Media Monday #347

Ich bin gedanklich und mit dem Herzen noch in London. Deswegen widmet sich diese Media Monday-Ausgabe auch nahezu komplett meinen Erlebnissen dort (von Mittwoch bis Samstag).

1. Wenn sich nicht langsam mal meine Begeisterung für die letzten Tage in London legt, wird es mir schwer fallen, mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich möchte eigentlich einfach permanent die Hamilton-CD anhören und/oder Beiträge über Hamilton und Julius Caesar (und die zwei anderen Stücke) und über zwei Fangirls (friedlvongrimm und ich) in London schreiben, über die Begegnungen an den Stage Doors und im Gay’s the Word Bücherladen (aus dem Film Pride) und überhaupt darüber, wie glücklich mich einmal wieder meine Leidenschaft gemacht hat und wie schön es war, dies zu teilen… Und dann kamen gestern (Samstag) noch der Film God’s Own Country und heute (Sonntag) Black Panther dazu. Mein armes Herz steht kurz davor zu bersten!

2. Die Qualität von Serien- oder TV-Produktionen im Allgemeinen ist zwar bei BBC/ITV recht hoch, aber wenn man in London im Hotelzimmer durch die 70 Sender zappt, läuft fast nie etwas Interessantes. Außerdem läuft bei denen gefühlt alle fünf Minuten Werbung.

3. Ich bliebe sicherlich auf ewig in London, wenn ich im Lotto gewinnen würde und mir ein Leben in London leisten könnte. 

4. Neulich wieder über friedlvongrimm sehr gefreut, schließlich haben wir uns fantastisch in London verstanden. Mit ihr kann man einfach viel lachen, aber auch ernsthafte Gespräche führen. Außerdem werden wir uns bei den Männern nicht in die Quere kommen (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel). Und dieser Trip hat erneut bewiesen, dass es bei Freundschaft überhaupt nicht aufs Alter ankommt. ❤

5. Aktuell auf die Watchlist gewandert ist die neue (vierte) Staffel von Shetland. Nachdem ich Hauptdarsteller Douglas Henshall auf Twitter folge, seitdem ich ihn live auf der Bühne in Network (mit Bryan Cranston) gesehen habe, wollte ich ihn nun endlich auch im Original hören (Teile der vorherigen Staffeln hatte ich im deutschen Fernsehen gesehen). Da traf es sich gut, dass ich am Mittwoch Nachmittag in London noch alleine war und das Wetter so schlecht, dass ich nichts unternehmen wollte. Also hab ich auf dem BBCiPlayer die letzte Woche herausgekommene erste Episode angeguckt – und war begeistert: vom schottischen Akzent, von der Landschaft, vom emotionalen Spiel Douglas Henshalls… Ich muss da irgendwie dranbleiben!

6. Twitter war mal wieder ärgerliche Lektüre, denn ich habe darüber herausgefunden, dass mein Foto mit James McArdle in der Daily Mail Online veröffentlicht worden ist (als Begleitfoto zu einer Meldung, dass James McArdle in Peer Gynt am National Theatre spielen wird) – natürlich ohne mein Einverständnis. Und trotz mehrerer Tweets an den Autor des Artikels, der auch auf Twitter mit diesem Foto Werbung für seinen Artikel gemacht hat, ist mein Foto immer noch auf der Website und es hat sich auch noch nicht mal jemand dafür entschuldigt oder so. Weiß gerade nicht so recht, wie ich weiter vorgehen soll.

7. Zuletzt habe ich Black Panther angesehen und das war ein würdiger Abschluss dieser Ferienwoche, weil auch dieser Film auf seine Weise groundbreaking ist – so wie das Musical Hamilton und die Inszenierung von Julius Caesar im Bridge Theatre. Auf Twitter habe ich geschrieben:

So wichtig als Beitrag zu einer Black Culture, die raus aus der Opferrolle kommt, ohne gleichzeitig andere zum Opfer machen zu wollen. Ich kann sowas von verstehen, warum zum Teil an Schulen mit einem großen Anteil an schwarzen (und vielleicht auch sozial benachteiligten) Kindern Tickets für diesen Film verschenkt wurden: In Black Panther gibt es so eine große Menge an großartigen Vorbildern – gerade auch für schwarze Mädchen!!! – und eine dringend notwendige Botschaft von World Peace. ❤ 

Advertisements
Veröffentlicht unter London, Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 19 Kommentare

Media Monday #346

Eine Woche Ferien – viel zu kurz, aber einen London-Trip – diesmal mit friedlvongrimm 🙂 – krieg ich trotzdem unter! Vorher gibt’s aber erstmal den Media Monday:

1. Der Hype, der um frisch veröffentlichte Trailer (wie beispielsweise zu Solo: A Star Wars Story, der mich allerdings eher underwhelmed hat) entsteht, ist oftmals verständlich (ich erinnere mich an meine emotionale Reaktion beim ersten Teaser-Trailer zu Star Wars: The Force Awakens, als Han Solo zu Chewie sagt: „Chewie, we’re home!‟), trotzdem beschäftigt mich so ein Trailer nicht wirklich besonders lang. Außerdem bräuchte aus meiner Sicht eh nur Teaser-Trailer geben – die anderen verraten oft schon viel zu viel. Trotzdem muss ich sagen, dass ich es bedauert habe, dass wir den Trailer zu Venom (mit Tom Hardy) nicht am Freitag vor der Sneak Preview gezeigt bekamen – ich hätte doch allzu gerne auf den Trailer zu irgendso einer dummen Komödie oder auch zum neuen Mission: Impossible (der die besten Actionszenen gleich im Trailer verheizt) dafür verzichtet…

2. Wenn draußen die Karnevals-Jecken toben und feiern, schaue ich mir entweder zu Hause dramatische Serien (siehe 7.) an oder gehe – am Rosenmontag – zu einer NT Live-Vorführung von Young Marx. Fasching oder Karneval interessiert mich nicht die Bohne.

