Liebster Award 2017 #1

Ich habe ja einen riesigen Backlog, was Artikel, die eigentlich längst geschrieben sein sollten, anbelangt – von Theaterkritiken über USA-Fotobeiträge bis hin zu zwei Awardnominierungen, die ich in den letzten Wochen bekommen habe. Momentan scheint es mir am einfachsten, die Fragen von Friedlvongrimm zu beantworten, die mich vor gut einem Monat mit dem Liebster Award bedacht hat (danke nochmal!). Mal sehen, wie schnell ich durch die z. Tl. recht kniffligen Fragen durchkomme… Übrigens möchte ich darauf hinweisen, dass ich mit inzwischen mehr als 200 Followern 🙂 eigentlich gar nicht mehr eligible bin… 😉

Ich werde den Award auch nicht weiterreichen und selbst 11 neue Fragen stellen. Sorry! 😉

Jetzt aber zu den Fragen und meinen Antworten:

1. In welcher Situation hast du dich das letzte Mal so richtig typisch deutsch gefühlt?

Schwierig, da ich mich immer gar nicht so für typisch deutsch halte (ich bin z. B. unordentlich und ein bisschen unpünktlich)… Vielleicht in den USA beim Tanken. In Deutschland tanken die Kunden erst, und gehen dann brav hinein und bezahlen. Natürlich gibt es auch hier „Benzindiebe‟, aber das kann ja nur eine verschwindend kleine Minderheit sein, sonst wär das nicht weiterhin so. Undenkbar in den USA: Da musst du immer vorher zahlen – entweder direkt mit der Kreditkarte an der Zapfsäule oder du gehst, wenn du z. B. bar zahlen willst, erst hinein in den Shop und bezahlst, und kannst dann erst zapfen. Irgendwie fühlte ich mich da schon immer recht deutsch, weil ich das umständlich finde – und ein bisschen traurig, dass in den USA den Kunden weniger getraut wird, oder ihnen weniger getraut werden kann.

2. Hattest du eine Eigenart als Kind, die dir jetzt im Nachhinein doch recht exzentrisch vorkommt?

Exzentrisch? Nicht wirklich. Ich war ja sehr brav. Mal etwas trotzig, was mit Türenzuschlagen und Rumheulen verbunden war, aber ansonsten… Meine Schwester dachte eine Weile, ich sei etwas dumm, weil ich manches nicht gesehen habe, das sie mir gezeigt hat („Schau mal, der Vogel da oben im Baum!‟ – „Wo? Ich seh nix!‟). Stellte sich dann heraus, dass ich einfach kurzsichtig war und eine Brille brauchte. 😉 Das Einzige, was man vielleicht als exzentrisch bezeichnen könnte, war die Tatsache, dass ich als Schulkind so eine Leseratte war, dass ich die Bücher am liebsten auch mit unter die Dusche genommen hätte. Ah, jetzt fällt mir nochwas ein: Ich habe meine Grundschullehrerin (Referendarin) der 4. Klasse zu meinem Geburtstag eingeladen. Und sie ist sogar gekommen. Ja, ich bin auf dem Land aufgewachsen… 😉

3. In welchen Filmwelten/Serienwelten fühltest du dich als Kind zuhause? Was hast du mit Freunden oder auf dem Schulhof nachgespielt?

Kann mich nicht erinnern, dass wir je irgendwelche konkreten Filme oder Serien nachgespielt hätten. Wenn, dann auf jeden Fall irgendwas mit Pferden. Entsprechend liebte ich auch Black Beauty und generell Filme oder Serien mit Tieren (Flipper, Lassie…) Und dann natürlich die ganzen alten Trickfilmserien, vorneweg Biene Maja (ich LIEBTE den Willy!!!!) und Heidi und von der Augsburger Puppenkiste Jim Knopf und Lukas der Lokomotivfahrer – und natürlich Robbi, Tobbi und das Fliewatüut.

Ich fand schon früh Roboter cool! 🙂 Pippi Langstrumpf fand ich auch unglaublich toll, obwohl ich wohl eher wie Annika war. Ich habe als Kind also tatsächlich Kinderserien geschaut. An Filme kann ich mich gar nicht so erinnern. Sicher, Bambi habe ich als Kind gesehen (und dabei bitterlich geweint) und bestimmt auch andere Disneyfilme.

4. Welche Legende werden wir in 20, 30 Jahren betrauern? Oder gibt es dann nur noch Youtube- und Reality-TV-Stars und musikalische Eintagsfliegen?

