was Projektchöre anbelangt – dafür läuft da mehr, was Popkultur anbelangt. Und ich hab mir sagen lassen, dass da z. B. bei der Premiere des „Hobbit“ richtig was los war (viele Leute in Gewandung) – DA lief hier in München so gut wie nichts…

  3. divaplavalaguna schreibt:

    Das mit dem „Du“ hatte ich vollkommen überlesen…damit bist Du bei mir schon richtig! Andersrum fällt es mir auch immer sehr schwer einzuschätzen, wen ich duzen darf und wen nicht. Unglaublich….Du bist doch nicht etwa ein Treckie????? Hier bin ich alleine damit…. 😦
    Dann wünsche ich Dir schon mal viel Spaß! LLAP! 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Kein Hardcore-Trekkie – verglichen mit vielen auf der Fedcon -, aber ja! 🙂 Tröste dich, in meinem näheren Freundeskreis bin ich auch die Einzige (dafür haben meine Brüder dasselbe Star-Trek-Gen ;)) – meine Trekkie-Freunde (aus Berlin und Neuss) treffe ich auf der Con!
      Bin schon ganz heiß auf den neuesten Star-Trek-Film (mit Benedict Cumberbatch als Bösewicht) – schau ihn gleich am Mittwoch an! 🙂

      • divaplavalaguna schreibt:

        Na dann gaaaanz viel Spaß! 🙂
        Ich war noch nie auf einer FedCon….da müßte ich alleine hin, weil außer mir hier niemand von diesem speziellen Virus befallen ist. Und Hardcore bin ich auch nicht…denn dann müßte ich wohl klingonisch lernen. 😉
        Ich war nur vor Jahren auf der Star Trek Ausstellung in Düsseldorf und vor 2 Jahrzehnten auf einer Ausstellung in New York! Aber das Timing war Zufall, nicht geplant.

  4. divaplavalaguna schreibt:

    P.S.
    Ebenfalls viel Spaß heute abend bei der Vorpremiere! 🙂

  5. singendelehrerin schreibt:

    Tja, trotz vieler Absagen von Schauspielern, die ich gerne gesehen hätte (Alexander Siddig aus DS9, LeVar Burton aus TNG, Katee Sackhoff (und ihr Ersatz Tricia Helfer) aus Battlestar Galactica), hat die Fedcon wieder richtig Spaß gemacht! Aber ich komme mir langsam fast zu normal vor… 😉 Bin übrigens zu meiner ersten Convention (Ring*Con) auch alleine gefahren – man lernt dann schon Leute kennen! 🙂

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