3. Am besten sind Spezialeffekte ja eigentlich immer dann, wenn sie sich nahtlos in das Geschehen einfügen. Paradebeispiel hierfür sind alle „Auftritte‟ von Andy Serkis über Motion Capture: Von Gollum über King Kong bis zu Caesar (und Snoke, der aber aus meiner Sicht tricktechnisch nicht ganz so gut gelungen ist).

4. Von all den Lizenzprodukten, die man so zu diversen Franchises bekommt, greife ich am häufigsten zu Schlüsselanhängern. Die kann ich immer dabei haben.

5. Theaterstücke, die als Film adaptiert werden, laufen manchmal in Gefahr, dass das Material nicht genügend an das Medium Film angepasst wird. So ging es mir z. B. mit dem Film Fences, den ich wahrscheinlich als Theaterstück faszinierend gefunden hätte, der mir aber als Film zu wenig „filmisch‟ war. Dagegen fühlte sich Moonlight, der auch auf einem Theaterstück basiert, überhaupt nicht nach Theaterstück an.

6. Beim Bücherkauf lasse ich mich ja vorrangig von meinen Lieblingsautoren und von Tipps von Freundinnen und meinem älteren Bruder inspirieren/beeinflussen, weil ich damit bisher kaum Fehlkäufe getätigt habe. Einziges Gegenbeispiel ist The Circle, das mir von einer Freundin (auch Englischlehrerin) wärmstens empfohlen worden war, das ich aber bis heute nicht zu Ende gelesen habe, weil mich diese Technik-/Überwachungsgläubigkeit so dermaßen wütend macht, dass ich gar nicht wissen will, wie es ausgeht.

7. Zuletzt habe ich endlich mit der 2. Staffel von The Leftovers angefangen und das war gut so, weil die Serie einfach auf so vielen Ebenen fantastisch ist und ich nie weiß, was als nächstes passiert. Ich kann mal wieder den Aus-Knopf am Fernseher nicht finden…

Veröffentlicht unter Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 16 Kommentare

Nachgedacht meets Neulich beim BINGEWATCHING #4: This Is Us (Season 1) – eine emotionale Aufarbeitung

Photo by NBCUniversal – © 2016 NBCUniversal Media, LLC.

OK, zugegebenermaßen habe ich nicht die ganze Staffel gebinged. Aber ich denke, wenn man am Samstag Mittag direkt nach dem Aufstehen – noch während des Frühstücks – anfängt und erst nach vier Folgen (= am Ende der Staffel) wieder aufhört, kann man doch von Bingewatching sprechen.

Vorwarnung: Dieser Text ist eine Mischung aus Review und einer Ansammlung an Gedanken und Gefühlen, die diese Serie bei mir ausgelöst hat. Wer einfach nur eine Rezension lesen möchte und an meiner persönlichen Gefühlslage weniger interessiert ist, sollte sich auf die kursiv gedruckten Stellen konzentrieren…

Was soll ich sagen? Diese Familienserie trifft mich im Innern meines Herzens, vielleicht auch gerade in meiner aktuellen Lebenssituation besonders tief. Sie macht mich glücklich und stimmt mich melancholisch-traurig zugleich. Sie lässt mich an die gute Beziehung zu meinen eigenen Geschwistern und Eltern in tiefer Dankbarkeit denken und löst in mir einen tiefen Schmerz aus, dass ich es selbst nicht „geschafft‟ habe, eine eigene Familie zu gründen. Ein Schmerz, den ich glaubte, überwunden zu haben. Ich meinte, ich hätte meinen Frieden damit gemacht, dass ich keine Kinder habe und so ein „Jet-Set-Leben‟ (leicht übertrieben 😉 ) zwischen München und London führen kann. Offenbar kommt die alte Sehnsucht, das alte Bedauern dadurch, dass ich jetzt außerdem nicht mal mehr einen Partner habe, wieder mehr heraus.

Dabei vertrete ich ja immer die Meinung: Ich mache mein Lebensglück nicht von jemand anderem abhängig. Ich muss und kann selbst dafür sorgen, dass ich ein erfülltes Leben habe. Ein Partner ist quasi nur das i-Tüpfelchen. Ich lege diese Last keinem potentiellen Partner auf, mich glücklich zu machen. Ach, und wenn ich keine Kinder habe, kann ich auch ohne schlechtes Gewissen mein Geld zu Lebzeiten ausgeben, für mich. Freunde habe ich – durch die Bloggerei auch in ganz Deutschland verteilt – , eine Familie, die zwar 200+ km entfernt lebt, aber die immer für mich da ist. Ich habe kein Haus abzubezahlen, keine Schulden, keine Geldsorgen, einen unbefristeten Job in guter Position, der mir überwiegend Freude bereitet, eine Wohnung in München, deren Miete ich mir leisten kann. Dazu echte Leidenschaften, die mein Leben verschönern: für Filme und Serien, für englisches Theater, für Schauspieler und Schauspielerinnen, für die ich fast jederzeit nach London reise, für Singen und Musik (z. Zt. zu wenig), für die Fotografie, für unberührte Natur (z. B. in US-amerikanischen Nationalparks) und urbane Schönheit…

Aber nun fragt ihr euch sicher, was hat dies alles mit This Is Us zu tun? Nun, da muss ich doch ein bisschen über die Personen und die Handlung erzählen:

Kevin (Justin Hartley), Kate (Chrissy Metz) und Randall (Sterling K. Brown) sind Geschwister und alle am selben Tag geboren – Kevin und Kate sind Zwillinge und Randall ihr (schwarzer) Adoptivbruder. Ihr Eltern sind Jack (Milo Ventimiglia), der auch am selben Tag Geburtstag hat, und Rebecca (Mandy Moore). Ihre Geschichte wird nun in verschiedenen Handlungssträngen bzw. Zeitebenen erzählt: Da sind zum einen die erwachsenen Geschwister (36 Jahre alt), die mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben, und zum anderen wird die Geschichte der Liebe und Ehe zwischen ihren Eltern Jack und Rebecca erzählt. Zwischen diesen verschiedenen Ebenen wird immer wieder hin- und hergesprungen, und was Rebecca und Jack anbelangt, wird deren Geschichte auch nicht linear erzählt. Mir gefällt diese Erzählweise sehr, weil so immer ein paar Fragen offen bleiben (Was passierte davor/danach?).

