Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): ein Probentagebuch (4.+5. Probe)

4. Probe (23.02.2013)

 So, endlich geht’s mit den Proben weiter! Aber heute war erstmal großes Chaos und große Verwirrung: wir haben nun die Originalnoten (Leihnoten) bekommen, und da gibt es nun eine Reihe von Änderungen, u. a. eine komplett neue Stelle. Die ist aber weniger das Problem, vielmehr die Tatsache, dass wir eigentlich nur aus den Originalnoten beim Konzert singen DÜRFEN, es aber die Absprache gab, dass wir in unserem Fall bei einigen dieser „Cluster“-Stellen, die sich geändert haben (es handelt sich da immer um das „Nazgul-Thema“), die Version aus den alten Noten singen dürfen. Kurz zur Erklärung: In der neuen Version ist an einigen Stellen Sopran und Alt nicht mehr in je zwei bis drei Stimmen aufgeteilt (so wie wir’s mühsam geübt haben), dafür sind die Männer in noch mehr Stimmen aufgeteilt. Da wir aber deutlich mehr Frauen sind (und ja nun schon anders geprobt hatten), haben wir die Erlaubnis bekommen, dass wir diese Stellen so aufgeteilt lassen wie bisher.

Trotzdem MÜSSEN wir aber aus den Originalnoten singen, a) weil’s von höchster Stelle gesagt worden ist und b) weil es eine stark veränderte Stelle gibt, die wir so singen müssen, weil weitere Noten eingeschoben worden sind, und c) weil eine Stelle eben völlig neu ist. ALSOO bleibt im Prinzip nichts anderes übrig, als die „alten“ Noten in die neuen zu übertragen (also, da wo wir eben nach den alten Noten singen dürfen)… Was außerdem für die neuen Noten spricht, ist, dass da mehr Noten des Orchesters notiert sind, sodass man besser mitverfolgen kann, wo das Orchester gerade ist, wann der Einsatz kommt und evtl. an welchen Noten man sich orientieren kann.

Beruhigend finde ich, dass wir noch ganz schön Zuwachs bekommen haben – u.a. habe ich ein paar Männer gesehen, die ich aus dem „Final Fantasy“-Projekt kenne. Für München sind wir jetzt wohl sogar mehr als 100, dafür fehlen uns für Stuttgart noch einige: da sollen wir 70 sein, liegen aber noch deutlich darunter. Da wird jetzt evtl. noch versucht, durch Übernachtungspauschalen o.ä. ein paar mehr dazu zu bewegen, doch auch in Stuttgart mitzusingen. Täglich hin- und herfahren ist einfach wahnsinnig stressig. Deswegen werde ich mit einer Kollegin aus dem Sopran 2 in Stuttgart übernachten.

Interessant war heute auch die Sitzordnung: direkt hinter mir saßen die Tenöre – das gab gleich einen ganz anderen Gesamtklang, wenn du mal Männer- und Frauenstimmen näher beieinander hast. Bei der letzten gemeinsamen Stelle (May it be) kam auch schon richtig Gänsehautfeeling bei mir auf. Insgesamt bin ich aber noch nicht ganz zufrieden… ein paar der schwierigeren Stücke hatte ich in den letzten Wochen geübt, aber insbesondere eine Stelle krieg ich nach wie vor nicht sicher hin. Außerdem wünschte ich mir, ich könnte noch mehr auswendig singen, damit ich noch besser auf den Dirigenten achten kann, denn diese Takt- und Tempowechsel haben es echt in sich! Naja, bissl Zeit ist ja noch. Ach ja, ich hab jetzt auch endlich eine Stimmgabel…

Morgen ist gleich wieder Probe – diesmal endlich in einem Raum, der groß genug ist; bisher war es doch sehr beengt, was bei mir dazu führt, dass ich mich nicht so gut konzentrieren kann – und diese Art von Musik erfordert wirklich die höchste Konzentration.

5. Probe (24.02.2013)

 Ha, heute durften wir Frauen mal DIE Stelle vom Männerchor hören (Khazad-Dum) – haben sie ganz gut gemacht, erfordert absolut höchste Konzentration und Spannung. Hier ein Textauszug:

 UR-US NI BUZ-RA URK-HAS TAN-AK-HI LU LU LU LU UR-US NI UR-US NI UR-US NI BUZ-RA UR-US UG-RUD …

… und so geht das über sechs Seiten – zwischendurch taucht noch AS-KAD GA-BIL und AR-RAS auf. Ich glaube, jetzt habe ich alle Silben/Wörter der Stelle, bei der sie diesen schnellen Rhythmus singen. Und da ist in der Textabfolge keine Logik zu sehen, sodass die Jungs da wirklich ganz exakt mitlesen müssen, damit sie nicht einen falschen Text erwischen. RESPEKT! Eine Sängerin meinte danach, sie sei froh, dass sie da nicht mitsingen muss – ich bin eher etwas neidisch, da ja die Frauenstellen immer viel kürzer sind.

