Media Monday #321

Eine seltsame 3. Ferienwoche liegt hinter mir, abwechselnd ereignisreich (ein 85. Geburtstag und eine Hochzeit) und gähnend öde (die Tage dazwischen). Ich habe ein extremes Motivationstief. Nun, ab Mitte dieser Woche ist es damit vorbei, denn da geht’s wieder auf nach London! Ich traue es mich kaum zu sagen – CRAZY!!! -, dass ich mir 10 (in Worten: zehn) Theaterstücke und Musicals in 7 Tagen ansehen werde. Öhm. 😮 Fast bin ich jetzt doch etwas erschrocken über meine Gier nach immer mehr Stücken.  Wie halte ich die ganzen Erlebnisse nachher alle auseinander? In welch tiefes Loch werde ich danach fallen? Ihr werdet es erfahren…

Nächsten Montag gibt es also die Londonausgabe des Media Monday, heute aber nochmal aus München.

1. Wenn schon SuperheldIn, dann doch bitteschön mit gut geschriebenem/r SuperbösewichtIn als GegenspielerIn. Ich finde, in den Comicserien (z. B. Daredevil und Jessica Jones) klappt das besser als in den Comicfilmen.

2. Crossover und Gastauftritte von Figuren aus anderen Serien/Comics etc. finde ich meistens ziemlich cool, vor allem, wenn ich es vorher nicht weiß. Aber findet das außerhalb von den Comic-Franchises oder Serien, die zum selben „Universum‟ (Buffyverse, Star Trek…) gehören, statt?

3. Das Ende von The Killing war ein rundherum großartiges Serien-/Staffel-Finale, denn nicht nur gab es ein kaum zu erhoffendes Happy End ohne jeglichen Kitsch, es war auch so befriedigend, dass die Fans der Serie es zweimal geschafft hatten, eine Verlängerung der Serie zu erwirken, sodass es überhaupt zu einem echten Finale kommen konnte. Leider habe ich nie eine Kritik zu dieser außergewöhnlich guten amerikanischen Krimiserie (basierend auf der dänischen Serie Forbrydelsen) geschrieben – ich kann sie aber wirklich nur empfehlen, und nicht nur, weil sie in Seattle spielt… 😉

4. Unmöglich, aber Alex O’Loughlin und Tom Hardy würde ich ja gerne mal zusammen in einem Film oder einer Serie sehen, schließlich haben beide ziemlich viele Tattoos, was ich schon mal ziemlich anziehend finde (interessanterweise, denn ICH würde mir NIE eins stechen lassen!), insbesondere allerdings, wenn sie so halb unter der Kleidung versteckt sind. Dieser Film müsste ein eher „körperlicher‟ Film sein, nicht verkopft und philosophisch. 😉 Beide Schauspieler haben eine sehr beeindruckende physische Präsenz, wenn auch Tom Hardy der „gröbere“ von beiden ist. Da mir Alex schon viel zu lange den guten Steve McGarrett in Hawaii Five-O spielt, würde ich ihn gerne mal wieder als Bösewicht, oder zumindest als „moralisch fragwürdige‟ Person sehen. Tom wäre sein Gegenspieler. Oder sein love interest? Hmmm… 😳 ❤ :mrgreen:

5. Wenn es um die Klassiker der Literatur geht, weise ich riesige Bildungslücken auf. Vor allem, was deutsche Literatur anbelangt. Goethes „Faust‟? Nie gelesen. Nicht mal in der Schule. Aber auch Shakespeare lese ich nicht, den will ich gespielt sehen! Erst dann erschließt sich auch sein Wortwitz und überhaupt sein genialer Umgang mit Sprache. Und wenn dann auch noch so ein brillanter Schauspieler wie Andrew Scott den Hamlet gibt, dann schau ich mir das schon mal, ähm, dreimal im Theater an 😳 (Ja, ich habe für nächsten Montag nochmal ein Ticket gekauft ❤ ).

6. Spiele zu bekannten Buch- oder Film-Reihen können meine Begeisterung meist nur kurz entflammen. Aber ich will mit pimalrquadrat unbedingt mal Tak (aus The Wise Man’s Fear von Patrick Rothfuss) spielen! 🙂

7. Zuletzt habe ich Paterson gesehen und das war ein poetisches Erlebnis, und zwar nicht nur, weil die Hauptfigur Paterson (Adam Driver) Gedichte schreibt, sondern auch durch die ruhige und zum Teil repetitive Art, wie Jim Jarmusch diesen Film inszeniert hat. Der Protagonist ist mir dabei irgendwie fremd geblieben, was aber wohl so gewollt ist, nehme ich an. Ein leiser Film abseits des großen, lauten, schnell geschnittenen Mainstream. Jetzt bei Amazon Prime!