Puh, ich habe keinen blassen Schimmer! Selbst Robbie Williams ist ja nicht mehr sooo groß, wie noch vor einigen Jahren – legendär finde ich ihn nicht mehr. Und Madonna hat für mich persönlich ihren Legendenstatus auch nicht halten können. Das Phänomen der Youtuber wurde mir erst durch das Mini-Referat einer Schülerin im Englischunterricht nahegebracht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es richtige Events gibt, auf denen die verschiedenen YT-Stars auftreten… Wer weiß, vielleicht ist das wirklich die Zukunft?

Auch unter den SchauspielerInnen fällt mir kaum jemand ein, der oder die Potential hat, so einen Legendenstatus zu erreichen. Auch wenn ich ja viele, viele SchauspielerInnen verehre! Wird über Cumberbatchs Sherlock auch in 20 Jahren noch geredet werden? Gut, der ist vielleicht bzw. hoffentlich eh noch zu jung, um ihn schon in 20,30 Jahren zu betrauern. Also SchauspielerInnen zwischen 50 und 60 Jahren… Googlesuche ergibt: George Clooney? Bruce Willis? Daniel Day-Lewis! Denzel Washington! Gary Oldman! Jim Carrey? Kevin Spacey! Kevin Costner? Tom Hanks? Samuel L. Jackson! Sean Penn? Ralph Fiennes! Meryl Streep! Jodie Foster! Julianne Moore? Cate Blanchett! Emma Thompson? Ellen De Generes! Sigourney Weaver! Ja, es ist traurig, aber mir fallen weniger Frauen ein, die für mich truly legendary sind.

5. Was ist dein Lieblingsgericht? Und warum?

Wenn ich jetzt sage, die Spagehetti Bolognese von meinem Vater, werde ich all den wunderbaren Gerichten, die mir mein Freund nahezu täglich kocht, gar nicht gerecht… 😉 Es gibt einfach viel zu viele Gerichte, die ich liebe. Ich esse leidenschaftlich gern. 😳 🙂

6. Hälst du dich für einen intelligenten Menschen? Warum?

Ich habe irgendwann mal online einen IQ-Test gemacht, bei dem ich wohl im oberen Mittelfeld lag. Dumm bin ich also nicht. Manche Bereiche (technisch-mathematisch) erschließen sich mir nicht so leicht – da fühl ich mich dann schon manchmal etwas dumm -, beim Erfassen von allem, was mit Sprache zu tun hat, fühle ich mich dagegen durchaus recht intelligent. Ich weiß nicht, ob man Intelligenz auch daran festmachen kann, wie leicht man sprachliche Fehler (bei Aufsätzen, auf Speisekarten, in Blogartikeln…) entdeckt – in dem Bereich schätze ich meine Intelligenz tatsächlich ziemlich hoch ein. Nicht so verkehrt in meinen Beruf… 😉 Zuletzt noch eine kritische Anmerkung: Ich komme aus einer Familie mit „Besserwissern‟ – insbesondere mein älterer Bruder beherrscht diese Kunst perfekt. Um bestehen zu können, lege ich ab und an doch auch Besserwisserverhalten an den Tag – und kann aber gleichzeitig nicht besonders gut mit Besserwisser-Typen umgehen.

7. Wann hat dich das letzte Mal ein Mensch durch sein Verhalten etc. überrascht?

Ja, da fällt mir etwas ein. Eine Freundin hat (schriftlich) durchblicken lassen, dass sie Trumps „Muslim ban‟ gar nicht so verkehrt findet. Ich habe seitdem keine Worte gefunden, um darauf zu antworten. Das hat mich zutiefst schockiert, weil ich das nicht erwartet hatte. Diese Freundin ist ziemlich feministisch, was vielleicht die Ablehnung der zu strengen Form des Islams, der mit der Unterdrückung der Frau einhergeht, erklärt. Wie man aber Trump als Feministin auch nur irgendwie gut heißen kann, ist mir ein absolutes Rätsel.