Auch heute hat sich wieder gezeigt, dass die ruhigsten Stücke die schwierigsten sind – ich finde sie zumindest anstrengender als die akzentuierten, schnellen und lauten Stellen: crescendo – decrescendo – Taktwechsel – Intonation – chorisch atmen…. Und dann soll es am Ende aber total locker und leicht beim Publikum ankommen. Keine Sorge wir kriegen das schon hin, aber es ist halt ein hartes Stück Arbeit.

Die schon erwähnten Power-Cluster-Stellen kriege ich inzwischen ganz gut hin; vielleicht hat es heute auch geholfen, dass ich (Sopran 2) mal direkt neben einem Sopran 1 saß. So wusste ich immer: wenn mein Ton sich mit dem meiner Nachbarin so richtig reibt, dann liege ich richtig. Eine Lieblingsstelle hab ich auch schon: aus „Three is company, Part 2“ (muss mal nachschaun, was genau da im Film grad kommt; ich meine aber so aus dem Gedächtnis heraus, es müsste beim Kampf zwischen Saruman und Gandalf sein): DAHGH BOORZ (dann kommen eine Reihe von Triolen), dann im Fortissimo (meistens halbe Noten): AHSH BOORZ DURE BAH GOO BOOR ZOOM EE SHE.

So, das waren jetzt mal ein paar Insider-Informationen für diejenigen, die den Soundtrack in- und auswendig kennen! 😉

 Noch kleine Anmerkung am Rande: unsere Noten wurden vorher wohl in Frankreich benutzt – es sind einige Notizen von einem Tenor in Französisch reingeschrieben. Wer weiß, wer dann mal die Noten mit meinen Anmerkungen (Stimmgabel! Rausschaun! etc. ;)) in der Hand hat…

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5 Antworten zu Herr der Ringe – Live (Die Gefährten): ein Probentagebuch (4.+5. Probe)

  1. pimalrquadrat schreibt:

    Mooohoooment mal, Final Fantasy?! Wie jetzt, da hast du auch noch mitgewirkt? Bei ner Aufführung?
    Wenn du jetzt noch sagst, dass du selber zockst, hach ❤

    PS: Die Zwergensprache ist übel, aber stell mir mal Entisch vor! Da singst du zwei Tage, nur um "Baumbart" zu sagen. :mrgreen:

    • singendelehrerin schreibt:

      Nein, ich zocke selbst nicht, da muss ich dich enttäuschen… 😉 Aber das Final Fantasy-Konzert hat richtig Spaß gemacht, nicht zuletzt wegen der enthusiastischen Fans! Da doch einige im Publikum verbotenerweise gefilmt haben, gibt es auch ein paar Aufnahmen: https://singendelehrerin.wordpress.com/2014/03/27/die-singende-lehrerin-in-aktion-distant-worlds-music-from-final-fantasy-02-03-2013/

      • pimalrquadrat schreibt:

        Auc hhier: Danke für den Tipp, da werd ich gleich mal reinhören! 🙂

        Ich erinner mich an die Aufführungen des WDR-Orchesters /war es glaube ich), die damals im Raido liefen, und die ich dank digitialem TV auch aufnehmen und brennen konnte.
        Der „große“ Komponist von FF, Nobue Uematsu, hat einiges drauf, so sehr, dass ich auch zwei seiner Soundtracks zu Hause habe. Bin da so ein kleines bisschen „verrück“ danach, weil ich (manche) Spielesoundtracks einfach umwerfend finde.

        Und ja, die Fans sind bei den Videospielaufführungen immer sehr aus dem Häuschen!
        Falls du mal reinhören magst, ich finde diese beiden Aufführungen einfach klasse:

        und

  2. singendelehrerin schreibt:

    Danke für die Videos, klingt auch gut! Auch wenn ich halt keinen Bezug dazu habe. Ich habe zwar tatsächlich gaaaaaanz früher das ein oder andere simple Game gespielt – auf dem C64 (die Geräusche und Melodien, etc, sind unter meinen Brüdern und mir immer noch Running Gags): Park Patrol, Boulder Dash, Frogger, Impossible Mission z. B.:

    … dann später auf dem PC auch Zork: Nemesis und ein HdR-Game -, aber der große Zocker war ich nie (seit über 10 Jahren kein Computerspiel mehr gespielt). Dafür habe ich ja vor kurzem mein Faible für Flipperautomaten entdeckt! 🙂

    Nach der Frisur des Dirigenten zu schließen, dürfte das auch Arnie Roth sein… ja, grad nachgeschaut, er ist es. 🙂 Hihi, da gab’s auch ein C64-Medley… 😀

    • pimalrquadrat schreibt:

      Woah, das sind ja Spiele, die sind älter als ich! 😯
      Aber klar, diese Sounds vergisst man nicht wirklich, ich kann das Mario-Theme noch heute halbwegs gescheit mutdudeln. 😀
      Macht doch nix, Flipper zählen auch zu Games, bestümmt! 😉

      Wait, das war dein Arnie Roth?! Also, der wo du mit dem gesungen hast?! Wow… *erfürchtiges Schweigen und Staunen*

      PS: Zork, wie aus Big Bang Theory?! Holy moly das wird ja immer besser!

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