Veröffentlicht unter Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Neulich beim SNEAKen: Wind River (Taylor Sheridan, UK/CAN/USA 2017)

Quelle: fandango.com Copyright The Weinstein Company

Mein Wunsch wurde erhört! Seitdem ich auf Twitter Jeremy Renner folge und ich mitbekommen hatte, dass er u.a. auf dem Karlovy Vary International Film Festival (in Karlsbad, Tschechien) seinen neuen Film Wind River vorgestellt hat, war ich gespannt auf diese Regiearbeit von Taylor Sheridan. Leider musste ich feststellen, dass es laut IMDb für Deutschland keinen Kinostart-Termin gab, und so hoffte ich, dass uns der Film für die Sneak Preview bereitgestellt würde – schließlich gelangte so manch Indiefilm auf diese Weise doch noch ins deutsche Kino. Edit: Laut Wikipedia soll der Film im nächsten Jahr ins deutsche Kino kommen (8. Februar).

Was mich anzog an diesem Film, waren zwei Dinge:

Erstens: Jeremy Renner in der Hauptrolle mit Cowboyhut sah auf Fotos so gut aus wie noch nie.

Quelle: teaser-trailer.com

Ich bin zwar nicht so ein großer Fan von Renner wie meine Freundin D., aber seit The Hurt Locker schätze ich seine Schauspielkunst als extrem hoch ein und bedaure stets, dass sein Name immer noch vielen kein Begriff ist (obwohl er als Hawkeye in den Marvel-Filmen dem Blockbuster-Publikum eigentlich bekannt sein sollte).

Zweitens las ich, dass Taylor Sheridan das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Sold! Sheridans vorherige Drehbücher zu Sicario und Hell or High Water gehören für mich zu den Highlights aus den letzten Jahren, da konnte Wind River kein Reinfall werden.

Nun ist Wind River ein Film „based on actual events‟, was den Film auf den ersten Blick weniger original macht, aber es geht hier um keinen konkreten Fall, sondern um mehrere Tatsachen darüber, wie das Schicksal von indianischen Frauen (man verzeihe mir den politisch unkorrekten Begriff, die deutschen Entsprechungen des amerikanischen Begriffs Native American taugen einfach nicht als Adjektiv) vielfach ignoriert wird. Am Ende des Films lesen wir:

While missing person statistics are compiled for every other demographic, none exist for Native American women.

Laut Sheridan ist außerdem Folgendes wahr:

Sexual assault of a Native woman by a non-Native couldn’t be prosecuted because it was a state crime on federal land. At the same time, if you were a Native accused of assaulting a non-Native, you could be prosecuted twice, once by the federal government and once by the tribal police. It was a double standard of medieval proportions.

Ich hatte das nicht gewusst, und so ist der Film schon aufgrund der wahren Hintergründe wichtig.

Konkret geht es hier um die Aufklärung eines Verbrechens an einer jungen Frau aus der Wind River Indian Reservation in Wyoming: Cory Lambert (Renner), Mitarbeiter des United States Fish and Wildlife Service, findet bei der Suche nach Berglöwen, die Jagd auf das Vieh der Einwohner machen, die 18-jährige Natalie (Kelsey Asbille) tot im Schnee. Barfuß, und mehrere Kilometer von den nächsten Siedlungen und Häusern entfernt. Das FBI schickt die junge Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) aus Florida, um festzustellen, ob es sich um Mord handelt. Nur bei Mord würde das FBI weiter ermitteln, ansonsten würde die Tribal Police, also die Polizei der Indian Reservation auf sich gestellt sein. Jane will helfen, den Tod aufzuklären, da ihr aber kaum Hilfe zur Verfügung steht, bittet sie Lambert um Hilfe, schließlich ist er ein erfahrener Fährtenleser. Die Spur führt schließlich zu einer Ölbohrfima…

Lambert ist emotional besonders involviert, denn Natalie war eine Freundin seiner Tochter, die vor einigen Jahren auf ähnliche Weise ums Leben gekommen war – und deren Tod nie wirklich aufgeklärt worden war. Durch diesen Verlust ist die Ehe zu seiner indianischen Frau zerbrochen.