8. Gibt es etwas (ein Gedicht, ein Zitat etc.), was du jederzeit aufsagen kannst?

Alles, was über Kurzzitate aus Filmen und/oder Serien hinausgeht: Nein. Ich bin total schlecht im Auswendiglernen. Es gibt ein paar wenige Lieder, die ich komplett auswendig singen kann (z. B. „Like the Way I Do‟ von Melissa Etheridge), egal wie lange ich sie nicht mehr gehört habe. Oh, in diesen religionsfernen Zeiten ist das vielleicht auch nicht mehr selbstverständlich: Ich kann das Glaubensbekenntnis und das Vater Unser jederzeit aufsagen. 😉

9. Welche Themen des unnützen Wissens haben sich den größten Platz in deinem Hirn verschafft?

Na, was wohl: Alles, was mit Filmen und Serien, Schauspielerinnen und Schauspielern zu tun hat. Das Erschreckende ist: Ich kann immer schlechter darauf zugreifen – das Alter macht sich tatsächlich schon bemerkbar. :-/ Mein jüngerer Bruder hat neulich gemeint, es sei bei mir schon so schlimm wie bei meinem Bruder. Ich habe das vehement zurückgewiesen – mein älterer Bruder konnte sich Namen von Schauspielern und Regisseuren etc. noch NIE besonders gut merken! Pah!

10. In welche Richtung soll die Unterhaltungsindustrie in Zukunft gehen?

Was mir am stärksten am Herzen liegt: Weniger synchronisierte Filme und Serien! Die Skandinavier sprechen nicht von ungefähr viel besser Englisch. Sollte das klassische Fernsehen bestehen bleiben (, was es aus meiner Sicht nicht muss), dann sollten wenigstens die Sendungen auch in der Originalsprache zu empfangen sein. Außerdem möchte ich endlich auch Mitglied eines Streamingportals (z. B. Amazon Prime in UK oder USA) werden dürfen, das nicht extra auf den deutschen Markt zugeschnitten ist. Was ist daran verkehrt, wenn ich dort auch dafür zahle? Es hat sich ja in den letzten 2-3 Jahren schon einiges verbessert, was den Zugang zu Originalversionen anbelangt, aber das BBC-Programm, z. B. kann man – ohne zu tricksen – immer noch nicht abrufen. Das muss sich ändern!

11. Wann und durch was hat dich das letzte Mal ein Medium deiner Wahl (oder medienrelevante Person) richtig in Rage gebracht?

Trump. Enough said.

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I’m hooked! #28: Legion

Quelle: fxnetworks.com

Ich habe es getan! Ich habe das erste Mal für eine Serie bei Amazon Video extra bezahlt. 😮 Ich bin sonst ja ziemlich geizig, was das Extrabezahlen für Content, der irgendwann später voraussichtlich auch bei Prime landet, anbelangt. Jetzt habe ich die Katze im Sack gekauft und gleich den Staffelpass erworben, in der Hoffnung, dass mir die Serie gefallen wird. Nach den ersten beiden Folgen, die bisher veröffentlicht wurden, kann ich sagen: Sie tut es!

David Haller (Dan Stevens) geht seit seiner Kindheit davon aus, dass er schizophren ist: Er hört Stimmen und sieht Dinge, die gar nicht da sind. Klassisches Krankheitsbild? Nun, wenn da nicht der Umstand wäre, dass außerdem manchmal die Dinge um ihn herum durch die Gegend fliegen…

Quelle: variety.com

Quelle: variety.com

Die Serie beginnt so, dass man wirklich erstmal denkt, OK, da hat einer aber eine ziemlich heftige psychische Störung. Aber dann wird auf einmal das Wort „Mutant‟ in den Mund genommen – und man ahnt, dass sich das noch in eine ganz ander Richtung bewegen kann oder wird. Das Tolle ist aber, dass Legion gar nicht wie eine Marvel-Superhelden-Serie rüberkommt. Man fühlt sich eher wie in dem Kopf eines psychisch Gestörten: die Farben scheinen übertrieben, die Locations und Charaktere unwirklich, es gibt keinen geradlinigen Plot, es ist schlicht alles etwas chaotisch (das Ganze kameratechnisch großartig rübergebracht). Und dann noch eine Liebesgeschichte, die so rasant zu einer solchen wird – EINE Begegnung mit Syd (Rachel Keller) im Irrenhausin der Nervenheilanstalt -, dass man normalerweise sagen würde, „Yeah, right!‟, und die Augen verdrehen würde. Irgendwie passt es hier aber – und da schon ein Kuss zwischen den beiden extreme Folgen nach sich zieht, muss diese Liebe ohnehin platonisch bleiben (Stand 2. Folge).