Ich möchte euch aber schwerpunktmäßig die erwachsenen Geschwister vorstellen.

Photo by NBC/Ron Batzdorff/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Kevin ist sehr gut aussehend und Schauspieler. Jahrelang hat er in einer Sitcom den „Manny‟ („Man‟ + „Nanny‟) gespielt, als ernsthaften Schauspieler hat ihn aber so in Hollywood niemand angesehen. Aus verschiedenen Gründen schmeißt er schließlich diesen Job und zieht nach New York, um dort Theater zu spielen. Kann er es aber schaffen, ist er gut genug, um Theater zu spielen? Auch wenn Kevin oftmals nach außen hin selbstbewusst und charmant auftritt, quälen ihn jedoch auch enorme Selbstzweifel. In der Liebe scheint er auch nicht so recht zu wissen, was er wirklich will.

Photo by NBC/Ron Batzdorff/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Kate ist extrem fettleibig und will dem endlich ein Ende setzen. Da sie nach dem Weggang von Kevin nach New York quasi arbeitslos ist (sie war Kevins Assistentin), stürzt sie sich in eine Selbsthilfegruppe, wo sie Toby (Chris Sullivan) kennenlernt. Sie will aber eigentlich niemanden daten, der auch extrem übergewichtig ist, damit sie nicht zusammen in alte Muster verfallen. In ihr taucht auch immer wieder die Frage auf: Wer bin ich? Werde ich eine Andere, wenn ich abnehme?

Photo by NBC/Ron Batzdorff/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Randall ist erfolgreicher Geschäftsmann, verheiratet mit Beth (Susan Kelechi Watson), mit der er zwei reizende kleine Töchter hat. Er findet seinen biologischen Vater William (Ron Cephas Jones), ein ehemaliger Junkie und Musiker. Randall holt William zu sich und seiner Familie, die ihn recht schnell ins Herz schließt – doch lange haben sie ihn nicht: William hat Krebs im Endstadium… Randall wächst es über den Kopf, sich sowohl um seinen todkranken biologischen Vater zu kümmern, als auch vollen Einsatz in seiner Firma, die er groß gemacht hat, zu zeigen.

Alle drei Schauspieler stellen ihre Rollen so natürlich und authentisch dar, dass mir ihre Höhen und Tiefen absolut nahe gehen. Was hier sicher hilfreich ist, ist die Tatsache, dass ich keine der Schauspieler vorher wirklich bewusst in anderen Rollen wahrgenommen hatte. Was die Figuren außerdem so real wirken lässt, sind deren Schwächen.

Photo by NBC/Paul Drinkwater/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Kevin ist ja eigentlich ein richtiger Schönling, aber irgendwie so abhängig von seiner Schwester Kate, dass er erst, als er nach New York zieht, ein wenig selbstbewusster wird. Er springt schon mal relativ schnell von einem Bett ins nächste, ist aber nicht herzlos, es ist ihm nur noch nicht richtig klar, was bzw. wen er wirklich will.

Photo by NBC/Ron Batzdorff/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Kates Schwäche ist offensichtlich: ihre Fettleibigkeit – und ihre Unzfriedenheit damit. Dabei hat sie eine wunderschöne Stimme (von ihrer Mutter vererbt), doch nicht genügend Selbstbewusstsein, um daraus etwas zu machen, sprich, vor Publikum aufzutreten. Der Umgang mit dem Thema Fettleibigkeit gefällt mir sehr gut. Oft wird Übergewichtigen ja vorgeworfen, einfach disziplinlos zu sein – und ja, das ist auch bei Kate stellenweise ein Problem. Aber es wird auch gezeigt, was für ein schier unmöglich scheinendes Unterfangen es ist, bei SO viel Übergewicht sichtbare Ergebnisse beim Versuch abzunehmen zu bekommen. Wie frustrierend, wie demotivierend… Und trotzdem wird nicht gesagt: „Fette Weiber müssen erst abnehmen, wenn sie einen Mann finden wollen.‟ Toby, der selber ordentlich Speck auf den Rippen hat, liebt Kate so wie sie ist, würde kein Gramm missen wollen, und unterstützt sie doch letztlich, wenn es IHR Wunsch ist, abzunehmen. Also, meistens zumindest, auch Toby ist kein Heiliger, sondern hat seine Schwächen…

Photo by NBC/Vivian Zink/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Randalls Leben scheint perfekt – als einziger der drei hat er eine Familie gegründet, die wirklich adorable ist. Er ist auch beruflich am erfolgreichsten. Und doch hat ihn sein Leben lang die Frage umgetrieben, wer sein Vater sein könnte (wenn ich mich recht erinnere, wurde ihm zumindest gesagt, dass seine Mutter verstorben war). Dass er nun die Chance hat, seine Wurzeln tatsächlich kennenzulernen, wirft ihn emotional auch ganz schön durcheinander. Da er schon seit seiner Kindheit bei Stress unter Panikattacken gelitten hat, läuft er in Gefahr, durch die oben erwähnte Doppelbelastung zusammenzubrechen…