Sheridan zeigt die Abgeschiedenheit des Lebens in einem Reservat und Probleme, die damit einhergehen. Was mich jedoch am meisten bewegt hat, waren die zwischenmenschlichen Momente, vor allem diejenigen, die Cory Lambert mit Martin (Gil Birmingham, Hell or High Water), dem Vater von Natalie, hat. Zwei Väter, die ihre Töchter verloren haben. Cory unterstützt Martin, mal mit Worten, mal einfach stumm mit seiner Anwesenheit.

Sheridan fängt die unbarmherzige und trostlose, doch auch irgendwie schöne Winterlandschaft von Wind River (gedreht wurde in Utah) sehr gut fotografisch ein. Die Fahrten auf den Schneemobilen sind äußerst rasant, die Schneeflocken plastisch trotz 2D. Dazu kommt die Filmmusik von Nick Cave und Warren Ellis – sehr melancholisch, wie man es von Nick Cave erwartet. Sie trägt dazu bei, dass die Stimmung, die in diesem Gebiet herrscht, greifbar wird. Und diese ist in erster Linie eins: kalt. Es gibt nur wenige Momente, in denen eine gewisse Wärme spürbar wird, z. B. zwischen Cory und seinem Sohn Casey (Teo Briones).

Diese unterkühlte Stimmung, unterbrochen von explosionsartiger Gewalt und ein paar wenigen herzerwärmenden und herzzerreißenden Szenen, wird überzeugend dargestellt von vielen bekannten Gesichtern: Auf der „weißen Seite‟ sind da neben Renner und Olsen z. B. Jon Bernthal (The Walking Dead, Baby Driver) und Ian Bohen (Teen Wolf, ihn habe ich schon auf der Lunar Eclipse getroffen) zu sehen, bei den Native Americans kommen bei Graham Greene und Tantoo Cardinal sofort Erinnerungen an Dances With Wolves auf. Jeremy Renner liefert eine seiner besten Performances ab – und sieht dabei so verdammt gut aus, dass man sich wünscht, dass er den Cowboyhut nie wieder ablegt. Elizabeth Olsen kann viele verschiedene Seiten ihrer Figur zeigen: Sie ist mitfühlend und taff zugleich, wirkt in einem Moment eingeschüchtert, im nächsten aber nimmt sie die Zügel in die Hand.

Was vielleicht für manche nicht ganz so gut funktioniert, ist der finale Showdown und wie – über eine Rückblende – enthüllt wird, was tatsächlich passiert ist. Ich fand diese Rückblende sehr schwer zu ertragen, nicht nur wegen der gezeigten Gewalt, sondern auch wegen der Hassgefühle, die das, was da passiert, in mir hervorgerufen hat. Das muss man/frau ertragen können…

Definitiv ein sehenswerter, wenn auch recht schwermütiger Film, wenn auch vielleicht nicht ganz so gut, wie die Verfilmungen von Sheridans letzten zwei Drehbüchern. Sehr schade, dass der Film bei uns erst nächstes Jahr im Kino anlaufen soll, wobei dann immerhin die Jahreszeit besser passt. Vormerken! 7-8 von 10 Punkten.

 

Veröffentlicht unter Film und TV | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Media Monday #320

Ein Wochenende voller Begegnungen, Spiel, Gesang und Sport liegt hinter mir. Am Samstag gab es in Nürnberg ein kleines fränkisches Bloggertreffen eines Mittelfranggen (bullion), eines Unterfranggen (mwj) und einer Oberfränggin (meine Wenigkeit). Wir haben uns wunderbar unterhalten und bullion dazugebracht, sich wie derjenige zu fühlen, der am wenigsten Ahnung von Film und TV hat 😀 :

B: Wer ist Mia Wasikowska?

B: Olivia Colman sagt mir nix.

SL: Broadchurch?The Night Manager?

B: Nicht gesehen.

(ein Auszug 😉 )

Ich kenne nun schon 14 Blogger/innen persönlich – und bin dankbar über jede einzelne Begegnung und freue mich bereits heute auf weitere Treffen! 🙂

Da ich gerade auf Heimatbesuch bin, habe ich natürlich wieder viel Skat gespielt, aber auch auf der Terrasse mit meinen Geschwistern zwei Lieder für den 85. Geburtstag meiner Patentante am Dienstag eingeübt. Dazwischen war ich dann noch mit meiner Schwester eine knappe dreiviertel Stunde Laufen.

Ihr seht, zum Serienkonsum oder Bloggen bin ich dieses Samstag und Sonntag nicht gekommen. Dafür war ich am Freitag in zwei Filmen (siehe Nr. 7).