Quelle: screenrant.com

Dan Stevens ist eine Offenbarung! Ihr liebtet ihn als den adorable Matthew Crawley in Downton Abbey? Ich auch. ❤ Aber der Mann hat soooooo viel mehr drauf, als er bei Downton Abbey zeigen konnte. Es ist faszinierend, ihm zuzusehen: Er ist verängstigt, verliebt, verstört, verwundert, verärgert, verletzt, verletzlich, verständnisvoll… (jetzt gehen mir langsam die passenden Adjektive mit der Vorsilbe „ver‟ aus)… verrückt (und ja: verdammt gut aussehend)! Er hatte ja seit seinem Weggang von D.A. aus meiner Sicht nicht so ein gutes Händchen bei der Filmauswahl, aber hier ist er jetzt – zurecht – Leading Man in einer ungewöhnlichen, absolut hochwertigen Serie und somit ein weiterer Brite in der Hauptrolle einer amerikanischen Serie (mit glaubwürdigem amerikanischen Akzent)!

Ich bin höchst gespannt, wie es weitergeht – I’m hooked!

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I’m hooked! #27: TABOO (BBC, created by Steven Knight, Tom Hardy + Chips Hardy)

Obwohl Tom Hardy sich in die Ränge Hollywoods hochgespielt hat, nicht zuletzt durch Mad Max: Fury Road, ist ihm britisches Fernsehen wichtig. So sagt er laut BBC:

You get more bang for your buck with TV. The standard is so high. A good TV series is like reading a good book. You can actually watch the characters unfold and immerse in another world in the comfort of your own home.

Ich denke, da stimmen ihm sicher viele Serienjunkies zu – und das ist wirklich faszinierend, zu sehen, wie sich die Ereignisse und Beziehungen um James Keziah Delaney (Hardy) entwickeln. Es ist wirklich schwierig für mich, meine Begeisterung auszudrücken, ohne zu spoilern, z. B. worauf sich (u.a.) der Titel bezieht.

Quelle: s.o.

Ist es die Tatsache, dass Tom nackt und fast nackt zu sehen ist? Tom selbst sagt ja: „It’s not a period drama until someone gets naked and covers themselves in blood. At least you’re showing willing.“ James Delaney suhlt sich förmlich in Blut und Schlamm, zu Hause läuft er meistens „unten ohne‟ rum (aber mit langem Hemd darüber), seine Tattoos – nicht nur an Oberkörper und Armen, sondern auch an den Beinen – laden dazu ein, genauer unter die Lupe genommen zu werden…

Aber all das wäre nichts, wenn Tom nicht diese Wahnsinns-Präsenz an den Tag legen würde. James Delaney ist als „the Devil‟ gefürchtet, gehasst, aber auch respektiert. Er legt sich mit der East India Company und der englischen Krone an. Er ist aber beileibe nicht unverwundbar, bekommt doch auch einiges ab. Aber er hat eine Ausstrahlung, die keinen Widerspruch zulässt – auch wenn sich nicht alle daran halten.

Als Zuschauer schwankt man ständig zwischen Bewunderung und Abscheu, bei Fangirls wie mir mit einer stärkeren Tendenz hin zu Bewunderung und Verlangen… nach mehr.

Ihr fragt euch bestimmt: Worum geht es denn verflixt nochmal überhaupt in dieser Serie?

Set in 1814, Taboo follows James Keziah Delaney, a man who has been to the ends of the earth and comes back irrevocably changed. Believed to be long dead, he returns home to London from Africa to inherit what is left of his father’s shipping empire and rebuild a life for himself. But his father’s legacy is a poisoned chalice, and with enemies lurking in every dark corner, James must navigate increasingly complex territories to avoid his own death sentence. Encircled by conspiracy, murder, and betrayal, a dark family mystery unfolds in a combustible tale of love and treachery. (Beschreibung auf iTunes)

Mehr will ich im Grunde auch nicht verraten: Die Serie ist dreckig, brutal, sexy, verwirrend, slow-burning, moralisch fragwürdig… Das Set-Design ist fantastisch, die Schauspieler (u.a. Jonathan Pryce, ein kaum unter der Maske erkennbarer Mark Gatiss, Tom Hollander, Oona Chaplin und Franka Potente) sind vom Feinsten und spielen grandios auf, die Musik (von Max Richter!) unterstreicht die oftmals bedrohlichen Bilder perfekt.

Ich habe sechs Folgen von acht gesehen – und bin seit Folge 3 absolutely hooked! Mit Freude habe ich gelesen, dass Steven Knight noch zwei weitere Staffeln „im Ärmel‟ hat. 🙂

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Double Feature: Hidden Figures und T2 Trainspotting – Kurzkritiken

Ja, ich gebe zu, es ist eine etwas eigenwillige Kombination, diese beiden Filme im Doppelpack. 😉 Zwei wirklich VÖLLIG verschiedene Filme – und doch beide auf ihre Weise exzellente Unterhaltung!