Photo by NBC/Ron Batzdorff/NBC – © 2016 NBCUniversal Media, LLC

Die Liebesgeschichte der Eltern von Kevin, Kate und Randall scheint teilweise zu gut, um wahr zu sein – Jack scheint der perfekte Ehemann und Vater. Das ist auch sein Ziel, denn sein eigener Vater war das genaue Gegenteil. Man spürt eine tiefe Liebe zwischen Jack und Rebecca, doch auch hier läuft nicht immer alles glatt, Alkohol ist im Spiel und Eifersucht… Aber die meisten Szenen zwischen ihm, Rebecca und den Kindern (werden in verschiedenen Altersstufen gezeigt) sind so herzerwärmend, dass sie in mir eben wieder diese ungestillte und unstillbare Sehnsucht danach, das auch selbst erfahren zu können, ausgelöst haben. Diese Liebe zwischen Eltern und Kindern aus der Elternsicht zu erleben, das war mir nicht vergönnt, was mich dann gedanklich weitergeführt hat zu der Frage, warum das so in meinem Leben gelaufen ist. Auch die Frage an mich, ob ich vielleicht erst noch den „Mann meines Lebens‟ (zumindest des restlichen…) finden muss, ob ich ihn finden werde, oder ob das ohnehin nur romantischer Schwachsinn ist.

Der Blick in die Zukunft, das ist dann der andere Stich, den mir diese Serie verpasst hat. William, der biologische Vater, hatte ein ziemlich beschissenes Leben voller Drogen und falscher Entscheidungen. Aber am Ende seines Lebens hat er Anschluss zur Familie seines Sohnes und findet so einen glücklichen Abschluss seines Lebens. Wer wird mich am Ende meines Lebens begleiten? Auf jeden Fall keine (eigenen) Kinder und Enkel… Hoffentlich meine Neffen und meine Nichte. Hoffentlich ein Partner.

Doch auch ganz abgesehen von meiner persönlichen Gemütsverfassung bietet die Serie so viele Momente, die einfach nahe gehen, dass sie für mich eine der besten Familienserien der letzten Jahre ist. Außerdem finde ich es eben so toll, dass hier eine wahrlich dicke Frau einer der Hauptcharaktere ist, ohne als Witzfigur zu dienen. Dass Chrissy Metz für ihre Darstellung mehrere Nominierungen bekommen hat (Golden Globe, Emmy), erfüllt mich mit Freude. Überhaupt sind die schauspielerischen Leistungen auf einem überaus hohen Niveau. Sterling K. Brown hat ja dieses Jahr auch – höchst verdient! – einen Golden Globe für seine nuancenreiche Darstellung gewonnen. Aber am schönsten ist für mich der Preis, den das ganze Ensemble bei den SAG Awards bekommen hat: Outstanding Performance by an Ensemble in a Drama Series. Indeed!

Photo by NBCUniversal – © 2016 NBCUniversal Media, LLC.

Ich möchte euch This Is Us dringend ans Herz legen – die erste Staffel ist bei Amazon Prime inklusive, die zweite ist bisher noch kostenpflichtig.

Veröffentlicht unter Film und TV, Nachgedacht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | 10 Kommentare

Neulich beim SNEAKen: The Shape of Water (Guillermo del Toro, USA 2017) – spoilerfreie Kurzkritik

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Zusammenfassung des Inhalts gibt.

So muss das sein: Oscarnominierte Filme in der Sneak, nicht so ein crap Heist-Action-Flick wie die Woche zuvor (Den of Thieves/dt. Titel: Criminal Squad). Ich habe mich schon sehr darüber gefreut, den Film mit den meisten Oscar-Nominierungen noch vor dem Kinostart in Deutschland zu sehen. Doch hat er die vielen Nominierungen verdient?

Hier die 13 Nominierungen auf einen Blick:

  • Best Directing
  • Best Picture
  • Best Actress in a Leading Role (Sally Hawkins)
  • Best Actor in a Supporting Role (Richard Jenkins)
  • Best Actress in a Supporting Role (Octavia Spencer)
  • Best Original Score (Alexandre Desplat)
  • Best Original Screenplay (Guillermo del Toro ; Vanessa Taylor)
  • Best Cinematography (Dan Laustsen)
  • Best Costume Design (Luis Sequeira)
  • Best Sound Editing (Nathan Robitaille, Nelson Ferreira)
  • Best Sound Mixing (Christian T. Cooke, Glen Gauthier, Brad Zoern)
  • Best Film Editing (Sidney Wolinsky)
  • Best Production Design (Paul D. Austerberry, Shane Vieau, Jeffrey A. Melvin)

So, wenn ich mir das so ansehe, muss ich sagen, die Nominierungen gehen zwar soweit in Ordnung, aber mal abgesehen von Costume Design sehe ich The Shape of Water in keiner Kategorie vorne. Dazu muss ich sagen, dass ich die Kategorie Beste Nebendarstellerin gar nicht beurteilen kann, weil ich außer Octavia Spencer, die wie immer fantastisch ist ❤ , keine der anderen nominierten Frauen bisher gesehen habe. Nachdem wir aber am Freitag einen Trailer zu I, Tonja gesehen haben, könnte ich mir Allison Janney sehr gut vorstellen.