So, heute eine lange Einleitung – jetzt aber der Media Monday! 🙂

1. Düstere Zukunftsvisionen oder schlicht Dystopien finde ich meistens sehr spannend. Deswegen freue ich mich auch schon sehr auf Blade Runner 2049! Außerdem finde ich, dass sich Dystopien sehr gut zur Behandlung im Unterricht in der 13. Klasse eignen, weil so viel Gesellschaftskritik drinsteckt. Nächstes Schuljahr werde ich wohl den alten Orwell-Klassiker 1984 mit meiner Klasse lesen – ein MUSS im Zeitalter der Fake News!

2. Wenn nächste Woche Freitag bei Netflix „The Defenders“ starten, werde ich wohl erst einmal wieder das Nachsehen haben, weil ich ja – wie mehrfach berichtet – kein Netflix-Abo habe. Außerdem habe ich irgendwie das Gefühl, ich sollte vorher Luke Cage, Iron Fist und The Punisher schauen. Aber prinzipiell freue ich mich SEHR auf ein Wiedersehen mit Daredevil und Jessica Jones. Aber es wird halt noch ein Weilchen dauern…

3. Der Regisseur Denis Villeneuve wäre für mich allein ja schon Grund genug, mich auf Blade Runner 2049 zu freuen, da mir seine letzten Werke Sicario und Arrival ja ausnehmend gut gefallen haben. Nun mag ich ja aber auch noch den Vorgänger sehr, den ich mir 2015 im Kino ansehen durfte. Und Ryan Gosling. Ergo: Ich werde den Film wohl am 5. Oktober sehen (müssen). 😉

4. Wenn ich so überlege, dürfte ich so ziemlich jeden Film von/mit Christopher Nolan (als Regisseur) kennen, mit der Ausnahme seines ersten Films Following, wie ich gerade beim Blick auf IMDb festgestellt habe. Sein neuester Film Dunkirk gehört meines Erachtens zu den Top 3 seiner besten Filme! Es war heute auch toll, mit meinen Brüdern über diesen Film zu reden, mit denen ich in diesem Fall mal wieder völlig einer Meinung war (bei Interstellar gehen unsere Meinungen ziemlich auseinander). 

5. Jonathan Pryce für die Serie TABOO zu gewinnen, war in meinen Augen ein echter Coup, schließlich zeigt er in dieser Serie meines Erachtens mit die beste Performance seiner Karriere.

6. NachSeitdem ich Baby Driver (und im Anschluss daran die Cornetto-Trilogy erneut) gesehen habe, muss ich dringend Edgar Wrights Tweets lesen, immerhin habe ich mich ein bisschen in seine Genialität und seinen Humor verliebt – und ich habe schon drei Likes von ihm auf Tweets bekommen ❤.

7. Zuletzt habe ich am Freitag The Dark Tower und später in der Sneak Preview Wind River gesehen und das war eigentlich ein perfekter Abend für meine Freundin D., weil sie Fan von Stephen King UND Jeremy Renner (Hauptrolle in Wind River) ist. Allerdings ist a) The Dark Tower nicht gerade ihr Lieblingswerk von King, und b) ist der Film dazu nun mal nicht besonders gut. Dafür sieht Jeremy Renner in Wind River nicht nur unglaublich gut mit Cowboyhut aus, sondern er kann endlich mal wieder zeigen, was für ein brillanter Charakterdarsteller er ist. Besprechung beider Filme folgt noch, Wind River, so viel kann ich schon mal sagen, ist die zweite Regiearbeit von Taylor Sheridan, der die Drehbücher zu Sicario und Hell or High Water geschrieben hat. 

Veröffentlicht unter Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 26 Kommentare

Victoria (Sebastian Schipper, D 2015)

Quelle: Wildbunch Germany

Diese Kritik enthält Spoiler.

Endlich habe ich mir diesen außergewöhnlichen deutschen Film angesehen, der an meinem Geburtstag vor zwei Jahren in die Kino gekommen war, und da – wie üblich bei mir – von mir ignoriert worden war, schließlich liegt mein Fokus doch primär auf englischsprachigen Filmen. Nun, im Grunde genommen ist Victoria ja ein englischsprachiger Film, denn die Hauptfigur, Victoria (Laia Costa) ist Spanierin, weswegen der Großteil der Dialoge auf Englisch stattfindet.