Hidden Figures (Theodore Melfi, USA 2016)

Quelle: foxmovies.com

Auch wenn diesem Film die Kriterien fehlen, die ein „bester Film“ für mich haben muss (nicht nur ein wichtiges Thema, sondern auch eine außergewöhnliche filmische Umsetzung), sollte diese wahre Geschichte über drei schwarze Pionierinnen in der amerikanischen Raumfahrt eigentlich ein Pflichtprogramm für Feministinnen und Menschen sein, die noch heute für die Gleichberechtigung aller Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Religion, kämpfen.

Ein wunderbarer, positiver Film, der zwar auch die Schattenseiten der immer noch in weiten Teilen der USA Anfang der 60er Jahre herrschenden Segregation zeigt, aber sich darüber erhebt, indem das Überwinden dieser Schattenseiten in den Fokus gestellt wird. Auf beruflicher Ebene, aber auch im zwischenmenschlichen Bereich. Und dabei gibt es auch noch viel Humor, v.a. von den drei großartigen Schauspielerinnen Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe.

Nominiert für drei Oscars (glaube allerdings, dass keiner an den Film geht, so gut er mir gefallen hat): Bester Film, Beste Nebendarstellerin (Octavia Spencer), Bestes adaptiertes Drehbuch.

Sehenswert: 8 von 10 Punkten!

T2 Trainspotting (Danny Boyle, UK 2017)

Ich verstehe die eher zurückhaltenden Kritiken (IMDb 7,9, Metacritic 62) nicht so recht. Ich hatte richtig Spaß an dem Film! Nicht dass alles nur spaßig gewesen wäre, mind you. Aber für mich war das eine würdige Fortsetzung des Kultklassikers, den ich mir vor wenigen Wochen extra noch einmal angesehen habe. Vielleicht ist er nicht ganz so verstörend-abgefahren in seinen Bildern, aber diesmal steht auch nicht die Drogensucht und deren Konsequenzen im Vordergund.

Nein, diesmal geht es darum, was passiert, als Mark Renton (Ewan McGregor) 20 Jahre, nachdem er seine Freunde betrogen hatte und mit der gemeinsam erbeuteten Kohle verschwunden war, wieder nach Edinburgh zurückkehrt: clean, gut aussehend, erwachsen und vernünftig (?). Und was machen die anderen so? Spud (Ewen Bremner) hat durch seine Abhängigkeit so ziemlich alles verloren, Sick Boy (Jonny Lee Miller), der jetzt Simon genannt wird, dreht neben seinem Job in der Kneipe krumme Dinger mit Hilfe einer Prostituierten und zieht sich jede Menge Koks rein, Begbie (Robert Carlyle) sitzt immer noch im Knast, was er dringend ändern will.

Sieht so aus, als ob Mark der einzige ist, der sein Leben in den Griff bekommen hat – dafür hat er allerdings einen massiven gesundheitlichen Schlag hinnehmen müssen, der ihm wohl seine Sterblichkeit vor Augen führt. Kehrt er deswegen zurück?

Ich finde dieses Sequel wirklich gelungen, auch wenn es vermutlich nicht so einen Impact hat wie Trainspotting damals. Aber wie sollte es auch? Oder anders gefragt: Muss es das? Für mich war die Chemie zwischen den Charakteren gleich wieder da, es gibt harte Konflikte (verbal und körperlich) und auch schöne zwischenmenschliche Momente, die Anfangssequenz hat mir hervorragend gefallen, die Musik ist klasse – und ich hab fast alles verstanden (Ausnahmen: Spud und Begbie, deren Akzent schon echt heftig ist, da muss man sich doch etwas reinhören). Und ich habe richtig Lust bekommen, endlich mal nach Schottland zu fahren!

8 von 10 Punkten!

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Media Monday #295

Noch eine Woche, dann habe ich eine Woche Ferien. Die Ferienwoche wird dann ganz spannend eingeläutet von einem weiteren „Blogger meets Blogger“-Event – vielleicht werden sich sogar insgesamt drei Blogger in Stuttgart treffen, die sich bisher nur vom Schreiben kennen! Ich bin gespannt! 🙂 Fast mehr als auf die Oscarverleihung in der Nacht nach dem Treffen! 😉 😀

Doch bis dahin heißt es noch durchhalten, und so beginnt die Woche natürlich mit dem Media Monday.

1. Deutsches Fernsehen ist mir schlichtweg zu uninteressant, als dass ich es vermissen würde, wenn ich nur noch streamen und DVDs gucken würde.