Aber zurück zu Guillermo del Toros Liebesgeschichte zwischen der stummen Putzfrau Elisa (Sally Hawkins, eine wundervolle Mischung aus Zartheit und mutiger Entschlossenheit) und dem Amphibienmann (Doug Jones). Doch hier zeigt sich sofort das Hauptproblem, das ich mit dem Film habe: Ich spürte die Anziehungskraft zwischen den beiden nicht. Ich konnte das Märchen von außen wohlwollend betrachten, aber ich habe keinen Funken von Romantik oder gar Erotik gespürt. Die größere Chemie hatten für mich tatsächlich Elisa und ihr Nachbar und väterlicher Freund Giles (Richard Jenkins in einer absolut liebenswerten Rolle ❤ ). Das war eine Beziehung, die mir ans Herz ging, die Liebesgeschichte eher nicht. Und eine Liebesgeschichte, die bei mir nicht zündet, hat bei mir schlechte Karten… (Mir fällt gerade auf bzw. ein, dass ich dasselbe Problem mit del Toros Crimson Peak hatte.)

Dabei ist der Kern der Geschichte sicher sehr „lobenswert‟ (ui, das klingt stark nach Lehrerin…): Zwei Außenseiter verlieben sich ineinander, aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten zum Trotz. Äußerliche Unterschiede zählen nicht. Ja, gute Botschaft! Dann aber kommt der übliche „Militär-ist-böse‟-Quark, mit einem sehr eindeutigen Bösewicht (zweifellos mit Michael Shannon passend besetzt), was ich jetzt irgendwie nicht allzu innovativ finde (so viel zum Thema Drehbuch). Das ist dann doch alles recht vorhersehbar.

Visuell allerdings spielt der Film tatsächlich in der oberen Liga: Die frühe-60er-Jahre-Ausstattung, die satten Farben (grün ist ein Hauptthema in der Forschungsstation), die Einstellungen… das alles ist rund und verpasst dem Film einen Charme, dem man sich dann doch nicht ganz entziehen kann. Und das schafft der Film gerade in seinen ersten Einstellungen, als Elisa eingeführt wird, mit ihrem durchgetakteten Tagesablauf, mit ihrer Freundin Zelda (Octavia Spencer) und dem schon erwähnten Giles. Das ist alles in warme Farben gehüllt und lässt den Zuschauer nicht im Zweifel, dass es sich hier um ein Märchen handelt (siehe auch der „Erzähler‟ über Voice-over zu Beginn).

Sicher ein brillant gefilmter Streifen, der aber aus meiner Sicht erzählerisch z. B. nicht mit Three Billboards outside Ebbing, Missouri mithalten kann, und selbst, was die Filmtechnik anbelangt – so sehr ich ihn gerade gelobt habe – es mit solchen Mitkonkurrenten wie Dunkirk (z. B. Sound Editing + Mixing) oder Blade Runner 2049 (z. B. Cinematography) kaum aufnehmen kann, zumindest aus meiner Sicht. Mit den Schauspieler-Oscars könnte ich leben, auch wenn ich bei der besten Hauptdarstellerin Frances McDormand vorziehen würde, und beim besten Nebendarsteller Sam Rockwell (beide aus Three Billboards). Ich würde den Film weder als besten Film auszeichnen, noch Guillermo del Toro als besten Regisseur.

Trotzdem sicher ein sehenswerter Film: 7,5 von 10 Punkten.

Veröffentlicht unter Film und TV | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 13 Kommentare

Media Monday #345

Die letzte Woche möchte ich am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen. Da lief einfach so vieles schief (siehe z. B. Nr. 5), dass ich am Freitag ganz lustlos und mies gelaunt ins Wochenende ging. Wenn ich ehrlich bin, hat sich meine Laune nur wenig verbessert (Grund dafür u.a. 1.)… Und mehr fällt mir jetzt auch nicht ein als Einleitung….

Also ohne Umschweife: der Media Monday!

1. Am Wochenende habe ich ja mal wieder nicht annähernd geschafft, was ich erledigen wollte.

2. Coupling hat nach dem Weggang von Richard Coyle doch enorm an Qualität eingebüßt, schließlich war Jeff schon einfach der witzigste Charakter in dieser Serie von Steven Moffat.

3. Von all den Serien, die in diesem Quartal starten, bekomme ich relativ wenig mit, weil ich ja derzeit nicht mal viel auf Prime streame, in Ermangelung eines passenden Fernsehers. Einzige neue Serie, die ich trotzdem auf Prime schaue, ist McMafia (wegen James Norton). Auf die Watchlist habe ich mir aber gesetzt: Philip K. Dick’s Electric Dreams und Absentia. Da in den nächsten Monaten einige größere Anschaffungen anstehen (von Gleitsichtbrille – ihr glaubt nicht, wie teuer die sind! – bis voraussichtlich hin zu einem „neuen‟ Auto), wird das wohl noch eine Weile dauern, bis ich mir einen neuen Fernseher kaufe – ja, auch wenn der deutlich billiger ist als ein neues Auto. Aber egal wie Smart der TV ist, er ist halt auch kein Smart. 😛 😀

4. Ein gutes Buch zeichnet sich für mich ja dadurch aus, dass es mich zu fesseln vermag.

5. Die Berichterstattung über die Inszenierung von Shakespeare’s Julius Caesar im Bridge Theatre (u.a. mit Ben Whishaw, David Morrissey und Michelle Fairley) lässt mich ja schon extrem neugierig werden, denn am 16.2. werden friedlvongrimm und ich Teil des „Volkes‟ spielen, da wir Stehplätze direkt um die Bühne herum haben, und wir wohl auch mit ins Stück einbezogen werden (nicht einzeln, aber als Pulk). Ich werde berichten!

