Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): Die Konzerte

Konzertauftakt: Nürnberg (21./22.3.13):

So, der Anfang ist geschafft, die zwei Konzerte in der Meistersingerhalle haben wir bewältigt – insgesamt erfolgreich, aber noch mit viel Luft nach oben… Ich bleibe hier einfach ehrlich, auch wenn das von offizieller Stelle vielleicht als geschäftsschädigend angesehen werden könnte. Der Chor war einfach noch nicht perfekt – das Publikum hat es aber vermutlich nicht bemerkt. Jedenfalls bekamen wir schon am Donnerstag Standing Ovations, obwohl weniger Leute als am Freitag da waren (verständlicherweise).

Ein paar Details zum Donnerstag: vor Beginn des Konzertes hatten wir eine halbe Generalprobe (wir haben die zweite Hälfte des Films komplett mit Film und Orchester durchgespielt), und zwar mit Justin Freer als Dirigent, der die Konzerte in Stuttgart dirigieren wird, weil Ludwig Wicki (er ist auch Kirchenmusiker) an Ostern einige Kirchenkonzerte in Luzern hat. Freer ist Amerikaner und einer von zwei Assistenten Wickis. Nun waren wir bisher ja Wicki gewöhnt, der dem Chor immer sehr klare Einsätze gibt und bei dem auch die Eins (im Takt) immer sehr gut erkennbar ist. Freer hat eine etwas dezentere Dirigierweise, was auch prompt dazu geführt hat, dass wir manche Einsätze verpatzt haben bzw. zum Teil nicht im richtigen Tempo gesungen haben. Auch der Knabensolist und der Kinderchor war bei „In Dreams“ nicht im selben Tempo wie das Orchester. Wobei dieser Chor es auch besonders schwer hatte: die Kinder und Jugendlichen waren auf zwei Seiten auf der Empore verteilt (vom Publikum aus z. Tl. gar nicht zu sehen; ich konnte auch nur die Gruppe, die von der Bühne aus gesehen links stand, sehen) – total bescheuert. Auf denselben Emporen saßen auch Konzertbesucher – so mussten die Kids direkt neben dem Publikum singen. Aber irgendwie ging es platztechnisch nicht anders.

Dementsprechend verunsichert waren wir also nach der Generalprobe. Aber, es heißt ja immer, wenn die Generalprobe nicht gut läuft, ist es ein gutes Zeichen…

 Im Konzert selber haben wir dann manches wieder wettgemacht – aber an ein paar Stellen hat es noch etwas gehapert, was man dann auch in Wickis Gesicht ablesen konnte… Zufrieden war wohl aus dem Chor niemand so recht. Dem fränkischen Publikum hat’s trotzdem gefallen – wir haben wirklich sehr langanhaltenden Applaus bekommen, und gleich von Anfang an stand ein Großteil der Besucher auf.

Freitag morgen war es dann zunächst mal gar nicht sicher, ob ich überhaupt abends auf der Bühne stehen könnte: nach weniger als vier Stunden Schlaf bin ich aufgestanden und wollte in die Schule, um da u.a. mein Schulensemble bei zwei Liedern in der Passionsandacht zu leiten. Tja, daraus wurde dann nichts, weil ich plötzlich schmerzhafte Krämpfe im Magen-Darm-Trakt bekommen habe, die mit Durchfall und Schweißausbrüchen einhergingen. Super! Da krümmte ich mich also unter Schmerzen und hab schon kommen sehen, dass ich nicht nur die Schule, sondern auch das Konzert canceln müsste. Gott sei Dank gingen die Beschwerden dann mithilfe einer Wärmflasche und Bettruhe im Laufe des Vormittags wieder weg, und so entschloss ich mich, zumindest mit nach Nürnberg zu fahren und zu versuchen, dabei zu sein, auch wenn mein Kreislauf noch ziemlich daneben war. Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, habe ich dann auch noch meine Konzertkleidung vergessen, was mich erstmal völlig aus der Bahn geworfen hat. Aber dann ist mir eingefallen, dass mir ja vielleicht meine Schwester etwas mitbringen könnte, da ja meine ganze Familie zum Konzert kommen wollte. Von daher war ich dann doch wieder einigermaßen beruhigt, und nachdem ich den ganzen Tag nur Brezen aß und schwarzen (langgezogenen) Tee trank, hat sich meine Verdauung soweit normalisiert, sodass ich dann tatsächlich das Konzert mitsingen konnte.

 Vor der Stellprobe (wir müssen bei jedem Konzert aufs Neue eine Stellprobe machen, weil wir immer unterschiedliche Besetzungen haben) kam dann Ludwig Wicki nochmal zu uns und hat nochmal ein paar Stellen mit uns geübt. Das hat meine Nervosität eher erhöht, aber hat doch letztlich dazu geführt, dass das zweite Konzert schon viel besser war. Nach der ersten Hälfte war ich mit meiner persönlichen Performance zwar gar nicht zufrieden (ich hatte einen Einsatz komplett verschlafen und bei einer Stelle beim Sopran I mitgesungen), obwohl ich das Gefühl gehabt hatte, bei einer Stelle als Einzige richtig eingesetzt zu haben (da man aber leider nicht viel von den anderen hört, kann es auch sein, dass einfach nur die zwei Leute um mich herum nicht miteingesetzt haben). In der Pause kam dann Herr Wicki nochmal zu uns und hat gesagt, dass es schon viel besser heute war. Nur bei den Männern war offensichtlich ein Tenor dabei, der zu sehr herausstach – als wäre er ein Solist. Das ist natürlich für den Chorklang nicht gut. Da war wohl einer etwas übermotiviert… ich glaube, ich weiß wer das war – der stach auch schon beim Einsingen (negativ) hervor. Nicht dass er keine gute Stimme hätte oder falsch singen würde, aber ein Chor verträgt halt keine Solisten.

Die zweite Hälfte habe ich dann richtig genossen. Nun, da hören wir Frauen auch viel mehr zu, aber es war einfach das erste Mal, dass ich richtig entspannt dabei war und meine Lieblingsstellen richtig genossen habe. Außerdem haben wir den Filmton etwas besser gehört als am Donnerstag, und so konnte ich – zumal ich den Film ja schon sehr gut kenne – auch solche Szenen ohne Musik (z. B. der letzte Dialog zwischen Boromir und Aragorn) in ihrer tragischen Schönheit genießen. Die Bilder dazu (es ist schon arg schade, dass wir den Film nicht sehen dürfen) habe ich einfach im Kopf entstehen lassen.

 Die Meistersingerhalle war nahezu ausverkauft und wir haben auch viel Applaus bekommen, aber die Standing Ovations kamen etwas zögerlicher als am Donnerstag… aber sie kamen. Alles in allem von den Zuschauerreaktionen her ein erfolgreicher Auftakt, aber der Chor wird sich auf jeden Fall noch steigern (müssen). Bin aber zuversichtlich, denn in München sind wir ja auch nochmal fast 30 Leute mehr, und bis Stuttgart – wenn dann Justin Freer dirigiert – können wir unsere Einsätze so gut, dass wir den Dirigenten gar nicht mehr brauchen… 😉

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