2. Meine Vorliebe fürs Bloggen teilen im Freundes-/Bekanntenkreis nur die wenigsten, denn/aber nur die wenigsten können nachvollziehen, warum ich mich mit wildfremden Leuten auf diese Weise austausche und wie ich dafür überhaupt die Zeit hernehme. Immerhin gibt es aber auch ein paar Leute unter meinen Freunden und Bekannten, die meinem Blog mehr oder weniger regelmäßig folgen, selber im Internet schreiben tun aber nur ganz wenige. Nun habe ich ja aber durchs Bloggen auch schon neue Freundschaften geschlossen, die also meine Vorliebe teilen. Das ist schön. 🙂

3. Die 4. Staffel von Sherlock muss ich mir unbedingt beizeiten noch einmal ansehen, immerhin fällt es mir nach ein paar Wochen, die seit der Erstsichtung vergangen sind, schon wieder schwer, eine Kritik darüber zu schreiben. Außerdem waren Folgen 2 und 3 wirklich toll und verdienen es, ein zweites Mal geschaut zu werden.

4. Wenn es ums Binge Watchen geht, bin ich durchaus anfällig (siehe meine neue Beitragsreihe Neulich beim BINGEWATCHING #1 + #2), kann mich aber auch zurückhalten, wenn es arbeitstechnisch einfach nicht machbar ist. Schlaf opfere ich nur in den allerseltensten Fällen. Wenn ich allerdings krank bin, und zwar so, dass ich trotzdem einigermaßen aufnahmefähig bin, kenne ich nichts und schaue schon mal locker 4 Stunden am Stück.

5. Die neue Serie Legion hatte ich bis vor kurzem überhaupt nicht auf dem Schirm, jetzt allerdings – durch eine Kritik in der ZEIT – erwäge ich sogar, das erste Mal bei Amazon Video für eine Serie extra zu zahlen, um einmal eine neu anlaufende Serie (, die keine Amazon Originals Serie ist,) fast zeitgleich mit der Veröffentlichung zu sehen. Warum? Dan Stevens (Downton Abbey) spielt die Hauptrolle und die Serie spielt im X-Men-Universum. Außerdem klang die Rezension (DIE ZEIT, 16. Februar 2017) von Caspar Shaller einfach richtig interessant: 

Nun ist das Goldene Zeitalter des Fernsehens in die Phase eingetreten, in der Serien-Macher die Erzählstruktur durch den Schredder drehen, um sie als farbiges Konfetti den Zuschauern ins Gesicht zu ballern. Zurück bleiben Verwirrung und Begeisterung, die einen tagelang verfolgen, nachdem man Legion gesehen hat, die Geschichte des David Haller, dessen Wahnsinn die Serie in labyrinthischen Verästerlungen nachbildet.

6. Wenn in nicht einmal anderthalb Monaten DVB-T Geschichte sein wird, ändert sich für mich gar nichts. Bei mir in der Wohnung habe ich seit der Abschaltung des analogen Fernsehens gar keinen TV-Empfang mehr. Dort schaue ich nur DVDs. Bei meinem Freund schauen wir das wenige, das wir im deutschen Fernsehen sehen, über Satellit. Das meiste wird aber inzwischen gestreamt.

7. Zuletzt habe ich Taboo weitergeschaut und das war mesmerizing, weil Tom Hardy in dieser Serie einfach so grandios in Szene gesetzt wird – und sich durch sein Spiel selbst so großartig in Szene setzt, dass ich völlig gebannt davor sitze und in dem Moment nicht weiß, wie ich je auf einen anderen Mann/Schauspieler abfahren konnte… Yes, I’m hooked (Beitrag folgt)! 😉

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Neulich beim SNEAKen: Lion (Garth Davis, AUS/USA/UK 2016) – spoilerfrei

Quelle: weinsteinco.com

Zwar war Lion, was oscarnominierte Filme anbelangt, die ich noch nicht gesehen habe, nicht mein Wunschfilm für die Sneak Preview (ich hätte lieber Moonlight gesehen), doch nachdem ich gehört hatte, dass Dev Patel bei den BAFTA Awards der Preis für den besten Nebendarsteller verliehen wurde, war mein Interesse an diesem Film schon gestiegen, und als dann auf der Litfaßsäule vor dem Kino das Plakat hing, tippte ich darauf, dass wir Lion sehen würden. Ich hatte recht. Und ich muss sagen, dass mich die Verfilmung dieser wahren Geschichte eines von Australiern adoptierten indischen Jungen, der als Erwachsener mit Hilfe von Google Earth seine Mutter wiederfindet, sehr gefangen genommen hat.