6. Kaum zu glauben, aber ich habe doch tatsächlich das zweite Mal in meinem Leben letzte Woche in Augsburg „erhöhtes Beförderungsentgelt‟ entrichten müssen, weil ich an dem Morgen total neben der Kappe war, und deswegen nicht nur in die Straßenbahn einstieg, die in die entgegengesetzte Richtung fuhr, als ich wollte, sondern auch noch vergessen hatte, ein Ticket zu kaufen. Und JUST in dieser Situation (ich bin eingestiegen, habe gemerkt, Scheiße, ich hab kein Ticket und: Scheiße, ich fahre in die falsche Richtung, die Türen waren aber schon zu und die Straßenbahn losgefahren) kommen die Kontrolleure rein. 60 Euro für EINE Station! Ich hätte ja beim Umsteigen dann das Ticket gekauft (ich fahre wirklich schon seit Jahrzehnten NIE schwarz)… Aber wie heißt es so schön auf der Rückseite des Überweisungsscheins: „Für den Einzug der 60,- EUR ist […] nicht entscheidend, ob jemand aus Vorsatz oder Irrtum mit öffentlichen Verkehrsmitteln ohne gültigen Fahrausweis fährt. […] Die Kontrolleure sind nicht berechtigt, Ermessungsentscheidungen zu treffen!‟ 😦 Immerhin durfte ich dann mit diesem „erhöhten Beförderungsentgelt‟ OHNE weiteren Fahrschein bis zum Ort meiner Lehrerfortbildung fahren. :-/

7. Zuletzt habe ich am Freitag in der Sneak Preview The Shape of Water gesehen und das war schön, weil ich mir den 13-fach oscarnominierten Film schon in der Woche zuvor gewünscht hatte. Sicherlich ein wunderschönes Märchen mit einer fantastischen Ausstattung und einer liebenswerten Hauptfigur – und sicher auch einer positiven Story/Message. Aber so richtig berührt hat mich der Film nicht – die Liebe zwischen Elisa und dem Amphibian Man habe ich nicht wirklich gespürt, und so habe ich den Film eher rational von außen betrachtet. Ganz anders erging es mir ja bei Three Billboards outside Ebbing, Missouri, den wir uns vor der Sneak nochmal angesehen hatten. Dieser Film ließ mich auch beim zweiten Mal lachen und weinen – für mich insgesamt der bessere Film und einer meiner persönlichen Favoriten für den Besten Film.

Veröffentlicht unter Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 20 Kommentare

Media Monday #344

Das Wochenende wurde letzten Freitag grandios mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (ich kann nicht genug Werbung für den Film machen! 😀 ) eingeleitet, hat dann dazwischen deutlich nachgelassen (der Sneakfilm Den of Thieves, auf „Deutsch“ Criminal Squad ist in der Retrospektive noch ärgerlicher als während des Schauens: Frauen sind entweder exotic dancers (mir fällt doch grad echt nicht das deutsche Wort dafür ein), Prostituierte und/oder schlicht überflüssig, Gerard Butler betreibt Overacting als unsympathischster Cop EVER, Waffen sind die Hauptdarsteller, und selbst Pablo Schreiber, der sich redlich müht, kann den Film nicht retten. Ich schweife ab… Am Sonntag bekam ich dann überraschend abends Besuch von meinem Neffen, der sich zum einen mit seinen Parkour-Kumpeln in München zum Üben getroffen hat und dann heute früh mal ganz spontan nach Marokko geflogen ist, wo er sich mit weiteren Kumpeln, die er über Parkour kennt, treffen wird. Das war cool, denn wir haben uns auch über das Verhältnis von Leben und Arbeit unterhalten – er kann sich so ein Leben, in dem man jahrzehntelang jeden Tag acht Stunden arbeitet, so wie er die letzten viereinhalb Jahre, nicht vorstellen, meint, mit dem zunehmenden Einsatz von Robotern wird sich da in Zukunft grundlegend etwas ändern müssen – bedingungsloses Grundeinkommen usw. Sehr interessantes Gespräch und ein schöner Abschluss des Wochenendes.

Dafür hat der Montag sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Nachdem ich erfolgreich die Glühbirne in meinem Blinker selbst gewechselt hatte und für die Fahrt zur Fortbildung morgen vollgetankt hatte, riss mir mitten auf einer sehr belebten Straße das Kupplungsseil. Ganz toll. Versicherung angerufen, Auto auf die Seite auf einen Parkplatz schieben lassen, auf den Abschleppdienst gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Immerhin war der „Abschlepper“ ein recht humorvoller Bayer, der meine Laune wieder etwas heben konnte, aber jetzt ist mir wieder mal bewusst, dass ich vielleicht doch langsam mal eine Entscheidung treffen muss, wie viel Geld ich in den alten Golf III noch reinstecken will…

Und so hatte ich jetzt irgendwie auch beim Ausfüllen des Media Monday den Kopf nicht so recht frei – ist mir heute zum Teil richtig schwer gefallen, Wulfs Lückentexte mit Leben zu füllen… Hier das Ergebnis:

1. Die Oscar-Nominierungen sind raus. Ich für meinen Teil habe meine Meinung dazu schon kundgetan. Hinzufügen kann ich seit Freitag, dass Three Billboards Outside Ebbing, Missouri völlig zurecht alle Nominierungen bekommen hat! Was für ein wundervoller, rundum perfekter Film! ❤

2. Nachdem ich die Auflösung/den Twist von Matrix Revolutions kenne, reizt mich der Film/die Serie so überhaupt nicht mehr, denn die Wachowski Brothers haben es geschafft, dass ich nach Abschluss der Trilogie mit mehr Fragezeichen aus dem Kino gegangen bin als nach Teil 1. Matrix hat als Einzelfilm so perfekt funktioniert – die Fortsetzungen versuche ich, aus meinem Gedächtnis zu streichen…

3. Könnte es nicht bitte viel mehr tolle Männer in meinem Leben geben wie etwa James Norton, James McAvoy, Tom Hiddleston, Tom Hardy, Benedict Cumberbatch, Matthew Rhys, Cillian Murphy, Idris Elba, Rory Kinnear, Edgar Wright…? Ich persönlich finde nämlich, das hätte ich verdient. 😀 😉 (Achtung, nicht ganz ernst gemeint! 😉 )

4. Mit ____ habe ich mal wieder zu einem wirklich außergewöhnlichen Buch gegriffen, denn ____ . Seufz. Ich lese z. Zt. überhaupt nicht. Im März bekomme ich eine neue Brille – vielleicht lese ich dann endlich wieder. Ich lese momentan nicht mal Zeitung zum Frühstück, weil meine Augen sich da noch nicht scharf stellen können…

5. Eine „ältere“ Serie zu beginnen, von der es bereits X Staffeln gibt, lädt natürlich zu Bingewatching ein. Ich zelebriere so etwas gerne, wie zuletzt bei Veronica Mars, auch wenn das nicht sooo viele Staffeln waren. Dafür ist es eine Serie mit langen Staffeln.