Da ich ja vergleichsweise spät dran bin mit der Sichtung des Filmes, ist natürlich schon bekannt, was das Besondere an diesem Film ist: Das englischsprachige Filmposter verrät es: One city, one night, one take. Der Film wurde in einem Take in exakt den 2 Std. und 18 Min. (lt. IMDb) gedreht, die die Handlung dauert. Die Schauspielerei – größtenteils improvisiert – ist dabei für mich nicht das Beeindruckende: Jeder Theaterschauspieler kann auch über zwei Stunden auf der Bühne stehen, ohne dass jemand „Cut‟ schreit. Ich finde es vielmehr unvorstellbar, wie man das logistisch packt! Denn der Film wurde ja nicht irgendwo auf einem Set gedreht, auf dem man alle Ampeln auf Grün stellen kann und auch ansonsten alles unter Kontrolle hat. Der Film wurde in Berlin gedreht, vielleicht nicht ganz „the city that never sleeps‟, aber trotzdem eine Stadt, die selbst zwischen 4 und 7 Uhr am Morgen nicht völlig ausgestorben ist. Dass es nur drei Durchläufe dafür brauchte, um die endgültige Version zu erschaffen, finde ich ähnlich unglaublich. Wenn man bedenkt, wie oft manche Einzeltakes bei „normal gefilmten‟ Streifen wiederholt werden!

Doch ist das alles nur ein Gimmick, ein verzweifelter Versuch, sich vom Mainstream abzuheben, ein „style over substance‟-Ding? Was erreicht Sebastian Schipper damit? Er erreicht, dass man sich immer mehr hineingezogen fühlt und spätestens ab dem Zeitpunkt, als Victoria einwilligt, mit zu dem Treffen mit dem Gangster zu fahren, dieses Gefühl hat, dass man selbst mit im Auto sitzt. Am stärksten habe ich das gemerkt, als Victoria im (gestohlenen) Auto vor der Bank wartet und der Motor des Autos ausgeht und sie verzweifelt (und erfolglos) versucht, das Auto wieder zu starten. Da ist mir schon auch ein „F*ck‟ entfahren und ich habe fieberhaft mitüberlegt, was zu tun ist, wenn das Auto gar nicht mehr anspringt.

Quelle: Wildbunch Germany

Ab hier große Spoiler!

Hier kommt dann aber doch auch die Schauspielkunst, insbesondere von Laia Costa, ins Spiel. Wenn ich auch am Anfang überhaupt nicht verstehen konnte, warum sie mit den vier für mich zwielichtigen Jungs Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) mitgeht, ist ihre Entscheidung, den Jungs dann bei ihrem Banküberfall zu helfen, irgendwie nachvollziehbar, da ihr klar gemacht wird, dass sie das nur tun, damit Boxer seine Gefängnis-Schulden zurückzahlen kann. Irgendwie hat Victoria zu diesem Zeitpunkt die Jungs schon ins Herz geschlossen, und zwar nicht nur Sonne, mit dem sie am meisten Zeit verbringt. Wie ich in einem Interview mit Schipper gelesen habe, wurde diese Begründung erst beim letzten Take eingeführt – eine kluge Entscheidung, denn ansonsten hätte ich Victoria vermutlich gar nicht verstanden. Die Entwicklung, die Victoria in diesen Stunden durchmacht, stellt Laia Costa fantastisch dar – am spannendsten fand ich, wie sie auf die Mutter des Babys einredet, um ihr klar zu machen, dass sie das Baby brauchen, um aus dem Gebäude rauszukommen, dass sie dem Baby aber nichts antun würden. Da ist sie so voll auf Survival-Modus, das fand ich toll. Und dann ihre tiefe Trauer und Verzweiflung, als Sonne gestorben ist, da heult sie im wahrsten Sinne des Wortes „Rotz und Wasser‟. Ich denke, das fällt vermutlich nach so einer Tour de Force, die ja bestimmt auch körperlich anstrengend war (sie müssen ja vor der Polizei davonrennen), leichter, als wenn man das ad hoc als Einzeltake hinkriegen soll. Trotzdem eine tolle Leistung!

Quelle: Wildbunch Germany

Ein besonderer Film, der zurecht hochgelobt wurde – ich bin froh, dass ich ihn endlich gesehen habe! 8 von 10 Punkten.

