Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): ein Probentagebuch

Ich bin in der glücklichen Situation, als Teil des MünchenChores bereits zum zweiten Mal bei sogenannten „Live to Projection“-Aufführungen von Herr der Ringe mitzumachen. Was heißt „Live to Projection“? Nun, der Film wird (in englischer OV mit dt. UT) ohne Musikspur auf der großen Leinwand gezeigt, und die Musik (ca. 100 Sänger/innen und großes Symphonieorchester) wird live dazugespielt.

Vorletztes Jahr wurden in München alle drei Teile innerhalb einer guten Woche je zweimal aufgeführt – und ich habe das Ganze live miterlebt, teils als Zuschauerin, teils als Mitwirkende. Ich habe damals bei der „Rückkehr des Königs“ (RotK) im Chor gesungen; es war DAS musikalische Highlight meines Lebens!

Tja, und heuer geht dieses Highlight in die zweite Runde: Herr der Ringe: Die Gefährten (im Folgenden auch durch FotR abgekürzt) wird in Süddeutschland neunmal aufgeführt: zweimal in Nürnberg, viermal in München und dreimal in Stuttgart.

Die Proben sind schon fast zu Ende, aber ich habe mich jetzt erst dazu entschlossen, meine Erfahrungen online zu stellen – auch für meine Mitsänger/innen! Viel Spaß beim Lesen!

1. Probe (1.2.2013)

So, die Reise hat begonnen: heute war die erste HdR-Probe – und ich fühlte mich gleich mal wieder etwas überfordert… Es ist schon seltsam – da hört man jahrelang den Soundtrack und denkt, man hat ihn eh ziemlich intus, aber wenn du dann plötzlich die Noten ohne „backing track“ vom Blatt singen sollst, wird’s dann zum Teil doch richtig schwierig. Und dann geht es ja nicht nur um die richtige Tonhöhe, sondern auch um das Tempo, die ständig wechselnden Taktarten, die richtige Aussprache der elbischen Wörter, und – ganz wichtig – das Achten auf die dynamischen Hinweise…

Der Chorleiter, der das mit uns einübt (Thomas Gropper), versucht immer, bei der ersten Probe alles mal anzusingen – und so haben wir heute alle Stellen, an denen Männer und Frauen zusammen singen, gemacht. Puh! Es ist ja nicht so, dass da jede Stimme einzeln eingeübt wird – meistens müssen wir, mit Hilfe der Klavierbegleitung, einfach alle mal vom Blatt die jeweilige Stelle singen. Das allein ist ja schon eine Herausforderung, aber der gute Howard Shore hat ja oft solche Cluster (= Töne liegen sehr nah beieinander, also sozusagen „auf einem Haufen“) komponiert, da ist es dann oft schwierig, aus all den nahe beieinander liegenden Tönen den zu treffen, den nun – in meinem Fall – der Sopran 2 singen soll. Da wird es auch stellenweise mal eben 12-stimmig… tja, deswegen muss halt unser Chor auch so groß sein (100!). Naja, ich sollte vielleicht auch nicht ZU selbstkritisch sein – war ja erst die erste Probe!

Aber ich werde definitiv wieder zu Hause üben müssen, auch um z. B. zu üben, wie man mit Hilfe der Stimmgabel auf den richtigen Anfangston kommt. Es ist nämlich so, dass es einige Stellen gibt, an denen der Chor nach einer Musikpause direkt einsetzt – da müssen wir uns den Ton selbst holen. Das ist z. Tl. eine echte Herausforderung, v. a. dann, wenn es während der Aufführung dann klappen soll (mit den Hintergrundgeräuschen auf der Leinwand).

Gefühlsmäßig bestehen unsere Chorstücke (Männer und Frauen zusammen) zu 90% aus dem Nazgul-Thema, das wirklich in allen möglichen leichten Abwandlungen immer wieder vorkommt. Und der Text ist auch immer leicht anders (leider gibt es keine Übersetzungen). Noch kommt da keine Gänsehaut auf, da sich jeder noch extrem auf die Noten konzentriert, aber so ab und an konnte ich mir schon vorstellen, wie das nachher mit dem Orchester klingen wird.

Sehr schön finde ich einige Stellen, an denen der Sopran (nahezu) dieselbe Melodie singt, wie die Solostimme, z. B. „What grace is given me“ (Flight to the Ford: Arwen und Frodo nach Überquerung des Fords) oder auch das Rivendell-Thema (Many Meetings). Allerdings sind das oft recht kurze Stellen – das unterscheidet meiner Meinung nach auch etwas den Soundtrack von FotR von RotK. Naja gut, eine richtig lange Stelle gibt es, aber das ist halt DIE Stelle, an der sich die Männer beweisen müssen (Khazad-Dum und Balrog). Überhaupt gibt es relativ viele Stellen, an denen entweder nur die Frauen oder nur die Männer singen. Deswegen haben wir z. Tl. auch getrennte Proben. Hoffe, die Männer singen uns trotzdem mal ihre Khazad-Dum-Stelle vor… 😉

 Übrigens: Howard Shore hat wohl nochmal ein paar Dinge überarbeitet, weswegen wir noch keine Originalnoten haben. Ich finde das so extrem cool, dass wir über den Dirigenten Ludwig Wicki tatsächlich einen quasi direkten Draht zum Komponisten haben – fühle mich so immer ein bisschen wie ein Teil der „HdR-Filmcrew“, so im weitesten Sinne.


4 Gedanken zu “Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): ein Probentagebuch

      1. Och… 😦

        Aber vielleicht ergibt sich ja noch mal ne Gelegenheit? Kann mir gut vorstellen, dass diese Aufführungen noch eine ganze Weile fortgesetzt werden, immer mal wieder.
        Schlimmstenfalls singst du bei ner Aufführung der Hobbitse mit. 😉

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