6. Wenn schon alles adaptiert wird, wieso gibt es dann noch keine (neue) Umsetzung zu Fahrenheit 451? Schließlich gefällt mir die alte Verfilmung von François Truffaut nicht wirklich – und mit der heutigen Tricktechnik könnte dann auch endlich der Mechanical Hound „mitspielen‟. Beim Blick auf IMDb allerdings sehe ich, dass es tatsächlich eine Neuverfilmung gibt – mit Michael B. Jordan als Guy Montag, Sofia Boutella als Clarisse (wieder zu alt!!! Das Mädel ist 17 im Buch) und Michael Shannon als Beatty. Hmm. Shannon als Beatty ist toll, Clarisse stelle ich mir völlig anders vor. Da wollte ich immer Saoirse Ronan, aber die ist jetzt auch schon fast zu alt. Nun, mal sehen, was das wird.

7. Zuletzt habe ich nochmal mit der 1. Staffel von The Americans angefangen, weil die 2. Staffel letzte Woche angekommen ist, ich aber fast gar nicht mehr wusste, was in Season 1 passiert ist, und das war eine gute Idee, weil ich ganz vergessen hatte, wie sexy diese Serie auch irgendwie ist. Und damit ich mehr davon habe, ist es ja gut, von vorne anzufangen. Und: Matthew Rhys hat sich gleich einen Platz bei 3. verdient. ❤ Apropos sexy: Ich habe außerdem die 4. Staffel von Peaky Blinders gebingewatched (sind ja nur 6 Folgen). Bei solchen Serien braucht man echt keinen Porno, obwohl es ja nichts Explizites zu sehen gibt. Aber die ganze Stimmung ist so aufgeladen! 😳

Veröffentlicht unter Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 3 Kommentare

Neulich beim BINGEWATCHING #3: Veronica Mars (komplette Serie plus Kinofilm)

Momentan betreibe ich fast ausschließlich Bingewatching, weil ich z. Zt. außer McMafia (mit James Norton, den ich ja erst vor kurzem live auf der Bühne erleben durfte) nichts streame, sondern nur DVDs schaue. Und da habe ich dank Gorana von der Ergothek mir endlich die Komplettbox von Veronica Mars zugelegt hatte, nachdem ich vor über zwei Jahren die erste Staffel gesehen hatte und zu folgender Kurzkritik (im Rahmen meines Jahresrückblicks ) gekommen war:

Äußerst sympathische weibliche Hauptfigur, die mal wieder zeigt, dass auch Highschool-Teenies gegen den Strom schwimmen können und dabei „trotzdem‟ cool sind. Ich verstehe, warum Veronica von Fans gerne mit Buffy verglichen wird, sicher in gewisser Weise ähnlich. Gegen Ende hat mich die Serie immer mehr in ihren Bann gezogen, zumal ich es sehr interessant fand, wie sich die Beziehung zwischen Veronica und Logan (Jason Dohring, den ich vorher in Moonlight gesehen habe) entwickelt.

Nun habe ich in sehr interessanter Reihenfolge innerhalb von ca. zweieinhalb bis drei Wochen die Serie zu Ende geschaut (Season 2 – Season 3 – Kinofilm von 2014 – Season 1) und konnte mich mich in dieser Zeit nur unter größter Anstrengung vom Fernseher lösen. Dabei fällt es mir direkt etwas schwer, zu benennen, was mich genau so in den Bann gezogen hat, von der knisternden Chemie des On-Off-On-Off-On-Paares Veronica (Kirsten Bell) und Logan (Jason Dohring) mal abgesehen.