Veröffentlicht unter Film und TV | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

’71 (Dt.: ’71: Hinter feindlichen Linien; Yann Demange, UK 2014)

Quelle filmstarts.de (Bei Ascot Elite Home Entertainment war der Film online einfach nicht zu finden, obwohl die die DVD vertreiben)

Da ich Jack O’Connell demnächst live auf der Bühne des Young Vic, und zwar nackt unter der Dusche in Tennessee Williams‘ Cat on a Hot Tin Roof an der Seite von Sienna Miller, sehen werde, wollte ich ein bisschen mehr des Werks des 27-Jährigen kennenlernen. Bisher hatte ich ihn nur in Starred Up gesehen – und das war ein extrem harter Brocken (FSK 18). Da ’71 bei Amazon Prime inklusive ist, habe ich mir gestern nun diesen Film über den Nordirland-Konflikt angesehen. Da geht es ähnlich hart zur Sache (FSK 16).

Wie am Titel unschwer zu erkennen, befinden wir uns im Jahr 1971. Gary Hook (O’Connell) ist der britischen Armee beigetreten, sein erster Einsatz ist nun Belfast, Zentrum des Nordirland-Konflikts. Bevor sich seine Truppe dorthin auf den Weg macht, verbringt er noch ein paar Stunden mit dem Jungen Darren (Harry Verity), der offenbar in einem Heim lebt (es wird nie explizit gesagt, aber es scheint sein Bruder zu sein).

Die Einheit, zu der u. a. auch Thommo (Jack Lowden: War & Peace, Dunkirk) gehört und die vom unerwartet sanften Lt. Armitage (Sam Reid: The Railway Man, The Riot Club) geführt wird, wird sehr schnell ins Geschehen geworfen. Es soll eine Razzia durchgeführt werden, doch die Situation eskaliert, was dazu führt, dass ein Soldat stirbt und Hook im „Grenzgebiet‟ zwischen katholischen Nationalisten und protestantischen Loyalisten zurückgelassen wird. Wie wird er das überleben?

Es erschwert seine Situation, dass er nicht nur von der Provisional Irish Republican Army (PIRA) gesucht wird, sondern die Military Reaction Force (MRF), eine geheime Organisation der Loyalisten, die aber theoretisch mit der britischen Armee zusammenarbeitet, ihre eigenen gewalttätigen Ziele hat, die sie aber vor der British Army zu verbergen sucht. Kopf der MRF hier: Captain Sandy Browning, gespielt vom überaus wandlungsfähigen und oft irgendwie unangenehmen Sean Harris (Tresspass Against Us, Mission: Impossible – Rogue Nation).

Ich muss gestehen, dass ich die Hintergründe zu dem, wer die MRF ist und was für eine Rolle diese im Nordirland-Konflikt gespielt hat, nicht ganz verstanden habe. Dennoch hat mich der Film mitgerissen, was zu allererst an der sich sehr authentisch und bedrohlich anfühlenden Atmosphäre liegt. Dazu kommen einige Gewaltausbrüche und eine Explosion, die mich wirklich völlig unerwartet getroffen haben. Das wirkt real, das wirkt unmittelbar. Dazu kommen durch die Bank überzeugende schauspielerische Leistungen, first and foremost von Jack O’Connell, der Verzweiflung, Schmerz, Angst und Entschlossenheit wunderbar darstellt. (Da freue ich mich doch noch ein bisschen mehr auf seine Darstellung des Brick in Cat on a Hot Tin Roof, wobei er da ja mit dem großartigen Paul Newman aus meiner Erinnerung konkurrieren muss. Die körperliche Präsenz bringt er auf jeden Fall mit.) Doch neben ihm habe ich einige bekannte Gesichter aus anderen Filmen oder gar Theaterstücken entdeckt: Jack Lowden und Barry Keoghan sind aktuell in Dunkirk zu sehen, Paul Anderson ist Arthur Shelby in Peaky Blinders, James McArdle habe ich zuletzt auf der Bühne in Angels in America und an der Stage Door gesehen.

7 von 10 Punkten für einen Film, der zeigt, wie verbissen beide Seiten im Nordirland-Konflikt waren und wie das ein normales Leben in Belfast unmöglich machte. Ach, und wie definiert man Krieg? „Posh cunts tell thick cunts to kill poor cunts.“ (in etwa: Arschlöcher aus der Oberschicht sagen Arschlöchern ohne Bildung, dass sie Arschlöcher aus der Unterschicht abknallen sollen.)