Dabei ist besonders der erste Teil des Filmes einfach perfekt gelungen: Es wird gezeigt, wie der 5-jährige Saroo durch eine Verkettung von Umständen in Calcutta strandet – sehr, sehr weit von seiner Heimatstadt entfernt. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie dieser kleine Junge, verloren in dieser Großstadt, versucht zu überleben. Die Kamera fängt hier tolle Bilder ein – wie ich gelesen habe, hatten Regisseur Garth Davis und Kameramann Greig Fraser für diese Sequenzen WALL-E als Vorbild -, wenn Saroo etwa durch Müllhalden zieht oder vor potentiellen Menschenhändlern wegrennt. Faszinierend, wie so ein kleines Kind, hinreißend gespielt von Sunny Pawar (die Casting-Agentur verdient eigentlich dafür einen Preis, dieses kleine, und doch so große Talent gefunden zu haben), so eine Leinwandpräsenz haben kann, selbst wenn es der kleinste Mensch weit und breit ist. Dazu gibt es ganz wenig Dialog und eine wunderbare Musik.

Es ist kein Spoiler, wenn ich verrate, dass Saroo schließlich von dem australischen Ehepaar Brierley (Nicole Kidman und David Wenham) adoptiert wird und somit ein komplett neues Leben in Australien beginnt. Als Student (nun gespielt von dem in dieser Rolle umwerfend aussehenden Dev Patel) wird durch ein gewisses Ereignis, das Saroo an seine Kindheit erinnert, der Wunsch ausgelöst, endlich herauszufinden, woher er eigentlich stammt und seine ursprüngliche Familie wiederzufinden. Die schwierige Suche (der Name des Viertels/Ortes, so wie ihn Saroo als 5-Jähriger gekannt hat, ergibt keine Treffer) zehrt sehr an ihm und an seiner Beziehung zu Lucy (Rooney Mara)…

Der Film hat folgende Nominierungen:

  • Bester Film
  • Bester Nebendarsteller (Dev Patel)
  • Beste Nebendarstellerin (Nicole Kidman)
  • Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Beste Kamera
  • Bester Original Score

Ohne die Nominierungen vorher im Detail gewusst zu haben, sind mir die Kameraarbeit und der Original Score beim Ansehen sehr positiv aufgefallen. Hier sind für mich die Nominierungen auf jeden Fall gut verständlich. Nicole Kidman hat mir hier wieder besser gefallen als z. B. in The Railway Man, ihre Gesichtszüge scheinen auch nicht mehr so eingefroren zu sein von Botox. Dass sie sich mit dieser Darstellung gegen eine Viola Davis (in Fences) oder Octavia Spencer (in Hidden Figures) durchsetzen kann, glaube ich nicht. Aber sie hat die Adoptivmutter von Saroo sehr überzeugend dargestellt. Dev Patel hat ja, wie gesagt, den BAFTA für deine Darstellung gewonnen, bei den Oscars tippe ich ja eher auf Jeff Bridges. Trotzdem finde ich die Nominierung auf jeden Fall berechtigt – es hat mir sehr viel Freude bereitet, ihm zuzusehen. Die Nominierung fürs Drehbuch ist für mich schwer nachvollziehbar, weil ich das Buch von Saroo Brierley, auf dem das Drehbuch basiert, nicht kenne. Ich finde allerdings, dass das Drehbuch im zweiten Teil (also, wenn Saroo erwachsen ist) ein paar Schwächen hat. Ich hätte z. B. gerne mehr über den zweiten indischen Jungen, den die Brierleys adoptiert hatten, erfahren. Andererseits hätte das den Film noch länger gemacht, als er mit seinen zwei Stunden schon ist.

Quelle: lionmovie.com

Und wie sieht es mit der Königskategorie „Bester Film‟ aus? Sicherlich wird hier eine nahezu unglaubliche, aber doch wahre Geschichte erzählt, die ans Herz geht und eine positive Botschaft für die heutige Zeit hat. Und der erste Teil des Filmes ist auch wirklich großartig geworden, was zum großen Teil an dem Darsteller des 5-jährigen Saroo liegt. Seinem Charme kann sich niemand entziehen (die Abstimmung nach dem Ende des Filmes war eindeutig: Ich habe eine einzige Karte im „Schlecht‟-Becher gesehen und nur ein paar wenige in „Mittel‟), noch dazu, wie oben erwähnt, ist dieser Teil auch sehr schön gefilmt. Doch insgesamt ist der Film für mich dann doch nicht ganz „bester Film‟, weil für mich diese Kategorie für wirklich außergewöhnliche Filme (nicht nur vom Thema, sondern auch von der Umsetzung) reserviert ist. Die Nominierung ist trotzdem verdient – ich bin sehr froh, dass uns der Film in der Sneak Preview gezeigt wurde, denn ich hätte ihn mir vermutlich nicht extra im Kino angesehen, weil mich „based on a true story‟-Filme nicht immer auf Anhieb interessieren. Da hätte ich eine wunderbare, herzzerreißende und gleichzeitig herzerwärmende Geschichte verpasst!