Aber fangen wir doch einfach damit an: Mit wenigen Abstrichen (erste Hälfte der Staffel 2) haben es die Macher der Serie geschafft, dieses Hin und Her zwischen Veronica und Logan glaubwürdig darzustellen. Warum zu Beginn der 2. Staffel (nach einem fiesen Cliffhanger) Veronica wieder mit Duncan zusammen ist, hat wohl im Nachhinein nicht mal die Autoren und Produzenten der Serie überzeugt (Rob Thomas gibt das in einem Interview bei den Specials auch offen zu), sodass sie Duncan sogar ziemlich komplett aus der Serie rausgeschrieben haben. Aber ich schweife ab, geht es mir doch um Veronica und Logan! Logan ist ja zunächst mal (Season 1) ein ziemliches Arschloch, allerdings hat er auch ein ganz schönes Päckchen zu tragen: seine Ex-Freundin Lilly wurde ermordet, sein Vater verprügelt ihn mit dem Gürtel – und später erfährt er dann noch, dass sein Vater nicht nur ein Verhältnis mit Lilly hatte, sondern sie wohl auch getötet hat. Das alles zu verkraften, ist nicht gerade einfach – und so ist Logan kein einfacher Mensch, geschweige denn Partner. Er baut viel Mist, ist hochgradig eifersüchtig, aber andererseits auch fürsorglich, loyal und beschützend. Er ist ein Bad Boy mit einem verletzten und verletzlichen Kern – im richtigen Leben wäre das (v. a. der Bad Boy) eher nichts für mich, in Film und Serie schlägt mein Herz oft für diese Typen, und so habe ich gerade dann immer weiterschauen müssen, wenn Veronica und Logan gerade getrennt waren. Ich wollte sie einfach wieder zusammen wissen! Und ich muss sagen, da hat der Kinofilm wirklich Wunden geheilt und die Fans sicher sehr glücklich gemacht. Ein ganz klarer Unterschied zwischen dem Schöpfer der Serie Rob Thomas und dem Schöpfer von Buffy the Vampire Slayer, Joss Whedon, der Serie, mit der Veronica Mars oft in einem Zug genannt wird: Whedon hat alle Liebesbeziehungen gekillt, Rob Thomas hat den Fans am Ende das gegeben, was sich bestimmt der Großteil gewünscht hat. Nun muss man natürlich dazu sagen, dass der Film von 2014 ja via Kickstarter von den Fans mit insgesamt fast 6 Millionen (!) Dollar an finanzieller Unterstützung überhaupt erst möglich gemacht worden ist! Ich bin so neidisch und ein wenig traurig, dass ich das nicht „live‟ mitbekommen habe, weil ich damals die Serie noch nicht kannte. Eine ganze Reihe von Unterstützern hatten die Chance, als Statisten im Film mitzuwirken – das DVD-Special dazu, wie dieser Film entstanden ist, hat mir mal wieder bestätigt, das Fansein etwas Tolles ist und dass die Schauspieler und Macher von Serien mit starker Fanbase auch wissen, was sie an den Fans haben.

Doch eine weitere Beziehung ist für mich ein wesentlicher Grund dafür, warum mir die Serie doch mehr ans Herz gewachsen ist, als ich nach Sichtung der 1. Staffel dachte: Die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Keith Mars (Enrico Colantoni) und Veronica. Das war auch schon nach der 1. Staffel klar für mich, dass dieses Vater-Tochter-Gespann ein ganz besonderes ist – und so landeten die zwei sogar nach nur einer Staffel auf meiner Top 10 mit den besten Parent-Child-Relationships. Ich denke, am stärksten wird klar, wie sehr sich Vater und Tochter lieben, als Keith – literally – durchs Feuer geht, um Veronica aus der Gefriertruhe zu retten. Und dabei machen es sich die beiden auch nicht immer leicht: Mal verschweigt Keith Veronica wichtige Dinge, mal lügt Veronica ihren Vater an oder tut immer wieder Dinge, die ihr Vater nicht gut heißt. Aber das ist ja alles eigentlich normal für Jugendliche. Und deswegen passt da alles auch so gut. Enrico Colantoni war übrigens der einzige, der meinen Tweet geliked hat 🙂 ❤ :

Ansonsten ist die Serie ja inhaltlich eine Mischung aus staffelübergreifenden Story-Arcs (u. a. Season 1: Wer hat Lilly getötet? Season 2: Wer ist für das Busunglück verantwortlich? Season 3: Wer ist für die Vergewaltigungen am Hearst College verantwortlich?) und einzelnen Fällen, die Veronica für ihre Mitschüler/innen oder Kommilitonen löst. Interessanter sind sicherlich die größeren mysteries, aber gerade in der 3. Staffel, die anscheinend ansonsten eher als schwächer angesehen wird, gibt es ein paar starke Einzelfälle. In Episode 12 „There’s Got to Be a Morning After Pill“ z. B. werden die üblichen Klischees zerstört und der Vater der Studentin, der ohne ihr Wissen die Abtreibungspille RU-486 verabreicht wurde, der TV-Prediger ist, ist nicht das Monster, als das solche Prediger meistens dargestellt werden, sondern ein wirklich guter Vater, der seine Tochter voll und ganz unterstützt. Und in Folge 18 „I Know What You’ll Do Next Summer“ geht es um einen früheren Kindersoldaten aus Afrika, der seinen leiblichen Vater kennenlernt. Das war wirklich sehr berührend und einfach auch eine Folge mit einer gewollt politischen Aussage.

Dazu kommen eine Reihe von Gastauftritten, die mir viel Freude bereitet haben (hier eine Auswahl): Charisma Carpenter hatte eine wiederkehrende Rolle in der 2. Staffel, Alyson Hannigan tauchte auch zweimal auf, Joss Whedon selbst spielte auch mal eine winzige Rolle. Damals schon bekannt war Paul Rudd; einen Vorteil hatte ich durch meine späte Sichtung bei einigen Gaststars, die erst später bekannt oder gar berühmt wurden: Aaron Paul, Jessica Chastain, Adam Scott und Armie Hammer, z. B. kannte damals wohl noch kaum jemand – und seht sie euch heute an!!! Sehr, sehr cool.

Last but really not least: Veronica Mars ist eine Außenseiterin, die sich für Außenseiter einsetzt und die nichts darauf gibt, dass ihre „Hobbies‟ bzw. ihr Nebenjob Privatdetektiv nicht gerade typisch für ein Mädchen / eine junge Frau ist. Sie ist taff und mutig, zeigt sich aber auch verletzlich und misstrauisch. Sie eckt an, und daran ist sie oft nicht ganz unschuldig. Man kann ihren Umgangston nicht immer unbedingt als höflich und angemessen bezeichnen, dafür setzt sie sich aber unermüdlich für ihre Klienten und Freunde ein. Ein tolles Vorbild für Mädchen und junge Frauen – gerade weil sie trotz aller guten Eigenschaften nicht perfekt ist.

Die Serie hat sich einen festen Platz in meinem Herzen erspielt – ich bin extrem dankbar dafür, dass sie mir von Bloggerkollegen empfohlen wurde, most notably von bullion.

Veröffentlicht unter Film und TV | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 6 Kommentare