 

Veröffentlicht unter Film und TV | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Media Monday #319

So die erste Ferienwoche ist um – und so langsam stellt sich ein gewisses Gefühl von Urlaub ein, auch wenn ich mir für Mitte/Ende der Woche (wenn es kühler sein soll) vorgenommen habe, mein Arbeitszimmer mal RICHTIG aufzuräumen, alte Materialien, die ich nicht mehr brauche wegzuwerfen, die anderen so zu ordnen, dass ich sie im nächsten Schuljahr wiederfinde, usw. usf. Nein, auch in den Sommerferien habe ich nicht komplett frei, aber das ist z. Tl. auch meine Schuld, denn ich müsste ja mein Arbeitszimmer während des Schuljahres nicht so verwahrlosen lassen… Wenn ich dann hoffentlich brav gearbeitet habe, belohne ich mich nächsten Samstag mit einen fränkischen Bloggertreffen – ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf bullion und mwj von Angesicht zu Angesicht zu sehen! 🙂

Davon berichte ich dann wahrscheinlich im nächsten Media Monday, was mir zum heutigen eingefallen ist, lest ihr jetzt:

1. Wenn ich schon lese „Die ideale Urlaubs-/Strandlektüre“, rolle ich mit den Augen. Ich wähle meine Literatur nicht nach solchen Kriterien aus.

2. Paris Pied Nus (Paris Barfuß) hebt sich dahingehend von Mainstream-Filmen ab, dass der Film eine Art von Komödie ist, die mir ausgestorben zu sein schien: Slapstick, Körpersprache und Mimik, die von Pantomime geprägt sind, obwohl es sich nicht um einen Stummfilm handelt, phantasievolle Ideen (von Dominique Abel und Fiona Gordon) für komische Szenen, die völlig ohne derben (Fäkal-)Humor auskommen.

3. Bei Serien immer auf dem neuesten Stand sein zu wollen, würde mich zutiefst frustrieren, denn das ist einfach auf legalem Wege in Deutschland nicht machbar, es sei denn, man hat nicht nur ein Netflix- und Amazon Prime-Abo, sondern auch noch Sky, SyFy und was es sonst noch so gibt. Oder man ist willens, wie ich es im Fall von Legion war, für jede Folge extra draufzuzahlen. Ich bin froh, dass ich bei Amazon Originals und Amazon Exclusives nun bei manchen Serien tatsächlich auf dem neuesten Stand sein kann, aber bei vielen anderen nehme ich in Kauf, erst bis zu ein Jahr später die aktuelle Staffel sehen zu können.

4. Han Solo & Princess Leia sind für mich DAS Leinwand-Traumpaar, schließlich gibt es kaum ein ikonischeres Paar in einem Franchise. Etwas aktueller, aber im selben Franchise ein Paar, das wohl sicher (leider) kein Liebespaar werden wird: Finn & Poe Dameron. ❤

5. Geht es um Rollenspiele, denke ich immer an … ähm, etwas anderes, als hier gemeint ist. 😉

6. Fleabag ist ohne Frage eine echte One-Man/Woman-Show, immerhin hat Phoebe Waller-Bridge nicht nur das Theaterstück und die Adaption fürs Fernsehen geschrieben und ist eine der Executive Producers, sondern sie spielt auch die Hauptrolle, aus deren Sicht wir diese ungewöhnliche Mischung aus Comedy und Drama erzählt bekommen. 

7. Zuletzt habe ich auf Twitter (und Facebook) etliche der Kommentare zu Chris Pratts Ankündigung gelesen, dass er und seine Frau Anna Faris sich trennen werden, und das war zum Teil äußerst ärgerlich, weil es neben den Kommentatoren, die Chris und Anna trotz allem alles Gute wünschten, so viele gab, die entweder sofort meinten zu wissen, dass es an Chris liege, weil Anna ihn schon geliebt hatte, als er noch „fett‟ und nicht berühmt war, oder dem Paar vorwarfen, dass sie die Flinte zu schnell ins Korn warfen. Am schlimmsten jedoch waren die Frauen, die sich anboten, Chris zu „trösten‟, z. Tl. mit entsprechenden Hashtags, die eindeutig zweideutig waren. Manche bemängelten auch, dass es widersinnig sei, dass Chris schrieb, dass sie das Ganze „privat‟ halten wollten, das Statement aber von ihm selbst über Social Media verbreitet wurde. Auf der einen Seite kann ich diese Kritik verstehen, auf der anderen Seite ist das doch auch nicht besser oder schlechter, als es über Zeitungen veröffentlichen zu lassen. Und rauskriegen werden (und wollen) es die Fans ja ohnehin.

Veröffentlicht unter Media Monday | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 14 Kommentare

Angels in America, Part I + II (Tony Kushner, Regie: Marianne Elliott): National Theatre, 10.6.17 – Review #2 (Inszenierung)

Nachdem ich stunden-, wenn nicht tagelang mit dem Versuch verbracht habe, euch die Charaktere aus Tony Kushners Meisterwerk vorzustellen und meine Eindrücke dazu, wie sie von den Schauspielern im National Theatre dargestellt wurden, bin ich noch eine Kritik schuldig, die sich mit der Inszenierung durch Marianne Elliott beschäftigt.