8 von 10 Punkten!

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Neulich beim BINGEWATCHING #2: Happy Valley (Series 2) – spoilerfrei

So schnell kann’s bei so einer britischen Serie gehen: Innerhalb von zwei Tagen habe ich die komplette 2. Staffel von Happy Valley durchgeschaut, nicht ganz so schwer bei nur sechs Folgen à 60 Minuten. Leichte Spoiler zu Staffel 1 sind enthalten.

18 Monate sind seit Ende der 1. Staffel vergangen, Tommy Lee Royce (James Norton, unvermindert creepy) sitzt im Gefängnis, Catherine (Sarah Lancashire) geht schon lange wieder ihrer Polizeiarbeit nach – jemand hat es auf Schafe abgesehen… Per Zufall entdeckt sie die Leiche von Tommy Lee Royces Mutter, die dritte in der Reihe von brutalen Morden an Prostituierten. Es gibt drei verschiedene Handlungsstränge, die sich nun um Catherine und ihre Familie, die Suche nach dem Serienkiller und einen Neuzugang unter den Detectives, John Wadsworth (Kevin „Molesley‟ Doyle), ranken.

Auch wenn mich die erste Staffel vielleicht noch etwas mehr gehooked hat, besonders durch James Norton als wirklich verabscheuungswürdigen Vergewaltiger und Mörder (er hat etwas weniger Screentime in Staffel 2, ist aber in den wenigen Szenen wieder großartig), fand ich auch die 2. Staffel (Sally Wainwright ist wieder komplett für das Drehbuch verantwortlich und hat auch bei vier von sechs Episoden Regie geführt) wieder äußerst spannend. Die Authentizität der Charaktere und des Lebens in solch einer Kleinstadt fasziniert mich nach wie vor, auch wenn es natürlich immer etwas unwahrscheinlich ist, dass sich auf dem Land Mörder, Vergewaltiger und Serienkiller die Klinke in die Hand geben…

Was diese Serie außerdem aus der Masse von Krimiserien für mich herausstechen lässt, ist, dass es nicht nur ein Whodunnit ist, sondern es sehr stark um die Charaktere geht, hier eben vor allem die Familie von Catherine, die ja immer noch daran zu knabbern hat, dass Catherines Tochter sechs Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Ryan Selbstmord begangen hat und eben dieser jetzt 10-jährige Sohn, der perfiderweise von Vergewaltiger Tommy Lee Royce gezeugt wurde, von Großmutter Catherine und Großtante Clare (Siobhan Finneran; mir ist tatsächlich erst beim Sehen der 2. Staffel bzw. beim Blick auf IMDb klar geworden, dass sie in Downton Abbey die intrigante Sarah O’Brian gespielt hat) aufgezogen wurde und wird. Auch andere Charaktere müssen einiges an Vergangenem und an Gegenwärtigem aushalten, das äußerst schwer zu ertragen ist, zum Teil durch eigene Schuld, zum Teil durch das, was ihnen angetan wird/wurde. In einer Nebenrolle ist übrigens Neville LongbottomMatthew Lewis zu sehen – WEIT von seiner Rolle in Harry Potter entfernt! Hat mich sehr gefreut, ihn kaum wiederzuerkennen, denn das zeigt, dass auch seine Schauspielkarriere weitergeht (er war letztes Jahr auch im Theater zu sehen, in dem Stück Unfaithful, das ich allerdings nicht gesehen habe) und er nicht für immer Neville Longbottom bleibt.

Und zu guter Letzt ist da Sarah Lancashire als Protagonistin, deren Spiel den Zuschauer tief in ihre Seele blicken lässt. Das ist wahrhaft bewunderswert und wird außerdem kameratechnisch und musikalisch so exzellent in Szene gesetzt, dass man sich an ihr nicht satt sehen kann und mit ihr sehr stark mitfühlen kann, ohne dass das Ganze auch nur im Geringsten als „tear-jerker‟ ausgelegt ist.

Sehr sehenswert – je nach Folge 8-9 Punkte!

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