Marianne Elliott ist manchen, die NT Live verfolgen, vielleicht durch ihre Inszenierung von War Horse bekannt. In diesem Stück, das – ebenso wie der gleichnamige Film – auf dem Roman von Michael Morpurgo basiert, wurden die Pferde durch „Puppenspieler‟ dargestellt. Egal wie man zu dem Stück und dem Stoff steht (ich persönlich fand weder den Film, noch das Stück inhaltlich besonders herausragend), diese Puppenspieler-Technik jedoch war groundbreaking! Das titelgebende Pferd wurde so real für die Zuschauer, dass man richtig mitfühlen konnte, obwohl sich die Puppenspieler nicht versteckten, sondern klar als solche zu erkennen waren. So etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt!

Nun konnte Elliott für Angels in America auf diese Erfahrungen zurückgreifen, um den Flügeln des Engels Leben einzuhauchen. Das ist fantastisch gelungen! Sechs „Angel Shadows‟ bewegen die zwei großen Flügel-Teile, bzw. bilden die Verbindung zwischen den Flügeln und dem Körper des Engels (Puppetry Director and Movement: Finn Caldwell). Das National Theatre weiß schon, warum es weder bei den offiziellen Fotos noch in Trailern Bilder von diesem Engel zeigt – bei Vanity Fair gibt es immerhin ein Bild der Besetzung, auf dem die Flügel auch zu sehen sind:

Quelle: Vanity Fair; v.l.n.r.: Tony Kushner, Denise Gough Susan Brown, Amanda Lawrence, Nathan Lane, Andrew Garfield, James McArdle, Russell Tovey (unten), Nathan Stewart-Jarrett, Marianne Elliott

(zusätzlich verlinkt, für den Fall, dass das Foto gesperrt wird)

Das Bühnenbild (Ian MacNeil) und die Bühnentechnik sind auch überaus faszinierend. Was mir sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass die beiden Stücke nicht wie aus einem Guss sind, sondern unterschiedliche Bühnentechnik verwendet wird: Für Millennium Approaches werden drei Drehbühnen eingesetzt, die die jeweiligen Handlungsorte darstellten, während bei Perestroika die Zimmer z. B. durch entsprechende Beleuchtung und durch auf Rollen auf die Bühne gebrachte Props und Möbelstücke kreiert werden. Dazu kommt noch eine schmale Hebebühne, die direkt zwischen Zuschauern und Bühne nach oben gefahren wurde.

Photo by Helen Maybanks for NT

Das gibt beiden Stücken doch jeweils ihren eigenen Charakter, auch wenn die Beleuchtung (Paule Constable) ansonsten schon ähnlich wirkt. Neben den Basics haben wir dann auch noch verschiedene Effekte: Es schneit und regnet, es wird geflogen (es gibt einen „Aerial Director‟) und Prior fährt mit einer Leiter hinauf in den Himmel. Fantastisch!

Photo by Helen Maybanks for NT

Dazu wird gekämpft (Fight Director: Kate Waters) – Louis gegen Joe:

Photo by Helen Maybanks for NT

Und getanzt (Choreographer and Movement: Robby Graham) – Louis und Prior:

Photo by Helen Maybanks for NT

Die Musik von Adrian Sutton und das Sounddesign von Ian Dickinson unterstützen die visuellen Elemente perfekt.

Ich kann einfach nichts an diesen zwei Stücken finden, das man hätte besser machen können. Marianne Elliott hat ein Revival von Angels in America erschaffen, das das Publikum im Innersten getroffen hat, was die Standing Ovations – das Publikum stand sofort und ohne jegliches Zögern auf – bewiesen haben. Es ist ein Werk, das noch sehr lange nachwirkt – und auch bei einer Zweitsichtung trotz seiner enormen Länge nicht langweilt. Ich habe mir Perestroika noch ein zweites Mal via NT Live angesehen und war erneut begeistert und bewegt. Leider hat die NT Live-Übertragung von Angels in America anscheinend hier in Deutschland wenig Publikum gefunden – sehr schade und völlig unverdient!

Bei diesem Video könnt ihr noch einen Blick hinter die Kulissen eines Two-Play Days, so wie ich ihn erlebt habe, werfen:

Veröffentlicht unter National Theatre Live, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 9 Kommentare